Die Kita-Betreuung in Balingen steht vor einigen Veränderungen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Die Kita-Betreuung an den Standorten in Balingen ist laut Stadtverwaltung nicht mehr zeitgemäß. Im Verwaltungsausschuss stellte die Stadt die Änderungspläne vor.

Die Stadtverwaltung Balingen hat im Verwaltungsausschuss am Dienstagabend das Gremium über die Pläne zur Neustrukturierung der Betreuungsformen in den städtischen Kitas informiert – vor zahlreichen Eltern, die in den Sitzungssaal gekommen waren.

 

Ralf Eppler, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Vereine, führte ins Thema ein und erläuterte, wieso die Stadt die Betreuungsform zum 1. August 2026 überhaupt anpassen möchte.

Verwaltung reagiert auf Trend

Kurz gesagt reagiert die Verwaltung auf einen klaren Trend: In den vergangenen Jahren hat sich neben dem grundsätzlichen Bedarf an Betreuungsplätzen auch die Art der Betreuung geändert.

„War noch vor einigen Jahren eine Regelbetreuung mit einer unterbrochenen Betreuung am Vormittag und am Nachmittag an zumindest vier Tagen in der Woche die überwiegende Betreuungsart, so ist nun der Wunsch nach einer längeren Betreuungszeit ohne Unterbrechung der überwiegende Wunsch der Eltern“, hieß es vorab bereits in der Beschlussfassung.

„Mittlerweile haben wir an unseren zwölf städtischen Kitas das Phänomen, dass die Betreuungszeiten von Kita zu Kita sehr stark variieren“, so Eppler. Aufgrund dieser heterogenen Regelbetreuungszeiten habe die Verwaltung eine Erhebung über die Auslastung in der Regelbetreuungszeit an den Nachmittagen durchgeführt.

Nachmittagsbetreuung nicht mehr so stark nachgefragt

Das Ergebnis: Der überwiegende Teil der Eltern nutzt das Betreuungsangebot in der Regelbetreuung am Nachmittag nicht. „Nur 17 Prozent der Regelkinder der städtischen Kitas werden nachmittags betreut. Bei neun städtischen Kitas mit einem Regelangebot entspricht dies durchschnittlich fünf Kindern“, erklärt Eppler.

Auch aus den Anmeldewünschen der Eltern lässt sich laut Stadt schließen, dass die Regelbetreuung nicht mehr den Stellenwert habe, wie noch vor einigen Jahren und sich der Betreuungswunsch hin zu einer längeren Betreuung am Vormittag ohne Nachmittagsbetreuung gewandelt hat.

Daher möchte das Amt für Familie an einigen Stellschrauben drehen, um eine verständliche bedarfsgerechtere Betreuungsstruktur zu schaffen. Zu den Plänen gehören unter anderem eine einheitliche Betreuungsstruktur durch Vereinheitlichung der Betreuungszeiten.

Altersgemischte Plätze vor dem Aus

Es wird eine ausreichende verlängerte Vormittagsbetreuung in allen Kitas sowie eine Ganztagesbetreuung in drei städtischen Kitas bis 17 Uhr angestrebt. „Für die städtischen Kitas bedeutet dies, dass alle Kitas zukünftig die Betreuungsform „verlängerte Öffnungszeiten“ von 7 bis 14 Uhr anbieten werden. Darüber hinaus werden Ganztagesplätze bis 17 Uhr in den Kitas Neige, Fronhof und Pestalozzi vorhanden sein“, heißt es in den Unterlagen.

Hinzu verspricht sich die Verwaltung eine Qualitätssteigerung durch die Abschaffung der sogenannten altersgemischten Plätzen. „Dadurch können wir in den städtischen Kitas zwar nur wenige Plätze mehr schaffen. Aber durch die daraus resultierende klare Zuordnung der Plätze für Ü3 und U3 ermöglichen wir den Leitungen eine bessere Planbarkeit.“

Laut Epplers Angaben wurden die freien Träger ebenfalls ins Boot geholt und informiert. „Diese wollen diese Änderungen ebenfalls zeitnah umsetzen“, sagte der Amtsleiter vor dem Gremium. Von den informierten Eltern hätten sich lediglich vier bei der Stadt gemeldet. Bis auf eine Mutter, die auch vor Ort war, handelte es sich nicht um kritische Anmerkungen.

Eine Mutter kritisierte die Pläne der Stadt

Die anwesende Mutter hingegen kritisierte am neuen Modell, dass Eltern mehr Flexibilität bräuchten. „Mir ist klar, dass Sie das Wirr-Warr abschaffen wollen, dann aber richtig“, so die Mutter. Andere Kitas würden sich an die Zeiten der Eltern richten und nicht umgekehrt.

Amtsleiter Eppler betonte, dass auch die Balinger Kitas flexible Hol- und Bringzeiten anbieten würden. „Man muss es aber mit der Leitung abklären.“ Stephan Reuß (FDP) betonte: „Eine allumfassende Flexibilität ist eine Wunschvorstellung, und das wird sie auch bleiben. Das Konzept folgt einem klaren Trend und schafft ein gutes Angebot.“

Auch Annegret Lang (SPD) zeigte sich zufrieden mit den Ausführungen: „Das ist ein positiver Schritt in die richtige Richtung.“ Die Ausschussmitglieder sprachen sich mehrheitlich für die Neustrukturierung aus. Der Gemeinderat trifft am 25. November die endgültige Entscheidung.