Auf dieser Fläche an der Bahnhofstraße neben dem Tennisclub (rechts) soll die neue Kita Reute gebaut werden. Foto: Kauffmann

Im Zuge des Neubaus der Kita Reute will die Gemeinde eine Brücke zur Reutestraße über die Bahnlinie bauen. Fraglich ist derzeit, ob beide Projekte gleichzeitig fertiggestellt werden können.

Der Neubau des Kindergartens Reute ist ein millionenschweres Projekt, das die Betreuung der kleinsten Bisinger sicherstellen soll.

 

In der Wahrnehmung nicht gleichermaßen präsent ist der damit einhergehende Bau einer Brücke über die Bahnlinie, mit der die Wohngebiete Koppenhalde und Hohenlaien näher „zusammenrücken“. Doch das ist nicht die einzige Absicht, die hinter dem Bauprojekt steckt.

Auf Nachfrage von Gisela Birr berichtet Bauamtsleiter Holger Maier, dass die neue Brücke auch als Rettungszufahrt für die Feuerwehr genutzt werden könne. Dies ist eine Lehre aus dem Hochwasser vom 2. Mai, bei dem aufgrund der Überflutungen Straßen unpassierbar und deshalb eine zweite Bahnquerung, die Bahnhofstraße mit Reutestraße/Irisweg verbindet, hilfreich gewesen wäre.

Dies setzt die Maßstäbe an die baulichen Anforderungen deutlich herauf: Wie Maier erklärt, sei die Brücke nicht mehr mit einer Breite von 2,5 Metern geplant, sondern inzwischen mit vier Metern. Dies ermöglicht den Fahrzeugen der Feuerwehr erst das Passieren mit schweren Fahrzeugen. Bürgermeister Roman Waizenegger: „Die Brücke muss auf die maximale Traglast von Feuerwehrfahrzeugen ausgelegt sein.“

Brücke muss von vorne herein als Rettungszufahrt konzipiert sein

Maier ausblickend: Beim Bau der Widerlager auf der Seite der Kita Reute müsse die Gemeinde daher in Vorleistung gehen. Wie Waizenegger empfiehlt, sollte die Brücke von vorne herein im Hinblick auf die Anforderungen einer Rettungszufahrt errichtet werden, denn die nachträgliche Verbreiterung sei nur „unter erschwerten Bedingungen“ möglich.

Balingen braucht die Brücke für sich selbst

Damit sind die Pläne, eine gebrauchte Brücke für das Projekt einzubauen, inzwischen verworfen. Eine Idee, die im Raum stand, war, eine fertige Brücke von der Stadt Balingen abzukaufen. Auf Nachfrage Birrs sagt Waizenegger dazu: „Balingen kann uns keine Brücke geben.“ Offenbar wird diese schon in Balingen benötigt.

Erst eine kleine, dann eine große Brücke?

Birr hakt im Gemeinderat insbesondere nach, weil sie befürchtet, dass der Kindergarten gebaut und in Betrieb ist, während die Brücke auf sich warten lässt – dann steht zwar der Kindergarten, aber Kinder und Eltern müssten je nach Wohnlage dennoch den Umweg über die Hauptstraße zurücklegen. Birrs Idee: Erst eine schmale Fußgängerbrücke, die später aufgeweitet wird zur Rettungszufahrt.

Starker Abstimmungsbedarf mit der Deutschen Bahn

Maier verweist in diesem Zusammenhang auf den auf den massiven Abstimmungsbedarf mit der Deutschen Bahn. Der Abstimmungsaufwand ist nach seiner Darstellung riesig und die Bahn ein aufwendiger Verhandlungspartner. Schon eine einzige Brücke zu errichten ist demnach ein aufwendiges Unterfangen. Die Gemeinde werde jedoch „frühzeitig Gespräche führen“. Johannes Ertelt schlägt vor, mit dem Bau des Rettungswegs zu argumentieren, denn wo Feuerwehrfahrzeuge fahren können, können auch Fußgänger und Radler fahren.

Regionalstadtbahn verkompliziert das Brückenprojekt weiter

Als wäre all das nicht genug, wird das Brückenprojekt noch komplizierter: Waizenegger erinnert bei der Sitzung an den Bau der Regionalstadtbahn – also den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Tübingen und Albstadt mit einem zweiten Gleis. Die Deutsche Bahn selbst weist im Zuge des Bebauungsplanverfahrens die Gemeinde darauf hin, sich mit dem Zweckverband Regionalstadtbahn abzustimmen.

Wird das zweite Gleis mitsamt der neuen Bahnanlagen gebaut, wäre die Brücke zwischen Kindergarten Reute und Reutestraße ein „verhältnismäßig kleines Vorhaben“ (Waizenegger). Dann stellt sich auch die Frage: Wer wird die Brücke bezahlen?

„Vorbildlich“

Jugendamt
Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens äußert sich das Jugendamt des Zollernalbkreises zum Neubau der Kita Reute so: „Das Verfahren zur Bedarfsplanung und Steuerung der Maßnahmen für die Bereitstellung der Angebote kann als vorbildlich bezeichnet werden. Sowohl Einrichtungsgröße, mögliche Konzeptionen und Standorte wurden in einem längeren Prozess mit vielfältiger fachkundiger und beratender Expertise in einer Verwaltungs- und Gremiumsarbeitsgruppe ermittelt. Von dieser Arbeitsgruppe wurde frühzeitig auch das Fachberatungsangebot zu Kindertageseinrichtungen des Landkreises abgerufen. Die Empfehlungen wurden in die Standortsuche einbezogen, so dass das Vorhaben jugendamtsseitig befürwortet wird.“

Deutsche Bahn
Die Bahn weist darauf hin, dass es im Nahbereich von Bahnanlagen zu Immissionen aus dem Bahnbetrieb kommen kann. Das Landratsamt Zollernalbkreis zitiert aus der Stellungnahme des Ingenieurbüros im Bebauungsplan: „Vorsorglich wird aufgrund der möglichen Lärmimmissionen durch den Schienenverkehrslärm empfohlen, besonders schutzbedürftige Aufenthaltsräume wie etwa Ruheräume an den vom Schienenlärm abgewandten Gebäudeseiten einzurichten oder ein erhöhtes Schalldämm-Maß der Außenbauteile (Schallschutzfenster) einzubauen.“