Neue Tagespflege, neues Konzept, neue Chancen: In Furtwangen soll eine neue Kinder-Oase entstehen – damit kein Platzmangel mehr den Alltag von Familien bestimmt.
Neben der möglichen Einrichtung eines Naturkindergartens in Furtwangen in Trägerschaft der Stadt wurde vom Gemeinderat eine weitere Möglichkeit für zusätzliche Kinderbetreuung in Furtwangen vorgestellt: Eine Kinder-Tagespflege für fünf oder auch mehr Kinder in Trägerschaft eines Vereins. Sogar eine mögliche Räumlichkeit wurde schon ins Auge gefasst: das jetzige evangelische Gemeindezentrum.
Träger und damit Arbeitgeber für diese Tagespflege wäre der Verein ICF Empower e.V.. Dieser ist wiederum der sozialdiakonische Bereich von ICF Schwarzwald-Bodensee, einer überkonfessionellen Kirche auf biblischer Grundlage mit Standorten beispielsweise in Villingen-Schwenningen. Der Verein hatte schon im Frühjahr die „Konzeption Großkindertagespflege KidUp“ vorgestellt.
Gebäude zum Verkauf
Im Unterschied zur üblichen Tagespflege mit maximal fünf Kindern je Tagesmutter schließen sich in diesem Konzept mehrere Kindertagespflegepersonen zu einem Verbund zusammen – einer so genannten Großtagespflege. Sie können höchstens zehn Kinder gleichzeitig betreuen – mit Platzsharing sogar 15.
Jede der Kindertagespflegepersonen bedarf einer eigenständigen Erlaubnis zur Kindertagespflege.
Klar ist nun aber: Losgehen soll es nicht direkt mit einer Großtagespflege, sondern einer einzelnen Gruppe. Die Anstellung der Pflegepersonen durch einen Träger hat vor allem für die Stadt den Vorteil, dass entsprechende Ausfälle durch den Träger kompensiert werden.
Nachdem man von Seiten der Verwaltung dieses Angebot befürwortete, ging man auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, die im evangelischen Gemeindehaus gefunden wurden. Eine klassische Win-Win-Situation, denn seitens der evangelischen Landeskirche besteht die Vorgabe, sich von diesem Gebäude zu trennen. Die Pfarrgemeinde würde daher das Gebäude gerne an die Stadtverwaltung verkaufen und damit für eine soziale Nutzung erhalten.
Seitens der Liegenschaftsverwaltung des Landes besteht kein Kaufinteresse für die Hochschule.
Start mit Miet-Modell
Um das Projekt möglichst schnell zu realisieren, soll das Gebäude zuerst einmal angemietet werden. Die Kosten für die Anmietung können an die Einrichtung weitergegeben werden. Es sind lediglich einige kleinere Instandhaltungsarbeiten notwendig. Vor allem muss der hölzerne Zugang zum Hauptgeschoss vor der Einrichtung erneuert werden.
Im Obergeschoss des Gebäudes ist eine Mietwohnung, aktuell von einer Familie bewohnt. Dies ergebe beim Kauf des Gebäudes weitere Mieteinnahmen. Bis zu einem Kauf möchte die Kirchengemeinde außerdem das Untergeschoss weiter nutzen im Rahmen der Sanierung des Pfarrhauses.
Das Gebäude sei, so die Verwaltung, für die geplante Nutzung besonders gut geeignet, da es ausreichend Fläche bietet. Gleichzeitig sind keine kostenintensiven Investitionen notwendig.
So stehen die Räte dazu
Der Gemeinderat beauftragte bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen die Verwaltung mit der Fortführung der Planung.
Rainer Jung von den Freien Wählern forderte, zur Sicherheit einen längerfristigen Vertrag abzuschließen. Manfred Kühne (CDU) sah in einem Kauf in dieser guten Lage kein Risiko, gab aber zu bedenken, man müsse schnell reagieren, bevor die Hochschule doch noch Wünsche äußere.
Roland Thurner von der Unabhängigen Liste bewertete die Freikirche im Hintergrund kritisch. Ein Einwand, den Bürgermeister Josef Herdner zu entkräften versuchte: In Nachbargemeinden habe man mit diesem Verein bislang gute Erfahrungen gemacht, betonte er.