Die beiden zur Landesgartenschau errichteten Hallen im Bürgerpark sind aus dem Kultur- und Sportleben der Stadt längst nicht mehr wegzudenken. Derweil läuft immer noch eine Klage wegen Schäden an den Dächern.
Die Stadt Lahr hat die Klage bereits im Frühjahr 2022 vor dem Freiburger Landgericht eingereicht, ohne dass das Verfahren bisher entscheidend vorangekommen wäre. Hinter vorgehaltener Hand ist im Rathaus zu hören, dass sich das Ganze noch mehrere Jahre hinziehen kann. Auch das Landgericht sieht sich auf Nachfrage unserer Redaktion außerstande, zu sagen, wann mit einem Urteil zu rechnen ist. Noch nicht einmal ein Streitwert ist festgelegt worden.
Die Klage richtet sich gegen ein Unternehmen aus Hinterzarten, das per Vertrag vom 16. Februar 2017 mit der Abdichtung der Dächer an der Sport- und Mehrzweckhalle beauftragt worden war. Diesem Betrieb wirft die Stadt Pfusch am Bau vor. Denn vor Abnahme der Dachabdichtungsarbeiten wurde festgestellt, dass in mehreren Bereichen auf der Nord- und Südseite Regenwasser in die Sporthalle geriet. Das Wasser sei bereits eingedrungen, noch während die Halle gebaut wurde, informierte die Stadt im Frühjahr 2022 den Haupt- und Personalausschuss.
Auch in die Mehrzweckhalle drang Wasser ein. Um die Ursache festzustellen, hatte die Stadt 2019 sogar einzelne Bereiche der Photovoltaikanlage vorübergehend demontieren und die Dachfläche freilegen lassen. Bei einer weiteren Leckortung im Juli 2020 sei dann eine „Durchnässung der Dachdämmung“ festgestellt worden. Der Schaden beruhe wohl auf einem unsachgemäß abgedichteten Ablauf, hieß es aus dem Rathaus. Dieser wurde ausgebaut und abgedichtet. Doch es sei zu befürchten, „dass es zu Folgeschäden am hölzernen Dachaufbau gekommen ist beziehungsweise kommt“, so die Stadt im April 2022.
Gutachten soll mögliche Folgeschäden aufzeigen
In beiden Hallen muss laut Verwaltung die durchfeuchtete Wärmedämmung ersetzt werden. In der Sporthalle müssten darüber hinaus Gipskartonplatten ausgetauscht werden, während in der Mehrzweckhalle möglicherweise zusätzliche Sanierungsarbeiten am Holzwerk nötig sind, war der Ausschussvorlage zu entnehmen. Die Kosten allein für diese Maßnahmen sollen sich laut einer ersten Schätzung von Anfang 2022 auf etwa 80 000 Euro belaufen.
Am Zustand der Dächer hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert. Die Sanierung stehe noch aus, teilt die Verwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Bisher seien keine Folgeschäden ersichtlich. Klarheit bringe aber erst ein Sachverständigengutachten, das im Zuge des Verfahrens am Landgericht erstellt werden soll. In diesem Gutachten soll dann auch die Höhe des Streitwerts geklärt werden.
Wasser dringt längst nicht mehr in die Hallen ein, dieses Problem sei behoben, so die Stadt. Es geht um die Schäden, die entstanden, bevor der unsachgemäß abgedichtete Ablauf repariert wurde. Besonders ärgerlich aus Sicht der Verwaltung ist, dass der Betrieb aus Hinterzarten auf die Beschwerden aus Lahr nicht reagierte. Das Unternehmen ließ die Fristen, die ihm zur Beseitigung der Mängel gesetzt worden waren, ungerührt verstreichen, ohne aktiv zu werden. Deshalb sieht man sich jetzt vor Gericht wieder. Die Hallen hatten zusammen knapp 20 Millionen Euro gekostet.
Weiteres Verfahren wegen undichten Dämmen
Auch der Bau des künstlichen Sees für die LGS hat bekanntlich ein gerichtliches Nachspiel – weil die Dämme undicht waren. Der Schaden wurde mittlerweile behoben, die Dämme sind erfolgreich verstärkt worden (wir berichteten). In einem Beweisverfahren vor dem Landgericht Offenburg wurden die Undichtigkeiten und damit die Mängel ebenso wie deren Verursachung durch Unternehmen, die am Bau beteiligt waren, festgestellt, teilte die Stadt mit. Zurzeit läuft vor dem Landgericht Offenburg ein Klageverfahren. Ziel sei es, „die Kosten der Seesanierung in voller Höhe erstattet zu bekommen“, so die Stadt.