Strengere Vorgaben stellen für das Klärwerk in Aistaig eine besondere Herausforderung dar. Die Stadt will kräftig in die Anlage investieren. Dabei soll aber nicht nur die Wasserreinigung optimiert werden.
Oberndorf - Es muss nachgerüstet werden. Die Grenzwerte für die Wasserbelastung seien deutlich gesenkt worden, erklärt Romy Bloß vom Tiefbauamt. Der Technikausschuss machte sich bei einer Besichtigung am Mittwoch ein Bild von der Lage. Zusammen mit Klärwerksleiter Oliver Blöchle stellte Bloß die geplanten Maßnahmen vor. Insbesondere die Phosphorbelastung bereite Schwierigkeiten. Um die neuen Vorgaben zu erzielen, reiche die bisherige Aufbereitungsmethode nicht mehr aus.
"Wie Zucker im Kaffee"
Phosphor ist im Wasser gelöst. "Ähnlich wie der Zucker in einem Kaffee", erklärt Blöchle. Um den Phosphor herauszulösen, werden Fällmittel, bestehend aus Aluminium- und Eisenverbindungen, dem Abwasser hinzugegeben. Diese Fällmittel reagieren mit dem Phosphor. Die neue Verbindung ist nicht mehr im Wasser gelöst, sondern wird zu einer festen Substanz, die sich im Klärschlamm absetzt.
Um die neuen Grenzwerte, die durch die Erteilung der Einleitungserlaubnis vorgegeben werden, einzuhalten, müsse man nun weitere Dosierstellen einrichten, damit man an mehreren Stellen Fällmittel ins Abwasser leiten kann, so Bloß.
Industrie Verursacher
Mit rund 110 000 Euro ist dies eine vergleichsweise günstige Maßnahme. Etwa 80 Prozent werden vom Land gefördert. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 war der Bau zweier Nachklärbecken nötig. Kostenpunkt damals: vier Millionen Euro. Das sei die wirtschaftlichste Lösung und im Interesse der Verbraucher, sagt Bloß. Denn Investitionen müssten letztlich über Gebührenerhöhungen an die Bürger weitergereicht werden. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Maßnahme vorerst ausreichend wäre. Die Errichtung einer weiteren Reinigungsstufe sei nicht notwendig.
"Idealerweise sollte im Zulauf bereits der Phosphoranteil reduziert werden und Phosphorverbindungen vermieden werden, die sich nur schwer fällen lassen", sagt Blöchle.
Der Phosphor komme aus der Industrie, so Bloß. Entlang des Neckars gebe es "neuralgische Stellen" anhand derer man im Ausschlussverfahren die wahrscheinlichen Verursacher ermitteln kann.
Belastung durch Medikamente
Zusammen mit dem Regierungspräsidium und der Gewerbeaufsicht führe man bereits Gespräche mit den möglichen Verursachern, sagt Acker. Auch wenn bisweilen Bereitschaft zur Phosphorreduzierung besteht, sei es für die Industrie nicht einfach, in der Produktion auf entsprechende Chemikalien zu verzichten.
Die Problematik sei auch darauf zurückzuführen, dass der Industrie kein Grenzwert für die Phosphoreinleitung vorgegeben wird. "Diesen Grenzwert haben wir dafür am Auslass der Kläranlage. Das ist der falsche Weg", so Bloß.
Neben Phosphor liege das Hauptaugenmerk auch auf der Beseitigung von Kohlenstoff und Stickstoff, so Blöchle. Manche Verunreinigungen, insbesondere durch Medikamente, kriege man derzeit nahezu gar nicht herausgefiltert. Dafür wären teure Investitionen nötig.
Innovative Solaranlage
Teure Investitionen plane man derzeit allerdings für den Ausbau regenerativer Energien. Das Klärwerk verbrauche jährlich rund 800 000 Kilowattstunden Strom, sagt Bloß. Etwa die Hälfte wird über das hauseigene Blockheizkraftwerk, in dem die gesammelten Faulgase verbrannt werden, generiert.
Um die zweite Hälfte des Strombedarfs weitestgehend zu decken, sollen Solaranlagen auf den Dächern und über den Belebungsbecken angebracht werden. Über den Becken soll dabei eine innovative Technologie angewandt werden: Eine Faltdach-Anlage.
Die PV-Module wären über einen Seilzug miteinander verbunden und könnten bei Bedarf zusammengefahren werden, beispielsweise wenn man von oben an die Becken heran müsse, sagt Acker.
"Pilotprojekt für die Region"
Das Unternehmen "dhp technology" aus der Schweiz habe anhand von Luftaufnahmen das Potenzial am Klärwerk entdeckt und sich an die Stadt gewandt, sagt Bloß. Die Kosten für die Anlage würden sich auf etwa 845 000 Euro belaufen.
Bisher gebe es in Deutschland nur wenige Anlagen dieser Art, so Acker. "Für unsere Region wäre das sicherlich ein Pilotprojekt." Da auf lange Sicht das ausgegebene Geld wieder zurückfließt, handle es sich um eine sinnvolle Investition.