Nina Rösler hat den Protest gegen die Erhöhung der Kita-Gebühren in Horb organisiert. Sie sagt: „Wir sind richtig wütend.“ Foto: Jürgen Lück

Protest vor dem Rathaus. Gemeinderat hatte Kita-Gebühren um bis zu 25 Prozent erhöht. Nina Rösler: „Nur Zahlen vor Augen und nicht die Menschen.“

Es ist bitterkalt, doch die Wut treibt die Eltern mitten im Weihnachtsstress zur Demo auf dem Marktplatz. Grund: Die Erhöhung der Kita-Gebühren um bis zu 25 Prozent.

 

Nina Rösler: „Letzten Donnerstag war mein letzter Arbeitstag. Eigentlich wollten wir das Weihnachtsfest vorbereiten, mit den beiden Kindern. Doch die Erhöhung der Kita-Gebühren macht mich richtig wütend!“

Geht es nur um „Kohle“?

Am 16. Dezember hatte der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, die Kita-Gebühren um bis zu 25 Prozent zu erhöhen. Jetzt stehen die Betroffenen vor dem Rathaus. Sie haben ein bitteres Geschenk: Eine Kiste voller Kohle.

Weihnachtsgeschenk für das Rathaus Horb: Ein Karton voller Kohle: „Das ist das Einzige, was die interessiert.“ Foto: Jürgen Lück

Rösler: „Ich lese in der Zeitung, dass für die beiden OB-Feiern in Horb 31 000 Euro ausgegeben wurden. Das Geld sollte für die Generation von morgen da sein und nicht für die Selbstbeweihräucherung.“

Das wir Eltern alles stemmen, hat jetzt ein Ende

Rösler bringt das auf den Punkt, was viele Eltern bewegt: „Seit 2014 wurde die Gewerbesteuer nicht mehr erhöht. Erst wurde das Kita-Taxi eingestellt. Als die einzige Fachkraft in Dettensee ausfiel, wurde keine neue eingestellt. Jetzt die Gebührenerhöhung von bis zu 25 Prozent – immer heißt es: Die Eltern müssen alles stemmen. Neben Kindern, Familie und Beruf. Das hat jetzt ein Ende!“

Die Eltern protestieren gegen die Erhöhung der Kita-Gebühren in Horb. Die Geduld hat offenbar ein Ende. Foto: Jürgen Lück

Durch die neuen Kita-Gebühren wird die Kinderbetreuung zum Luxusgut. Rösler: „Das führt dazu, dass viele bis zum Grundschulalter der Kinder daheim bleiben. Und unsere Rente können wir dann auch in die Tonne treten. Doch wir werden das nicht protestlos hinnehmen.“

Wir machen uns Mühe – das Rathaus fertigt uns mit einem Satz ab

Die Eltern kritisieren, dass Kita-Verantwortlicher Patrick Seidler erst kurz vor der Gemeinderatsitzung einen Brief an die Elternvertretern geschickt hat – zur geplanten Erhöhung. Rösler: „Dann tun sich die Elternvertreter zusammen, formulieren – und werden mit einem Satz abgefertigt. Dabei kann jeder im Rathaus die 16 Stellungnahmen innerhalb von 24 Stunden lesen!“

Kinderbetreuung in Horb ist viel zu teuer. Deshalb protestieren Eltern vor dem Horber Rathaus. Foto: Jürgen Lück

Dann verliest Rösler vier von 16 Stellungnahmen der Elternbeiräte. In einer heißt es: „Durch den Wegfall der U3-Sharing-Plätze werden Eltern gezwungen, den ganzen Tag zu buchen und zu bezahlen. Und wenn es heißt, die U3-Betreuungsplätze sind weniger gefragt, dann liegt das daran, dass die Eltern gezwungen sind, ihre finanzielle Haut zu retten.“

Wütende Trillerpfiffe: Die Erhöhung der Kita-Gebühren in Horb um 25 Prozent bringt viele Familien an ihre Leistungsgrenze. Foto: Jürgen Lück

Die Mutter zitiert weiter: „Für eine Familie mit einem U3 und einem Ü3-Kind steigen die Gebühren um 900 Euro im Jahr.“ Sie sagt: „Da lohnt es sich für viele gar nicht mehr, zusätzlich Geld zu verdienen.“

Arme Familien betroffen

Auch die Ermäßigung von zehn Prozent für Bedürftige hilft nicht, so zitiert Rösler: „Das lässt einen Großteil der Familien mit niedrigen Einkommen außen vor.“

Dann leert ein Vater einen Sack Holzkohle in den lila angemalten Umzugskarton. Rösler: „Wer so gegen den Geist von Weihnachten verstößt, weil er nur die Kohle im Blick hat, bekommt sie von uns als Geschenk.“

Das bitterböse Weihnachtsgeschenk für das Rathaus in Horb: Eine Kiste voller Kohle. Foto: Jürgen Lück

Die Demo-Organisatorin weiter: „Es gibt viele Alleinerziehende jetzt in der Weihnachtszeit, die sich Gedanken machen, ob sie sich die Kinderbetreuung noch leisten können.“

Zwei Männer stellen die Kiste ins Rathaus. Darüber wird noch das Plakat platziert: „Alles wird teurer. Nur eure Ausreden immer billiger. Wir sind keine Goldesel!“