Auf dem Dach der Kita Wolfswiesen soll eine Photovoltaikanlage entstehen. (Symbolfoto) Foto: © mmphoto – stock.adobe.com

Der Bedarf an Kleinkindbetreuung steigt, der Kita-Neubau Wolfswiesen, der sich in der Phase der Genehmigungsplanung befindet, wird dringend gebraucht. Im Gechinger Gemeinderat wurde nun unter anderem der Bau einer Photovoltaikanlage für das Gebäude beschlossen. Damit wird ein höherer Energieeffizienzstandard erreicht – und es winkt mehr Fördergeld.

Gechingen - Die Gemeinderäte fassten den einstimmigen Beschluss, die Anpassung vorzunehmen, um den Energieeffizienzstandard EG 40-EE zu erreichen – nicht ohne deutliche Kritik am planenden Architekturbüro zu äußern, das die jetzt endgültig beschlossene Photovoltaikanlage (PV-Anlage) zur Kosteneinsparung streichen wollte.

Denn der Energieeffizienzstandard EG 40-EE wird erst erreicht durch die maximale Belegung der Süd-Dachfläche mit einer PV-Anlage 83 kWp (Kilowattpeak) mit einem Ertrag von rund 92 Megawattstunden pro Jahr und Investitionskosten von rund 125 000 Euro. Dazu ein Batteriespeicher zum Preis von etwa 13 000 Euro.

Dadurch sind für das Kita-Projekt bei prognostizierten maximal förderfähigen Kosten von 2,62 Millionen Euro bis zu knapp 590 000 Euro Förderung möglich. Dazu kommen die noch nicht bezifferten wirtschaftlichen Vorteile durch die Nutzung und Speicherung des selbsterzeugten Stroms. Die Gesamtkosten des Kita-Projekts sind mit rund 5,2 Millionen Euro veranschlagt.

Aus dem Gremium war mehrfach betont worden, dass die Gemeinde ihre Vorbildfunktion in Sachen erneuerbare Energien und Klimaschutz wahrzunehmen habe.

Gemeinderat beschließt Neubau der Kita im März

Dass es jetzt zu diesem Beschluss kam, ist der Hartnäckigkeit speziell von Gemeinderat Wolfgang Premm zu verdanken. Die Entwurfsplanung für den Neubau der Kita Wolfswiesen hat der Gemeinderat in seiner März-Sitzung genehmigt. Premm hatte sich in das Thema Fördermöglichkeiten im Energiesektor tief eingearbeitet und in der damaligen Sitzung gefordert, diese Förderungen für den Kita-Neubau explizit nochmal zu prüfen.

Im Beschluss war dann auch der Auftrag an die Fachplaner enthalten, in Zusammenarbeit mit der Verwaltung die Realisierung des Gebäudes als Energieeffizienzgebäude 55 beziehungsweise 40 zu prüfen. Bürgermeister Jens Häußler bedankte sich ausdrücklich bei Premm für sein Engagement, dem sich die Ratskollegen per zustimmendem Klopfen anschlossen.

"Verstehe ich das richtig, dass wir fast eine halbe Million Euro Fördermittel bekommen können?", richtete sich Jürgen Groß an Benjamin Hanisch und Bernd Bauer vom Büro EGS Plan aus Stuttgart, die als Fachplaner für die Bauphysik, die Elektroplanung und die Haustechnik der künftigen Kita in der Sitzung verschiedene Varianten für PV-Anlagen und die möglichen Förderungen vorstellten. Da das so ist, "habe ich eine starke Kritik an die planenden Büros. In der letzten Sitzung zur Kita ging es darum, die PV-Anlage zu streichen und jetzt bekommen wir so einen Zuschuss!", machte er seinem Unmut, den auch die anderen Ratsmitglieder teilten, Luft. Wenn die Gemeinde sehr viel Geld für Planung ausgebe, könne man doch erwarten, dass Planer das Zukunftsthema schlechthin, erneuerbare Energien, auf dem Schirm haben und eine Kommune bei so einem Projekt entsprechend beraten und aufmerksam machen. Er forderte, dass auch weiterhin noch alle Zuschussmöglichkeiten für den Neubau aktiv geprüft werden. Frank Schöninger pflichtete Groß bei: "Deshalb hab ich das Architekturbüro vor zwei Monaten als unseriös bezeichnet."

Kita hat sehr großen Eigenbedarf

Weiter wurde diskutiert über die Größe der PV-Anlage, ob gleich die ganze Fläche oder erstmal nur soviel, wie für die Einstufung als EE 40-Gebäude vorausgesetzt wird. Da die Kita keinen sehr großen Eigenbedarf hat, würde die halbe Dachfläche ohne Speicher reichen, so Bauer. Es zeichnete sich in der Diskussion jedoch ab, dass die große PV-Anlage auf der ganzen südlichen Dachfläche favorisiert wird, die Frage war, was passiert mit dem überschüssigen Strom? Einspeisen ins Netz ist aus wirtschaftlichen Gründen bei acht Cent pro Kilowattstunde laut Bauer nicht sehr rentabel. Konstantin Böttinger brachte den Aspekt weiterer gemeindeeigener Verbraucher ins Spiel, Ladesäulen zum Beispiel. Auch Claus Schaible sprach sich dafür aus, nachdem Bauer die Möglichkeit der Netzweiterleitung innerhalb des Ortes angesprochen hatte: "Weil ich überzeugt bin, dass wir künftig viel Strom auf unseren Dächern erzeugen und für drei bis vier Cent im Ort hin und her schicken können." Zum Rathaus, zur Sporthalle, zur Kläranlage. Diese Netzweiterleitungsmöglichkeit und die Konditionen wird EGS jetzt im Zuge der PV-Planung prüfen.

Konstantin Böttinger wünscht sich, dass die Fachplaner die Möglichkeiten der Netzweiterleitung an gemeindeeigene Verbraucher sowie die Frage, ob PV auch auf der Nordseite effizient wäre, quantitativ aufbereiten und darstellen. "Das ist immer eine Frage der Beauftragung", sagte Ingenieur Hanisch, "man kann so ein Projekt groß aufziehen für die gesamte Gemeinde, das ist allerdings aufwendig. Wir haben es bis jetzt deshalb ganz schmal gehalten, um keine großen Planungskosten zu produzieren."

Er verstehe, was Böttinger sage, so der Bürgermeister, aber: "Der Kita-Bau ist die Uraufgabe wegen erfreulicherweise vielen Kindern. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen und übers Ziel hinausschießen. Stromerzeugung ist nicht die gestellte Aufgabe." Die Kita-Eröffnung dürfe nicht in die Ferne rücken.

Steigende Holzpreise

Sowohl Gerhard Mörk wie auch Wolfgang Premm richteten schließlich den Blick noch auf einen anderen Punkt, der in Sachen Kita-Bau in Holzbauweise herausfordernd werden dürfte: die massiv steigenden Holz- und damit Baupreise. "Architekt Panzer soll uns mal eine Aussage liefern, wo wir bei den aktuellen Preisen grade stehen", forderte Premm. "Leider trifft uns das Thema brutal", gestand Häußler. Er habe schon Kontakt zum Architekten, der in der Verwendung von Holz aus dem eigenen Wald keinen Vorteil sieht. Der hohe Preis entstehe erst in der Verarbeitung zu Bauholz. "Wenn der Holzpreis um 400 Prozent steigt, kann ich nicht nachvollziehen, dass man eigenes Holz nicht verwenden kann", widersprach Gerhard Mörk. Ob die Aussage "Wir sind uns der Situation bewusst und haben sie im Blick" aus dem Schreiben des Architekten von Anfang Mai, das Bürgermeister Häußler schließlich noch verlas, den Gemeinderat bezüglich der Kita-Kosten beruhigte, darf bezweifelt werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: