Von der Möglichkeit, zusätzliche Kinderkankentage zu nehmen, machen derzeit vor allem Mütter Gebrauch. Foto: dpa/Mascha Brichta

Um Eltern in der Krise zu entlasten, hat der Staat die Anzahl der Kinderkrankentage verdoppelt. Im Südwesten stecken offenbar überwiegend Frauen beruflich zurück, um Kinder zu betreuen. Darauf weisen die Zahlen der DAK Gesundheit hin.

Stuttgart - Die Möglichkeit, bei Schul- und Kitaschließungen Kinderkrankentage zu nehmen, um den Nachwuchs daheim zu betreuen, wird von Eltern im Südwesten häufig genutzt. Darauf weisen Zahlen der DAK Gesundheit für Baden-Württemberg hin, die unserer Zeitung vorliegen.

1484 dieser Tage wurden im Südwesten seit dem 5. Januar dieses Jahres, als das entsprechende Bundesgesetz rückwirkend in Kraft trat, von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei der drittgrößten gesetzlichen Krankenkasse beantragt. „Dies entspricht unseren Erwartungen“, kommentiert ein Sprecher diese Zahlen und spricht von einem „regen“ Gebrauch.

Um Eltern in Pandemie-Zeiten zu unterstützen hatte der Bund die Anzahl der Kinderkrankentage für Mütter und Väter auf 20 pro Kind und Jahr verdoppelt. Beantragen können sie alle gesetzlich Versicherten. Sie bekommen dann rund 90 Prozent ihres üblichen Gehalts.

80 Prozent der Tage werden von Frauen genommen

Wie die Zahlen der DAK allerdings auch zeigen, stecken derzeit vor allem Frauen beruflich zurück, um die Kinder zu versorgen: 1160 Kinderkrankentage, und damit knapp 80 Prozent, wurden von Müttern genommen. Zahlen anderer Kassen lägen derzeit noch nicht vor, so ein Sprecher des Verbandes der Ersatzkassen Baden-Württemberg, der unter anderem auch die Barmer und Techniker Krankenkasse vertritt. „Es dürfte sich aber bei unseren Mitgliedskassen ähnlich verhalten.“

Währenddessen ist ein anderes Instrument in der Corona-Pandemie weit weniger beliebt. Nach dem Infektionsschutzgesetz können Eltern bei geschlossenen Bildungseinrichtungen bis zu zehn Wochen Lohnausfall beim Staat geltend machen. Sie bekommen dann 67 Prozent ihres Lohns. Seit Beginn der Pandemie wurden allerdings nur rund 4000 solcher Anträge im Land gestellt, wie die Zahlen des Sozialministeriums zeigen. Das liegt weit unter dem geschätzten Bedarf.

Lohnentschädigung wird selten nachgefragt

So war man letztes Jahr davon ausgegangen, dass rund 200 000 Anträge auf Lohnersatz bei den zuständigen Regierungspräsidien eingehen würden. Allerdings waren in dieser Zahl auch allgemeine Anträge von Arbeitnehmern enthalten, die aufgrund von Quarantäne oder Betriebsschließungen Lohnausfälle haben. Insgesamt liegt die Zahl der Entschädigungsfälle bei gut 66 000, wovon allerdings erst rund 18 000 bewilligt sind. Insgesamt zahlte das Land nach Angaben des Ministeriums bislang 19 Millionen Euro für Lohnersatz.

Zu den Gründen, warum so wenige Eltern von dieser Möglichkeit gebrauch machen, sagte ein Ministeriumssprecher: „Die Gründe dürften vielfältig sein. Möglicherweise konnten die Betroffenen zu Beginn der Pandemie von Urlaubsansprüchen, flexiblen Arbeitszeiten oder sonstigen Arbeitszeitmodellen Gebrauch machen und einen Verdienstausfall vermeiden. Mit Fortschreiten der Pandemie wird dies möglicherweise schwieriger, sodass wir von einer Zunahme der Anträge ausgehen.“

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