Großes Interesse bei der Ausstellungseröffnung im E-Werk Waldhausen (von links): Hubert Mauz, Joachim Schweitzer und Bürgermeister Micha Bächle berichten über das Kraftwerk und die Talsperre. Foto: Dagobert Maier

Die Wasserkraftversorgung und Stromherstellung Bräunlingens seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts stehen im Zentrum einer Schau im Kraftwerk Waldhausen.

Einen umfangreichen und sehr informativen Einblick in die Wasserkraftversorgung sowie Stromherstellung von Bräunlingen in der Zeit des vergangenen Jahrhunderts bekamen über 70 Besucher bei der Eröffnung der neuen Ausstellungsräume im Kraftwerk in Waldhausen.

 

„Es freut mich, dass wir heute wieder ein Stück Geschichte lebendig machen können. Das Kraftwerk in Waldhausen atmet Geschichte und ist ein Ort, an dem viele Geschichten stattfinden und stattfanden“, sagte Bürgermeister Micha Bächle bei seinen Begrüßungsworten zur Ausstellungseröffnung.

In diesem Zusammenhang nannte er Willi Bugger, der viele Jahre als Kraftwerkschef tätig war. Kurz ging Bächle auf den Bau der Talsperre vor 100 Jahren ein.

Die Landschaft verändert

„Sie hat die Landschaft verändert und einen viel genutzten See geschaffen“, sagte er. Die Talsperre sei in ihrer Art eine Besonderheit in der Region und ihr Bau sei wegweisend gewesen und wirke bis heute nach. Die Stadt habe in den zurückliegenden Jahrzehnten viel in die Standsicherheit der Talsperre investiert und auch in die Tourismusinfrastruktur. Die technische Entwicklung der Jahre finde sich im Kraftwerkgebäude deutlich wieder, denn neben den alten Laufrädern und Turbinen steht im Werksgebäude auch eine moderne Durchstromturbine.

In einigen Räumen der früheren Betriebsleiterwohnung wurde mit Unterstützung der Reimnitz-Stiftung eine Dauerausstellung mit vielen alten Zeitzeugen zur Talsperre und der Stromerzeugung eingerichtet.

Joachim Schweitzer fasste seine informativen Worte zur Ausstellungseröffnung in drei Teile. Zunächst sprach er über die allgemeine Geschichte der Stromerzeugung in Bräunlingen. Danach informierte er mit einigen historischen Fakten über den Bau der Talsperre und des Kraftwerks, auch mit technischen Daten unterfüttert.

Initiator der Talsperre

Als dritter Aspekt stand der Initiator der Talsperre und des Kraftwerks, Bürgermeister Martin Müller, im Mittelpunkt. Über 125 Jahre liegen die ersten Überlegungen über die Bräunlinger Stromversorgung zurück, die mit dem Bau des E-Werks konkret wurden. Schweitzer zählte die Daten der Stromgeschichte auf und ging dann zum Bau der Talsperre über.  

Die Entwicklungsstufen

Wie Schweitzer berichtete auch Hubert Mauz über die Hintergründe und Möglichkeiten zum Bau einer Talsperre und des Kraftwerks. Er erläuterte die Wasserkraft im Allgemeinen und zählte die einzelnen Entwicklungsstufen vom Dampfzeitalter bis zur modernen Stromerzeugung auf.

Für sein im Dialekt vorgetragenes Gedicht bekam Maut viel zustimmenden Applaus der Zuhörer im E-Werk. Hier ein Auszug: „Z’Waldhuuse bei de siebe Hiesli Liit, dä isch ebbs, wa‘s sunscht nähnet giit. Im siebte Hiesli wohnt kon Mensch, wa word dää sii, was denksch?“

Der Landtagsabgeordnete Andreas Braun lobte die hohe Innovationskraft in Bräunlingen, was auch die Geschichte der Stromerzeugung zeige.

Hintergrundinformationen

Zum Kraftwerk
Das Kraftwerk Waldhausen wurde 1904/1905 erbaut, ebenso wie eine Dampfkesselanlage zur Stromherstellung. 1905 folgte die erste Stromabgabe für zwei Christbäume. 1928 wurde die Stromherstellung durch einen Schiffsdiesel erweitert. Der Spatenstich für die Talsperre folgte im Jahr 1921. Die Mauerhöhe liegt bei etwas über 15 Metern. Die Druckleitung vom See zum E-Werk ist 2865 Meter lang. Die erzeugten Strommengen lagen in den Jahren 1949 bis 1999 im Durchschnitt bei rund 675.000 Kilowattstunden. Im Jahr 2000 erfolgte der Einbau einer Geomembrane.