Gerhard Feucht (links), der Geschäftsführer der Kindertageseinrichtungen der katholischen Kirchengemeinde im Quellenland, und Kita-Leiter Dieter Briesch vor der Kita St. Konrad – warum hier, wie in vielen Einrichtungen auch, kein Verlass ist auf die gebuchten Betreuungszeiten, wird im Gespräch deutlich. Foto: Spitz

Statt 7 bis 17 Uhr nur 7.30 bis 15 Uhr: Seit Jahren können Eltern in der Kita St. Konrad nicht auf die gebuchte Ganztagsbetreuung zählen. Ein Vater sieht seine Existenz bedroht.

Es geht ums Prinzip und die berufliche Existenz: Weil im Villinger Kindergarten St. Konrad seit Monaten schon keine Ganztagsbetreuung zuverlässig gewährleistet werden könne, sieht ein Vater Letztere gefährdet.

 

Gebucht hat die Familie mit zwei voll berufstätigen Elternteilen eine Betreuungszeit von 7 bis 17 Uhr für ihre Tochter. Bekommen aber hat sie etwas anderes: Aktuell könne nur eine Betreuungszeit von 7.30 bis 15 Uhr gewährleistet werden, sei jüngst mitgeteilt worden. Ein Zustand, der annähernd so schon seit rund zwei Jahren andauere und Eltern zu organisatorischen Klimmzügen zwinge.

Der Vater, der der Redaktion namentlich bekannt ist, seinen Namen aber nicht öffentlich nennen möchte aus Sorge vor Nachteilen für seine Tochter, lobt trotzdem Einrichtung und Personal: „Meine Tochter geht gerne in den Kindergarten, sie fühlt sich dort wohl und mag auch die Erzieher“, der Kita-Leiter Dieter Briesch mache einen guten Job.

Job gefährdet

Und doch: „Die wiederkehrenden Einschränkungen im vertraglich vereinbarten Ganztagsbetrieb (...) gefährden konkret meine berufliche Existenz“, stellt er fest. „In zwei der vergangenen vier Jahre war der Ganztagsbetrieb faktisch nicht verlässlich gewährleistet.“ Die Begründung sei „Personalvakanz“ – nicht nachvollziehbar, da regelmäßig Neueinstellungen über die Kita-App kommuniziert würden. Die Situation stehe im Widerspruch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Er legt seinen Schriftwechsel mit diversen Stellen offen – vom Jugendamt über das Landratsamt bis zur Erzdiözese Freiburg, unter deren Trägerschaft die Kita steht. Die Antworten seien entweder unbefriedigend oder gar nicht vorhanden. „Das bringt uns keinen Punkt weiter.“

Schwierige Gemengelage

Am anderen Ende nachgefragt, bei Gerhard Feucht, dem Geschäftsführer der Kindertageseinrichtungen der katholischen Kirchengemeinde im Quellenland, ist man man mittendrin in der Misere: „Das ist in gewisser Weise Normalität in einem Kita-Betrieb“, sagt er nämlich. Was er meint: Auf der einen Seite sind viele Vorgaben zum Wohl des Kindes – etwa Personalschlüssel pro Kind –, auf der anderen Seite die zur Verfügung stehende Personalstärke, mit der man flexibel auf vieles reagieren muss. Eine Herkulesaufgabe.

Wenn, wie in den Ganztagsgruppen von St. Konrad aktuell, recht plötzlich zwei Mitarbeiter quasi von heute auf morgen fehlen, wird es kniffelig. Bei Schwangerschaften kommt hinzu: Die Stelle ist zeitlich befristet und somit schwer vermittelbar. Die ursprüngliche Stelleninhaberin hat den Anspruch zurückzukehren, und mögliche Bewerber haben auf dem Arbeitsmarkt für Erzieher und Co. die freie Auswahl.

Nichts unversucht gelassen

Man habe nichts unversucht gelassen, beteuern Gerhard Feucht und Dieter Briesch im gemeinsamen Gespräch. Aus dem Team der Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten helfe immer wieder Personal in der Ganztagsbetreuung mit. Kurzfristig habe man sogar über Personaldienstleister Erzieher rekrutiert – eine teure Alternative, die man in Kauf genommen habe. Und doch: Hoffnung auf Besserung können die beiden nicht wirklich machen.

Den Ärger betroffener Eltern könnten sie nachvollziehen. Doch einfach weniger Kinder anzunehmen funktioniere nicht – der Personalschlüssel müsse gewahrt werden. Dennoch würden in Absprache mit der Stadt freie Plätze bis zum Sommer vorerst nicht belegt.

Bundesweite Lage

Apropos Stadt: Dort weiß man um die Reduzierung – „ein Standardvorgehen bei Personalengpässen in Kitas“, erläutert Patrick Ganter von der Pressestelle und verweist auf eine bundesweite Herausforderung: „Träger von Kitas müssen sich an die Personalvorgaben des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales in BW halten. Sofern nicht ausreichend Personal für die gesamte Öffnungszeit vorhanden ist, müssen die Betreuungszeiten entsprechend angepasst werden.“ 670 Ganztagsplätze für über Dreijährige gebe es in Villingen-Schwenningen aktuell – der Bedarf an Ganztagsbetreuung sei in allen Stadtteilen deutlich gesunken, 25 Kinder stehen aktuell auf der Vormerkliste.

Die Vormerkung für die Kita St. Konrad könne weiterhin über das Online-Portal der Stadt getätigt werden – dort sei jetzt die reduzierte Öffnungszeit angegeben, sodass Eltern das bei der Vormerkung sehen können.

Eine Möglichkeit, die dem Vater, der sich an unsere Redaktion gewendet hat, wie vielen anderen Eltern zum Zeitpunkt der Anmeldung verwehrt geblieben ist. Er wird weiterhin Termine jonglieren, Arbeitgeber beschwichtigen und maximal flexibel sein müssen.

Briesch geht

Und tatsächlich steht die nächste Veränderung in der Kita schon bevor: Kita-Leiter Dieter Briesch verlässt die Einrichtung. Zeit für eine neue berufliche Chance, eine größere Kita warte auf ihn, erklärt der 58-Jährige seine Beweggründe. Währenddessen sitzt neben ihm ein gar nicht begeisterter Gerhard Feucht. „So jemanden verliert man nicht gerne“, gibt er zu, „das wird für uns eine große Herausforderung“ – die nächste in einer Gemengelage, in der längst alle Beteiligten – von den Eltern über das Personal bis hin zu Gerhard Feucht – an die Grenzen ihrer Flexibilität stoßen.