Dieses Gebäude Hirsauer Aureliusplatz 14 wird abgerissen. Anschließend werden dort eine neue Kita und Räume für die evangelische Kirchengemeinde gebaut. Foto: Architekten Schrottwieser und Edelmann-Schrottwieser

Ob es das schon mal gab? Im Calwer Ortsteil Hirsau haben sich die Stadt und die Kirche zusammengetan und bauen demnächst ein neues Gebäude neben dem Kursaal. Im Erdgeschoss entsteht eine neue Kita, im Obergeschoss Räume für die Kirchengemeinde.

Kirche und Stadt machen in Hirsau jetzt gemeinsame Sache. In der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschuss (BUA) der Stadt Calw wurde dies beschlossen. Wo jetzt noch ein leerstehendes, in die Jahre gekommenes Gebäude steht (auf dem Aureliusplatz 14 im Ortsteil Hirsau) entstehe ein zweigeschossiges Haus, wurde in der Ausschusssitzung bekanntgegeben. Darin sollen eine neue Kita sowie die neuen Räumlichkeiten der evangelischen Kirchengemeinde unterkommen.

 

Wie kam es dazu?

Vorgeschichte Das bestehende evangelische Gemeindehaus in Hirsau soll mehreren Neubauten weichen. 32 Wohnungen sind dort vorgesehen, wie Petra Gerhardt vom Architekturbüro G&B Architekten in Sindelfingen im Februar erklärt hatte. Die Kirchengemeinde braucht also neue Räume – und wandte sich deshalb an die Stadt Calw.

Bei den Gesprächen mit der Stadtverwaltung entstand die Idee, ein neues Gebäude zu errichten, das zusätzlich auch eine Kita beherbergen kann. Schon seit Längerem ist der Mangel an Kitaplätzen im Ortsteil ein Problem. Bereits vor mehr als einem Jahr, so teilte Oberbürgermeister (OB) Florian Kling damals auf Anfrage mit, prüfte die Verwaltung, wo und ob ein weiterer Kindergarten im Ort gebaut werden kann. Nun wird es bei diesem Thema sehr konkret.

Bauherrengemeinschaft Stadt und Kirche

Bauherrengemeinschaft Der Baubeginn am Aureliusplatz 14 ist bereits für Anfang kommenden Jahres geplant. Sowohl der Ortschaftsrat als auch der BUA hat den vorgelegten Plänen zugestimmt. Nun müssen noch der Gemeinderat und der Oberkirchenrat grünes Licht geben. Das Besondere in dem Fall ist die Bildung der Bauherrengemeinschaft Stadt und Kirche. Im Erdgeschoss ist die Kita mit 350 Quadratmetern geplant, im kleineren Obergeschoss auf 70 Quadratmetern kommt die evangelische Gemeinde unter.

Der Bau soll circa 2,9 Millionen Euro kosten – inklusive Einrichtung, hieß es in der Sitzung des BUA. Der Anteil für die Kita betrage mitsamt Außenanlage etwas mehr als zwei Millionen Euro. Dank einer Förderung des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) des Landes kann die Stadt außerdem einen Teil der Kosten, die die Kirche investieren müsse, übernehmen – konkret seien dies um die 97 000 Euro. Dafür dürfe die Stadt 20 Jahre lang die Räume der evangelischen Gemeinde – etwa für Veranstaltungen – mitnutzen. Laut Architekturbüro könnte das neue Gebäude bereits im Jahr 2025 fertiggestellt werden.

Vor Baustart muss jedoch zunächst das alte Kurmittelhaus vor Ort mitsamt Fundament weggerissen werden, heißt es vom Architekturbüro. Anschließend werde ein massives Fundament gegossen und das neue Haus in Holzbauweise errichtet. Neben der Kita entstehe im Erdgeschoss außerdem eine öffentliche Toilette, die von außen für Besucher des Kurparks zugänglich sein wird.

Dekan bittet um Parkplätze

Parkplatz-Diskussion Sowohl die anwesende Hirsauer Ortsvorsteherin Jacqueline Jakob, als auch der OB und die Mitglieder des BUA brachten bei der Sitzung ihre Zustimmung für das Projekt zum Ausdruck. Mehrfach wurde von einer „Win-Win-Situation“ gesprochen. Jedoch, der Dekan der Kirchengemeinde, Erich Hartmann, sprach einen Änderungsvorschlag an: Es wäre schön, wenn er einen eigenen Stellplatz hätte. Und auch der Oberkirchenrat würde Parkplätze für Gemeindemitglieder auf dem Grundstück begrüßen, erklärte er. In Folge dessen bildeten sich zwei Lager unter den Gremiumsmitgliedern.

Für Senioren seien Parkplätze vor Ort wichtig, stimmte etwa Stadträtin Siegrid Bantel (Freie Wähler) zu und sagte: „Wir werden alle älter.“ Diskutiert wurde, ob gesonderte Parkplätze für Senioren ausgewiesen werden sollten.

Das andere Lager im Gremium sprach sich gegen zusätzlichen Parkplätze aus. Jakob gab zu bedenken, dass es vor Ort bereits einige Parkmöglichkeiten gebe. Kling fügte hinzu, dass es schön sei, „die Gemeinde ins Herz des Ortes zu bringen“. Dass es dabei gelegentlich – etwa bei Veranstaltungen im Kursaal – knapp mit den Parkplätzen wird, bringe der Umzug mit sich.

Stadtrat Hans Necker (Neue Liste Calw) reagierte auf die Debatte regelrecht emotional. „Das ist so ein tolles Projekt, bisher hat sich noch keiner beschwert, das muss doch auch hier klappen“, brachte er empört hervor.

Auf Nachfrage erklärte Jan Hambach, Stabstelle Strategie und Projekte bei der Stadt, dass die Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde und den Architekten rundum positiv gewesen sei. Die Stellplätze seien dieses „eine Prozent, bei dem es keine Einigung gab“. Das Thema hätte seit Beginn der Gespräche im Raum gestanden. Der BUA beschließt aber schließlich einstimmig die Nutzungsvereinbarung mit der Kirchengemeinde und befürwortet den ursprünglichen Bauplan ohne Parkplätze - wie zuvor der Ortschaftsrat.