Die Betreuung der Kinder ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen – auch in Nagold. (Symbolfoto) Foto: Andrey Kuzmin - stock.adobe.com

Die Betreuung von Kindern in Kitas ist aktuell eines der wichtigsten Themen für eine Kommune. Auch im Nagolder Rathaus hält das Thema die Verwaltung schwer auf Trab. Und auch in Nagold ist in der Sache nicht überall alles eitel Sonnenschein.

Das zeigte sich, als Birgit Maier, Leiterin des Amtes für Bildung und Betreuung, den Kultur- und Sozialausschuss des Nagolder Gemeinderat auf den Stand der Dinge in Sachen Kinderbetreuung brachte. Dabei gehen Maier und ihr Team davon aus, dass die Zahl der Kinder in Nagold konstant hoch bleibt. Nach 208 Geburten im vergangenen Jahr rechnet man mit rund 200 Geburten auch in diesem Jahr, denn allein im ersten Quartal erblickten 50 kleine Nagolderinnen und Nagolder das Licht der Welt.

 

Dieser Wert spielt für die Stadt ganz schnell eine Rolle, denn bereits ein Jahr später können die Kleinen als Nutzer einer der städtischen Kitas in Frage kommen. Und für diese Kinder sollte dann ein entsprechender Kita-Platz zur Verfügung stehen.

Aktuell 170 Plätze im U3-Bereich

Diese Kurzfristigkeit macht es für die Stadt nicht einfach, die Zahl der benötigten Kita-Plätze für Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren zu kalkulieren. In der jüngsten Zeit lag die Zahl der Kinder in diesem Alter bei konstant mehr als 400. 2021 lag man bei 449, 2022 lag die Zahl sogar bei 493. Anfang 2023 gab das statistische Landesamt die Zahl der Kinder in dem Alter in Nagold mit 474 an

Für diese Altersgruppe, die als U 3 ( unter drei Jahren) bezeichnet wird, gibt es aktuell 170 Plätze in Nagold. Mit der Eröffnung der neuen Kita im Industriepark Wolfsberg im September und der Krippengruppe in der Kita Steinachtal in Gündringen wird die Zahl in diesem Jahr auf 190 steigen. Die Zahl der Ganztagesplätze in dieser Altersgruppe bleibt trotz der Neueröffnungen bei 45. Auch mit den dann 190 Plätzen wird man in diesem Jahr den Bedarf nicht decken können. Das muss auch die Stadt einräumen. In ihrem Vortrag vor dem Gemeinderatsausschuss gab Birgit Maier den von ihrem Team berechneten Bedarf mit 215 Plätzen an. Wie hoch er tatsächlich ist, ist schwer zu sagen.

Im nächsten Jahr wird es 224 freie Plätze geben

Bei den Kindern im „klassischen“ Kindergartenalter zwischen drei und sechs Jahren sieht es für die Stadt Nagold aktuell so aus: Für das laufende Jahr liegt die Zahl der verfügbaren Kitaplätze bei 982, den eigentlichen Bedarf gibt das Amt für Bildung und Betreuung mit 909 an. Bis zum kommenden Kindergartenjahr 2025/26 soll die Zahl der Plätze in diesem Bereich auf stolze 1137 steigen, der bis dato noch theoretische Bedarf liegt bei 913 Plätzen. Das bedeutet, dass Nagold im nächsten Jahr 224 freie Kitaplätze hätte.

Trotz dieser Zahlen hat man so seine Probleme mit den Kitaplätzen. Und das betrifft vor allem die Kernstadt und die Gebiete Lemberg und Kernen. Dort gebe es aktuell für 427 Kinder nur 397 Plätze, so Maier. Generell gelte, dass nicht alle Kinder auch in ihre Wunsch-Kita gehen können.

Einfach zu viele Unsicherheitsfaktoren

Die Stadt Nagold hat im vergangenen Jahr etliche Kita-Plätze geschaffen, ein Teil entfiel auf Waldkindergärten im Rötenbad (20 Plätze) und in Hochdorf (20 Plätze) sowie auf die Kita Steinachtal mit 55 Plätzen. Für dieses Jahr ist noch die Eröffnung auf dem Wolfsberg und beim Waldkindergarten Mindersbach geplant. Mittelfristig plant die Stadt einen weiteren massiven Ausbau, darunter die Kita Hasenbrunnen mit 100 Plätzen, sowie am Kreisklinikum und beim Waldkindergarten Vollmaringen.

Doch ob all das ausreichen wird, weiß das Team von Birgit Maier heute noch nicht wirklich. Da gebe es einfach zu viele Unsicherheitsfaktoren: Wie wirken sich neue Baugebiete etwa in Hochdorf, Emmingen und Vollmaringen auf den Platzbedarf aus? Steigt der Betreuungsbedarf im U3-Bereich? Und kann man angesichts der Personalsituation auch alle theoretischen Plätze auch praktisch anbieten?

Und da war Birgit Maier in ihrem Bericht vor dem Ratsausschuss auch schon bei einem großen Problem, mit allerdings nicht nur Nagold zu kämpfen hat: dem Personalmangel. Schon jetzt komme es durch Engpässe beim Personal zur – auch langfristigen Reduzierung – der Betreuungszeiten, vor allem im Ganztagesbereich. Und die Gewinnung neuer Kräfte sei zeitintensiv. Allein für das Kita-Jahr 2023/24 und den Herbst 2024 habe man 19 Vollzeitstellen besetzen müssen.