Die Rosenfelder Klärwärter Helmut Fischer (von links), Michael Marraffino und Jürgen Link Foto: /Wolf-Ulrich Schnurr

Jürgen Link leitet die Rosenfelder Kläranlage. Zusammen mit seinen Kollegen Helmut Fischer und Michael Marraffino kümmert er sich Tag für Tag um die reibungslose Abwasserreinigung.

Alle drei kommen ursprünglich aus anderen Berufen, sind aber von ihrem jetzigen Job begeistert. Im Gespräch berichten sie unter anderem, dass Klärmeister schon am Geruch erkennen, ob die Anlage korrekt arbeitet.

 

Was sind Ihre Aufgaben?

„Das erste Ziel ist immer, die optimale Reinigung hinzubekommen“, sagt Jürgen Link (52). Nachts laufen die Kläranlagen teilautomatisch, morgens prüfen die Männer mittels Grafiken und Messwerten das System. Durchlaufende Abwassermenge, pH-Wert und andere Daten sichten sie auf Veränderungen und Auffälligkeiten.

Danach geht es zu den Anlagen an der Schmelzlesmühle, bei Bickelsberg, Heiligenzimmern und Erlaheim: Prüfen, Instandhalten, Reparieren, Schlamm abziehen und bei Bedarf die Schmutzrechen reinigen – es gibt immer was zu tun.

Die Rosenfelder Kläranlage wurde 1972 gebaut. /Wolf-Ulrich Schnurr

Auch Arbeit mit dem Mikroskop gehört dazu, um zu schauen, was im Abwasser ankommt. Bakterien zählen die drei allenfalls bei einer Störung: Dann müssen sie in den Kanal steigen, um Wasserproben zu nehmen und die Zuläufe selbst auswerten. Im Normalbetrieb werden Proben automatisch genommen und aufbewahrt, um bei einem Vorfall einen Vergleich zu haben.

„Das ist ein vielschichtiger Beruf“, betont Helmut Fischer (55). Dieser beinhalte Tätigkeiten von Elektriker über Schlosser und Mechaniker bis zum Chemielaboranten, Biologen und Buchhalter. Die Anlage soll mit möglichst wenig Energie möglichst effizient arbeiten. „Sie muss gehegt und gepflegt werden“, sagt Fischer.

Warum ist das wichtig?

„Sauberes Wasser muss rauslaufen“, sagt Michael Marraffino (42). Sonst drohten Algenblüte, Fischsterben, Krankheiten oder Schlimmeres.

„Abwasserreinigung, das ist aktiver Umweltschutz“, verdeutlicht Fischer. „Wenn das nicht geklärt würde, wäre die Umwelt kaputt.“

Deshalb ist rund um die Uhr, das ganze Jahr über, auch an Weihnachten und Silvester, einer des Teams erreichbar, denn bei einer Störung muss schnell gehandelt werden.

Am Ende des Prozesses muss das Wasser sauber sein. /Wolf-Ulrich Schnurr

Mögliche Gewässerbelastungen, etwa durch Öl und Schadstoffe, müssen Rathaus und Landratsamt gemeldet sowie die Auswirkung auf die Reinigungsleistung der Anlage überwacht werden. Auch bei Bränden werden die Klärwärter alarmiert – „das Löschwasser läuft ja irgendwohin“.

Auch visuell bemerken die Fachleute, wenn etwas Ungewöhnliches im Wasser ist; beispielsweise wenn geschlachtet wird oder Hobbymaler ihre Farbpinsel auswaschen. Die Fachleute wissen dann gleich, ob auf der Anlage gegengesteuert werden muss, etwa weil sich pH- und Sauerstoff-Werte verändern.

Welche Rolle haben Bakterien?

Dann kann zum Beispiel zusätzlicher Sauerstoff in die Belebungsbecken geblasen werden, damit es den Mikroorganismen darin gut geht. Diese erledigen die eigentliche Reinigungsarbeit, fressen Fäkalien und organischen Schmutz.

Im Belebungsbecken leisten Milliarden von Bakterien die eigentliche Reinigungsarbeit. /Wolf-Ulrich Schnurr

„Wir haben die meisten Mitarbeiter in ganz Rosenfeld“, sagen die Klärwärter und lachen: „Die Bakterien!“ Wie viele genau das sind, wissen die drei Männer nicht. Denn deren Zahl hängt von vielen Faktoren ab. Bereits ein einziger Milliliter Wasser des Belebtschlamms kann Millionen der hungrigen Einzeller enthalten.

Was sagen andere über Ihren Job?

„Viele Leute haben keine Ahnung von dem Beruf“, sagt Fischer. „,Da stinkt’s’, mehr wissen sie nicht.“

Link berichtet von seinem Wechsel in den Beruf: „Meine Mutter hat damals gesagt: ,Wie kannst du?’“ Das habe sich geändert. Er findet, man müsse eine breite Brust haben und sagen: „Ich mache jeden Tag etwas Sinnvolles, etwas für die Umwelt.“

Ist das wirklich ein „anrüchiger“ Beruf?

„Wenn’s auf einer Kläranlage stinkt, dann stimmt was nicht“, erklärt Link. „Gutes Abwasser riecht nach fast nichts.“ Der Chef der Rosenfelder Abwasserreinigung vergleicht seinen Beruf mit dem eines Parfümeur: Wenn er in die Parfümerie gehe, rieche es auch ungewohnt, aber der Parfümeur merke das gar nicht mehr.

„Wenn sich der normale Geruch verändert, merken wir das“, berichtet Fischer mit merklichem Stolz. „Da sind wir sensibel. Das merkt kein Messsystem.“

Marraffino ist seit zwei Jahren dabei und erinnert sich: Der Ammoniakgeruch am Rechen habe am Anfang in der Nase gebrannt – inzwischen sei er daran gewöhnt.

Was macht Ihnen daran am meisten Spaß?

„Die Abwechslung“, sagt Link. „Nicht jeder Tag ist gleich.“ Man müsse Probleme schnell lösen und könne meist nicht auf Fremdfirmen warten. Spannend findet er auch technische Entwicklungen und Möglichkeiten: „Da geht ständig was.“

„Wir sind nur drei Leute für mehrere kleine Anlagen“, beschreibt Fischer. „Dadurch ist das vielschichtiger, nicht so spezialisiert auf einen einzigen Bereich. Und ich montiere, repariere gerne, wechsle Aggregate aus.“ Eine Kläranlage sei ein System, das nie gleich funktioniere: „Jede Anlage ist individuell, daher ist es wichtig, diese gut zu warten.“

Auch Marraffino motiviert, dass nie Langeweile aufkommt: „Ich lerne jeden Tag noch etwas.“ Im kleinen Team müsse man selbst alles instandhalten, draußen sein bei Wind und Wetter, und könne sich nicht im warmen Büro verstecken.