Die Stadt Albstadt passt die Betreuungszeiten in den städtischen Kitas zum 1. August diesen Jahres an. Foto: Andreas Arnold/dpa

Der Bedarf für Plätze in der Ganztagsbetreuung in den Kitas ist nach Einschätzung der Stadtverwaltung zurückgegangen. Daher werden ab August die Betreuungszeiten neu strukturiert.

Die Eltern von Albstadts Kindergartenkindern wünschen weniger Ganztagesplätze, dafür ist die Betreuungsform der verlängerten Öffnungszeit (VÖ) stark nachgefragt. Das spiegelt die Anmeldesituation für das Kita-Jahr 2026/2027 wider, wie Markus Münch, Leiter im Amt für Familie, Bildung und Sport, in der jüngsten Gemeinderatssitzung erläuterte. Derzeit liegen der Stadt 531 Neuanmeldungen für Kindergartenplätze oder Änderungswünsche in der Betreuungszeit vor. Davon 77 Prozent für eine VÖ-Betreuung (6,5 beziehungsweise sechs Stunden am Stück), 9 Prozent für eine Ganztagesbetreuung und 14 Prozent für eine Regelbetreuung (mit Unterbrechung über die Mittagszeit).​

 

Das bedeutet: Der Bedarf entspricht nicht mehr der derzeitigen Struktur der Betreuungszeiten in den 28 Kindertageseinrichtungen in Albstadt, von welchen 15 Kitas in freier Trägerschaft und 13 Kitas in städtischer Trägerschaft stehen. Daher hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, die Betreuungszeiten in den städtischen Kitas ab dem 1. August dieses Jahres anzupassen.

Ganztagesbetreuung konzentriert

Das bedeutet für die Eltern: Das Ganztagesangebot wird auf drei städtische Kindergarteneinrichtungen konzentriert. Und zwar auf die Standorte Veilchenweg in Tailfingen für die Stadtteile Tailfingen und Onstmettingen, die Kita Gallusstraße in Laufen für die Stadtteile Laufen, Lautlingen und Margrethausen sowie die Kita Gartenstraße für das Stadtgebiet Ebingen. Betreut werden die Kinder dort Montag bis Donnerstag von 7 bis 16.30 Uhr und freitags von 7 bis 14 Uhr. Ausgewählt wurden die Einrichtungen, die aufgrund ihrer räumlichen Gegebenheiten die besten Voraussetzungen für die Umsetzung einer Ganztagesbetreuung bieten, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Bisher wird eine Ganztagesbetreuung in sieben städtischen Kitas in den Modellen „Ganztag kurz“ (bis zu 42,5 Stunden pro Woche) sowie „Ganztag lang“ (ab 43 Stunden pro Woche) angeboten. Eine Nutzerfrequenzanalyse aus den vergangenen drei Monaten habe der Verwaltung gezeigt, dass die Randzeiten in allen Einrichtungen nur gering in Anspruch genommen werden.

Personal effizienter einsetzen

Das Problem aus wirtschaftlicher Sicht: Obwohl jene Randzeiten nur wenig ausgelastet sind, werden jeweils zwei Fachkräfte für diese Betreuungszeit vorgehalten. Diese Personalkapazität könne anderweitig effizienter eingesetzt werden. Daher werden – neben der Konzentration der Ganztagesplätze auf drei städtische Kitas – die Betreuungszeiten in den übrigen städtischen Kindergärten vereinheitlicht. Und zwar auf die Modelle VÖ-kurz von 7.30 bis 13.30 Uhr und VÖ von 7.30 Uhr bis 14 Uhr. Die Regelbetreuung entfällt.

Hintergrund der Entscheidung seien wie dargestellt die Betreuungswünsche der Eltern. Diese haben sich in den vergangenen Jahren von der Regelbetreuung mit einer Unterbrechung zwischen Vormittags- und Nachmittagsbetreuung zu überwiegend längeren, durchgängigen Betreuungszeiten ohne Unterbrechung verschoben.

Sechs Stellen einsparen

Weiterer Vorteil für das klamme Stadtsäckel: Durch die Neustrukturierung sei es möglich, sechs Stellen für pädagogische Fachkräfte einzusparen. Weil durch die Reduzierung der Ganztagsplätze auch Zuweisungen des Landes wegfallen, könnten durch die neue Betreuungsstruktur jährlich 40.000 Euro gespart werden, wie Münch den Stadträten weiter erklärte. Übrigens: Der Vorschlag für die veränderte Betreuung in der Kita ist nicht auf Impuls der Verwaltung erfolgt. Stattdessen sei das Gremium auf die Stadt zugekommen, um in diesem Bereich Einsparpotenziale auszuloten.

Von heute auf morgen können die neu beschlossenen Betreuungszeiten indes nicht umgesetzt werden. Aufgrund der aktuellen Belegungssituation in den Kindertageseinrichtungen könne die Einführung der veränderten Betreuungsformen zum 1. August lediglich schrittweise erfolgen. Zudem wird wohl auch eine Umstrukturierung der Personalstellen notwendig. Eltern und pädagogische Fachkräfte sollen früh über die Veränderungen informiert werden, zugleich sollen Gespräche mit den freien Trägern aufgenommen werden. Grundsätzlich sieht die Verwaltung durch die neuen Betreuungszeiten Vorteile. Es entstünden „klare“ und „verlässliche“ Strukturen, die die pädagogische Arbeit auf mehreren Ebenen stärke.

20 Ja-Stimmen

Nicht alle Gemeinderäte schienen davon überzeugt: Grünen-Stadträtin Lies Ammann sprach von „einer Ersparnis von nur 40.000 Euro, was gleichzeitig eine massive Verschlechterung für Familien bedeutet, die die Ganztagesangebote brauchen“. Ulrike Münster von den Freien Wählern regte an, dass die VÖ-Zeiten den individuellen Betreuungsbedarf im Auge behalten sollten. Und Elke Rapthel vom Bündnis ZUG rückte die sechs wegfallenden Arbeitsplätze in den Fokus: „Wir brauchen diese Arbeitsstellen. Dass diese wegfallen sollen, erschließt sich mir nicht.“ Trotz der Zweifel stimmten 20 Stadträte mit Ja für den Beschlussvorschlag der Verwaltung, acht stimmten dagegen und zwei enthielten sich.