Auch in Enzklösterle sollen die Kindergarten-Beiträge steigen. Der Gemeinderat entscheidet sich bei mehreren Vorschlägen eher für einen ungewöhnlichen Weg.
Eltern müssen künftig auch in Enzklösterle mehr für die Betreuung im Gemeindekindergarten bezahlen. Das beschloss der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung für das Kindergartenjahr 2025/2026. Die Erhöhung fiel dabei aber moderater aus als von der Verwaltung ursprünglich vorgeschlagen.
Die Gemeinde verfügt über einen eigenen Naturparkkindergarten mit Waldgruppe. Im Kindergarten Purzelbaum werden dabei sowohl Plätze für Kinder ab drei Jahren (Ü3) sowie kleinere Kinder (U3) angeboten.
Ziel der Verwaltung sei es, so erläuterte Bürgermeisterin Sabine Zenker, sich mit den Elternbeiträgen langfristig an die empfohlenen Beiträge des Gemeindetages Baden-Württemberg heranzutasten. Zusätzlich spreche man jedes Jahr mit den Elternvertretern und schaue bei umliegenden Gemeinden, wie sich die Beiträge dort entwickeln.
Anpassung in Zeiten multipler Krisen schwierig
Im Bereich der Ü3-Kinder könne man der Empfehlung des Gemeindetages schon jetzt folgen. Aber es sei allen Beteiligten klar, dass dies im U3-Bereich nicht auf einmal zu erreichen sei. Deshalb sollen diese Beiträge nach und nach angepasst werden.
„Eine angemessene Anpassung der Elternbeiträge wird in Zeiten multipler Krisen, die zugleich Träger und Familien belasten, zunehmend herausfordernd“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage. Zentrales Anliegen sei es deshalb, „ein finanziell gesichertes Betreuungsangebot zu erhalten und gleichzeitig die Belastung der Familien angemessen im Blick zu behalten“. Die Gestaltung der Beiträge sei mit dem Elternbeirat abgestimmt worden, heißt es weiter.
Eltern liefern eigenen Vorschlag für Beiträge
In der Vorlage listete die Verwaltung sowohl die Empfehlung des Gemeindetags als auch den Vorschlag der Verwaltung sowie einen weiteren des Elternbeirats auf. Bei der Ü3-Betreuung sind die Vorschläge von Gemeindetag und Verwaltung weitgehend identisch. Bei den normalen Öffnungszeiten und einer Betreuung von 30 Stunden sieht der zum Beispiel für das erste Kind monatliche Kosten von 159 Euro vor. Der Elternvorschlag lautet dagegen 155 Euro für das erste Kind. Zum Vergleich: Aktuell zahlen Eltern für das erste Kind 148 Euro. Bei den verlängerten Öffnungszeiten schlägt die Verwaltung 190 Euro fürs erste Kind vor, die Eltern 183 Euro.
Im Krippenbereich (U3-Kinder), weicht bereits der Vorschlag der Verwaltung deutlich von der Gemeindetags-Empfehlung ab, der Elternvorschlag liegt noch einmal darunter. Schlägt der Gemeindetag für das erste Kind beispielsweise einen Beitrag von 471 Euro vor, will die Verwaltung nur 340 Euro, die Eltern nur 310 Euro erheben. Derzeit kostet die Betreuung fürs erste Kind 291 Euro.
Verlängerte Öffnungszeiten deutlich teurer
Noch extremer sind die Abweichungen bei den verlängerten Öffnungszeiten im U3-Bereich. Das kostet zurzeit 350 Euro fürs erste Kind. Die Empfehlung des Gemeindetags sieht hier 546,36 Euro vor, also rund 200 Euro mehr. Demgegenüber steht der Vorschlag der Verwaltung bei 400 Euro, derjenige der Eltern bei 370 Euro.
Nun hatten die Gemeinderäte zunächst darüber zu befinden, ob sie zunächst über den Vorschlag der Gemeinde oder den der Eltern abstimmen wollten. Die Mehrheit war für den Elternvorschlag, den Zenker dann in Einzelpositionen abstimmen ließ. Beim Ü3-Bereich stimmte der Gemeinderat geschlossen zu. Im Krippenbereich, wo es deutlich größere Abweichungen gab, gab es eine Enthaltung sowie eine Gegenstimme von der Bürgermeisterin. Somit wurden die Preise für das laufende Kindergartenjahr beschlossen. Sie gelten ab dem 1. Mai. Für das Jahr 2026/2027 sei eine weitere Anpassung geplant.
Verspätungszuschlag kommt noch nicht
Nicht abstimmen ließ Zenker dagegen über einen Verspätungszuschlag. Der steht zur Diskussion, weil Eltern die Kinder immer öfter unpünktlich, also zu früh oder zu spät, in den Kindergarten bringen – oder zu spät abholen – und so der gesamte Ablauf gestört werde. „Ausflüge konnten nur verspätet oder gar nicht stattfinden“, erläuterte die Bürgermeisterin.
Dennoch will Zenker noch einmal mit den Elternbeiräten ins Gespräch gehen und ein Schreiben an die Eltern aufsetzen. Sollte keine Besserung eintreten, könnte der Zuschlag dann aber noch später eingeführt werden.