Das Waldachtaler Kinderhaus hat mit dem Coronavirus zu kämpfen. (Symbolfoto) Foto: kacperogo – stock.adobe.com

Zehn mit Corona infizierte Erzieherinnen und 14 Kinder sind die Bilanz des Virus-Ausbruchs im Waldachtaler Kinderhaus "Im Himmelreich". In einem Brief wenden sich die Kindergarten-Leiterinnen jetzt an die Eltern. Demnach sei ein noch größerer Ausbruch vermieden worden.

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Waldachtal - Lange hatte das Waldachtaler Kinderhaus "Im Himmelreich" Glück in der Pandemie. Doch dann breitet sich das Coronavirus zu Beginn der vergangenen Woche schlagartig rasch aus: Zehn Erzieherinnen stecken sich an, die Zahl der infizierten Kinder steigt von zunächst sieben positiv getesteten auf jetzt 14. Die Leitung des Kindergartens reagiert schnell und schließt die Einrichtung. Damit konnten wohl weitere Infektionen vermeiden werden, meinen die Leiterinnen Cristina Tulea und Michaela Schrägle. So erklären sie es in einem Brief an die Eltern.

1,5 Jahre ohne Corona

In dem Schreiben verteidigen die Leiterinnen ihre Versuche, die Einrichtung vor dem Virus zu schützen. Sie schreiben: "Jetzt ist der Tag X im Kinderhaus ›Im Himmelreich‹ eingetroffen: der Tag, an dem die erste Person an Covid-19 erkrankt. Fast 1,5 Jahre blieb das Kinderhaus von Corona-Infektionen verschont. Als am Montagabend die Nachricht von dem ersten Fall eintraf, läuteten die Alarmglocken. Bislang wurde unermüdlich seit Beginn der Pandemie daran gearbeitet, mit den Eltern, den Kindern und den Außenstehenden kommuniziert, um auf diese Situation vorbereitet zu sein. Denn eine einzige Infektion zieht im Kinderhaus eine Schließung mit sich."

Mit dem Wohl des Kindes als Fokus seien im Kleinkindbereich als auch im Kindergarten Maßnahmen getroffen, welche allein die Erwachsenen betreffen. Dazu habe gehört, dass Eltern und Erzieher Masken tragen und sich die Hände am Eingang desinfizieren. Elterngespräche seien auf ein Minimum reduziert und teilweise online abgehalten worden. "Unter all den Hygienekonzepten und die damit verbundenen Auflagen sind wir es unseren Kindern weiterhin schuldig, den pädagogischen Alltag so zu gestalten, dass sie sich wohlfühlen", schreiben die Erzieherinnen. "In dem Bewusstsein, dass der Lockdown wichtige Kindheitsjahre prägt und diese nicht nachzuholen sind, haben wir gemeinsam entschieden, das Kinderhaus als ein Ort der Normalität beizubehalten."

Als dann die Nachricht einer Kollegin über ein positives Testergebnis eintraf, sei klar gewesen, so schnell wie möglich zu handeln. In einer Videokonferenz informierten die Kindergartenleiterinnen Bürgermeisterin Annick Grassi. "Kurz darauf wurde der Elternbeirat via Videokonferenz über die Ereignisse und die Kindergartenschließung aufgeklärt. Während Frau Tulea und Frau Schrägle im Nachgang die Eltern von 120 Kindern über die Kindergartenschließung informierten, nahm Frau Grassi Kontakt zu Dr. Schmelze auf, um eine Testung am Folgetag für alle Erzieherinnen zu ermöglichen. Die Testung aller Erziehrinnen war am Mittwochmorgen um 9 Uhr abgeschlossen", berichten die Leiterinnen.

Rate von 33,6 Prozent

Im Laufe der vergangenen Woche wurden immer mehr positive Fälle bekannt. Prozentual betrachtet spricht man man nun von einer Infektionsrate von 33,6 Prozent. "Diese im Vergleich niedrige Rate ist mitunter darauf zurückzuführen, dass der Kindergarten bereits bei Vorlage des positiven Schnelltests geschlossen wurde. Parallel blieben Erzieherinnen mit Erkältungssymptomen bereits am Montag zu Hause", heißt es in dem Schreiben. Betrachte man die aktuell geltenden Reglungen, hätte die Schließung erst bei Vorlage eines positiven PCR – Tests erfolgen müssen. Da das Ergebnis aber mindestens weitere 24 Stunden gebraucht hätte und das Risiko somit exponentiell gestiegen wäre, habe man gemeinsam entschieden, nicht den offiziellen Weg zu gehen.

Auch wenn das Kinderhaus schnell gehandelt hat, war trotzdem Kritik laut geworden. Bürgermeisterin Grassi hatte unserer Zeitung gesagt, dass das freiwillige Angebot, sich zweimal pro Woche testen zu lassen, nur manche der Erzieherinnen angenommen hätten. Sie hoffe, dass der Corona-Ausbruch dazu führt, dass sich in Zukunft das komplette Personal zweimal wöchentlich testen lässt.

Die verordnete Quarantäne haben Kinder und Personal bald überstanden. Sie läuft noch bis zum 2. April. Lediglich der Kleinkindbereich blieb von Corona-Fällen verschont. Somit konnte dort der Regelbetrieb aufrecht erhalten werden.

Mit den betroffenen Familien stehen die Erzieherinnen auch während der Quarantäne in Kontakt. "Zuspruch, wohlwollende, aufmunternde Worte und wohlwollende Gespräche stehen im Vordergrund. Hilfsbereite Eltern von vielen Seiten bieten denjenigen Hilfe an, die unter Quarantäne stehen. All das steht für eine besondere Gemeinschaft, auch in schweren Zeiten eine gemeinsame Sache durchzustehen", schreiben Cristina Tulea und Michaela Schrägle.

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