Eine Streik-Hochburg ist Villingen-Schwenningen zwar nicht. Doch die Doppelstadt machte in anderer Hinsicht von sich reden: Einem Arbeitgeber aus dem öffentlichen Dienst soll der Streik überhaupt nicht gepasst haben.
Wenn schon Arbeitsniederlegung, dann nur in der Freizeit, so soll die Ansage gewesen sein.
In der ersten Märzwoche machten Verdi-Gewerkschaftsmitglieder in VS ihrem Unmut darüber Luft, dass die Arbeitgeber aus dem öffentlichen Dienst auch nach der zweiten Verhandlungsrunde noch kein „angemessenes Angebot“ vorgelegt hätten.
Es war ein Nebensatz, den Thomas Weisz, Ver.di-Gewerkschaftssekretär der Region, in die Menge vor dem Villinger Rathaus schleuderte, als er auf weitere und drastischere Maßnahmen einstimmte. Kurz ging es um das Streikrecht und welchen Blick einzelne Arbeitgeber darauf hätten: Streiken ja, aber nur in der Freizeit.
Arbeitgeber belehrt
Thomas Weisz schilderte kurz den Fall eines Beschäftigten aus dem öffentlichen Dienst, der sich an Ver.di gewandt hatte. Streiken sei zwar sein gutes Recht, aber nicht während der Arbeitszeit, habe man dem Mitarbeiter signalisiert. Die Sache sei mittlerweile geklärt, erläuterte Weisz im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Arbeitgeber dahingehend belehrt, wie das im Grundgesetz verankerte Recht auf Streik zu verstehen sei.
Für den Ver.di-Gewerkschaftssekretär war dieser VS-Fall „die Ausnahme“. Auch erleben Streikende nur vereinzelt unangenehme Überraschungen oder Reaktionen, wenn sie zurück an den Arbeitsplatz kehren. Was den Streikwillen anbelangt, so Weisz, sei die Doppelstadt Durchschnitt. Landesweit beobachtet er, dass die Motivation zum Streik wieder zugenommen habe. „Die Tendenz, sich gewerkschaftlich zu organisieren, ist wieder im Kommen, ebenso wie die Bereitschaft, für die eigenen Interessen zu kämpfen.“ Dies liege sicher auch an den unsicheren Zeiten, „in denen wir leben“, ergänzt er.
Die Streikbereitschaft
Wie liest sich die Streikbereitschaft in VS anhand von Zahlen? Dazu Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen: Am Streiktag, 7. März, nahmen insgesamt 36 Mitarbeiter der Stadtverwaltung VS teil. Hiervon waren acht Erzieherinnen aus Kitas beteiligt. Wenn es um Beschäftigte aus den Kindertagesstätten in der Doppelstadt und deren Motivation geht, stehen höhere Löhne und weniger Arbeitsbelastung auf der Prioritätenliste.
50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Villingen-Schwenningen folgten dem Streikaufruf der BTBKomba, Gewerkschaft für öffentliche Dienstleistungen, Technik und Naturwissenschaften. Sie beteiligten sich an der Kundgebung in Freiburg am 7. März. Viele unterschiedliche Bereiche der Stadtverwaltung kamen zusammen, Erzieherinnen, Mitarbeiter der TDVS, der öffentlichen Verwaltung sowie Hausmeister. Wiederholt hatten die Gewerkschaften, die in einer Verhandlungsgemeinschaft mit Ver.di stehen, an die Politik appelliert, dem Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst mit besserer Bezahlung entgegenzuwirken.
Wie Eltern reagieren
Wie reagierten die Eltern auf die Arbeitsniederlegungen und damit die Schließung der Einrichtungen? „Die meisten hatten Verständnis für uns.“ Eine Aussage, die sich mit dem deckt, was Ver.di-Gewerkschaftssekretär Thomas Weisz landesweit aus den Einrichtungen hörte. Doch es kommen auch andere, verhaltenere Töne, aus dem Umfeld der Kitas in VS.
Auch für manche gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte war der Streik kein Thema. „Sicherlich möchte jeder mehr Lohn, aber unterbezahlt sehe ich mich nicht.“ Doch jenseits von den Löhnen sieht die Erzieherin noch einen anderen Aspekt, der ihrer Ansicht nach relevant für die Streikbereitschaft sei: der Personalschlüssel und auch das Betriebsklima.
Mit ein Grund dafür, dass sie nicht die Arbeit niedergelegt habe: „Ich fühle mich in meiner Kita sehr wohl.“
Unterdessen ist eine Einigung noch nicht in Sicht, die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst gehen weiter. Streitpunkt ist vor allem die Ver.di-Forderung nach weiteren freien Tagen.