Über den Belebungsbecken soll eine PV-Faltdach-Anlage errichtet werden. Foto: Reimer

Eine Solaranlage könnte künftig einen erheblichen Anteil des Strombedarfs der Kläranlage in Aistaig abdecken. Dabei würde keine gewöhnliche Technologie zum Einsatz kommen. Es wäre eines der ersten Projekte dieser Art in Deutschland.

Oberndorf - Über dem nordöstlichen Klärbecken soll ein Solar-Faltdach errichtet werden. Die Anlage kann dank eines Seilzugsystems jederzeit ein- und ausgefahren werden. Mithilfe eines Wetter-Steuerungssystems würde dies bei Schneefall, Sturm oder Hagel automatisch erfolgen. Mit einer Lichthöhe von etwa vier Metern, wäre der Zugang zum Becken auch bei ausgefahrener Anlage ohne Weiteres möglich.

 

Das Schweizer Unternehmen "dhp technology" hat sich bei der Entwicklung des Solar-Faltdachs in der Seilbahn-Technologie bedient. Die Statik gleiche der einer Seilbahn, zudem stammen die Zug- und Tragseile sowie die Feinmechanik aus der Seilbahn-Technologie, erklärt Nicole Keller vom Unternehmen.

Frühe Planungsphase

Die Anlage könnte rund 284 Megawattstunden Strom im Jahr erzeugen. Die Systemkosten würden bei etwa 845 000 Euro liegen. Etwa fünf bis 15 Prozent würden für projektspezifische und bauseitige Kosten hinzukommen. Das Projekt befindet sich in einer frühen Planungsphase. Es wurde im Juli bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Ausschuss für Technik und Umwelt von der Stadtverwaltung erstmals vorgestellt.

Potenzial in Aistaig erkannt

Eine Besonderheit: Bei diesem Projekt ist das Unternehmen an die Stadtverwaltung herangetreten und nicht umgekehrt. Anhand von Luftbildern wurde das Potenzial am Standort in Aistaig erkannt. Für die Firma ist das keine unübliche Vorgehensweise. Nicole Keller klärt auf: "Anhand einer Liste aller Kläranlagen Europas filtern wir zuerst nach Einwohnerwerten und schauen uns alle Anlagen ab etwa 30 000 Einwohnern näher an beziehungsweise bewerten anhand von Luftbildern, ob die Anlage potenziell geeignet wäre." Den Einwohnerwert für die Kläranlage Aistaig gibt die Stadt auf ihrer Webseite mit 35 500 an.

Als Kriterien für potenzielle Standorte nennt Keller die Verschattung oder die Verfügbarkeit von Längsbecken. Zunächst sei man in der Schweiz nach dieser Vorgehensweise verfahren, inzwischen richte man aber auch den Blick nach Deutschland und Österreich.

Gute Resonanz

Die Technologie finde in Deutschland mittlerweile Anklang, die Resonanz sei sehr gut, so Keller. Zwei Projekte seien hierzulande in der konkreten Ausführungsplanung, 14 Vorplanungen habe man bereits durchgeführt. Dadurch, dass auch Fachmagazine über die Technologie berichten, sei das System inzwischen durchaus bekannt.

Eine Vorplanung dauert üblicherweise drei bis vier Monate, die Realisierung eines Projekts nimmt etwa 15 Monate in Anspruch, so Keller.

Auch die Möglichkeit, über dem Südwestbecken ein Solar-Faltdach zu errichten, wurde untersucht. Diese Variante stellte sich allerdings nicht als wirtschaftlich heraus. Die Abstützung der Faltdach-Bahnen wäre hier nur schwierig möglich, die Zahl der Bahnen dadurch auch begrenzt, so Keller.

800 Megawattstunden Strom

Rund 800 Megawattstunden Strom verbraucht die Aistaiger Kläranlage. Derzeit wird bereits rund die Hälfte des Bedarfs vom hauseigenen Blockheizkraftwerk im Keller abgedeckt. Dort werden die Faulgase verbrannt, die bei der Verarbeitung des Klärschlamms entstehen.

Solaranlagen auf den Dächern sollen dann zusammen mit der Faltdach-Anlage den restlichen Strombedarf weitestgehend Decken, sollte das Projekt tatsächlich realisiert werden.