Die Vertreter des Städtetags, Gemeindetags und der Kirchenleitungen empfehlen für das Kindergartenjahr 2026/2027 eine Erhöhung der Elternbeiträge um 4,5 Prozent und für das Jahr 2027/2028 um 4,0 Prozent. Foto: dpa

Bei der Anpassung der Kita-Gebühren folgt Balingen der Empfehlung. Im Verwaltungsausschuss wurde diskutiert, ob die Erhöhung für Familien leistbar ist.

Aktuelle Tarifsteigerungen“ und „allgemeine Kostensteigerungen“ – das sind Punkte, die die Vertreter des Städtetags, Gemeindetags und der Kirchenleitungen dazu veranlassen, eine Erhöhung der Elternbeiträge um 4,5 Prozent für das Kindergartenjahr 2026/2027 und um 4 Prozent für das Jahr 2027/2028 zu empfehlen.

 

Die Stadt Balingen, so machte Oberbürgermeister Dirk Abel im Verwaltungsausschuss deutlich, folge auf Basis eines Gemeinderatsbeschlusses bei der Erhebung der Elternbeiträge in ihren Kindertagesstätten den landeseinheitlichen Empfehlungen. Dementsprechend musste in der Sitzung auch keine Entscheidung getroffen werden. Das Gremium wurde lediglich über die Anpassung informiert.

Mit der Umsetzung der Neukonzeption der Betreuungsformen zum 1. September 2026 liegen die Beiträge für Familien mit einem Kind im Ü-3-Bereich für die Betreuung in städtischen Einrichtungen bei 208 Euro (35 Stunden) und 332 Euro (50 Stunden). Für die Krippe müssen 394 Euro (25 Stunden), 492 Euro (35 Stunden) und 590 Euro (50 Stunden) entrichtet werden.

Ab 1. September 2027 sind es im Ü3-Bereich dann 216 Euro (35 Stunden) und 346 Euro (50 Stunden). Im Krippen-Bereich belaufen sich die Gebühren auf 410 Euro (25 Stunden), 512 Euro (35 Stunden) und 614 Euro (50 Stunden).

Solange die Neustrukturierung bei den freien Trägern noch nicht umgesetzt ist, gelten, wie aus der Vorlage hervorgeht, für eine Familie mit einem Kind dort folgende Beiträge: Ab 1. September 2026: KiGa: 166 Euro (30 Stunden), 208 Euro (35), 332 Euro (50); U3: 166 Euro (15), 266 Euro (25), 332 Euro (30), 398 Euro (35), 531 Euro (50); Krippe: 394 Euro (25), 492 Euro (35), 590 Euro (50).

Und ab 1. September 2027: KiGa: 173 Euro (30), 216 Euro (35), 346 Euro (50); U3: 173 Euro (15), 277 Euro (25), 346 Euro (30), 415 Euro (35), 554 Euro (50); Krippe: 410 Euro (25), 512 Euro (35), 614 Euro (50).

Ist das noch leistbar?

Für eine Zwei- und Drei-Kind-Familie sinken die Gebühren entsprechend. Familien mit vier und mehr Kindern sind komplett freigestellt.

In der Sitzung entspann sich indes eine Diskussion, inwiefern das für Familien finanziell noch leistbar ist. „Mittlerweile fragen sich die Eltern, wo das noch hinführt“, merkte Annegret Lang (SPD) angesichts der Beitragserhöhung an. Sie unterstütze deshalb die Forderung des Landeselternbeirats Kindertagesbetreuung Baden-Württemberg (LEBK-BW) nach einer Deckelung der Kitagebühren bis 2027, um Familien finanziell zu entlasten.

Aus ihrer Sicht wäre es „ein wichtiges Signal an die Familien“, die Beiträge zu deckeln und abzuwarten. „Irgendwann muss man mal auf die Bremse treten“, machte sie angesichts der insbesondere in Baden-Württemberg hohen Kita-Gebühren deutlich.

Hans-Peter Hörner (AfD) erkundigte sich, ob die Beiträge, wenn das von der neuen Landesregierung geplante beitragsfreie letzte Kita-Jahr komme, denn angepasst würden.

Es sei „prinzipiell richtig“, Gebühren laufend und regelmäßig anzupassen, befand Erwin Feucht (Grüne). Kita-Gebühren gehörten allerdings „zu den heiklen Themen.“ Er schlug deshalb vor, sich kundig zu machen, wie es sich mit den Beiträgen in umliegenden Städten – etwa in Albstadt oder Rottweil – verhält, „zu vergleichen, wo wir dabei stehen“ und eventuell abzuwarten, bis das geplante beitragsfreie letzte Kita-Jahr in trockenen Tüchern sei.

Auch wenn er ad hoc keine genauen Zahlen parat habe – „von den umliegenden Städten sind wir nicht weit weg“, ließ der Leiter des Amtes für Familie, Bildung und Vereine, Ralf Eppler, wissen, der auch zu bedenken gab, dass die von den Landesverbänden der Kommunen und Kirchen angestrebte 20-prozentige Kostendeckung nicht erreicht werde.

Dies unterstrich Bürgermeister Ermilio Verrengia. Trotz Anpassungen der Gebühren und Nutzung von Einsparpotenzialen bleibe ein sehr hoher jährlicher Fehlbetrag im Kinderbetreuungsbereich von rund 10 Millionen Euro bestehen.

„Wir können nicht Geschenke machen, die wir nicht haben“, erklärte Klaus Hahn (CDU) mit Blick auf diese hohe Summe. Ferner dürfe man nicht vergessen, dass Qualität ihren Preis habe. „Und unsere Kitas sind hochwertig“, betonte er.

Katja Kraut (CDU) machte zudem darauf aufmerksam, dass Kinderbetreuungskosten steuerlich geltend gemacht werden könnten. Wie OB Abel erklärte, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Antrag auf Kostenübernahme beim Landratsamt gestellt werden.

Finanzielle Herausforderungen

Entsprechende Leistungen zu beantragen sei für viele Familien allerdings nicht einfach, merkte Nathalie Hahn (SPD) an, die auch auf finanzielle Herausforderungen wie etwa Kurzarbeit verwies, durch die das Geld kurzfristig knapp werden könne. „Es geht da auch um Bildungsgerechtigkeit“, hob sie hervor.