Basketball-Zweitligist Kirchheim Knights startet mit einem Eventspiel in Göppingen in die neue Saison. Bringt der EM-Titel der Nationalmannschaft einen neuen Schub?
Es sind besondere Spiele. Es sind Spiele mit Eventcharakter. Wenn die Kirchheim Knights zu ihren Zweitliga-Heimspielen nach Göppingen ausweichen, dann strömen die Zuschauer in der Regel in Scharen in die EWS-Arena. Zwischen 3500 und 4000 Besucher kamen in den vergangenen drei Jahren jeweils zu den acht Auftritten, zweimal sogar über 4000. Doch vor dem Saisonauftakt an diesem Samstag (19 Uhr) gegen die Gießen 46ers läuft der Vorverkauf so schleppend wie noch nie. „Wenn es nicht noch gewaltig anzieht, könnten wir erstmals unter 3000 Zuschauer liegen“, befürchtet Knights-Sportchef Chris Schmidt.
„Basketball ist absolut hipp“
Ausgerechnet nach dem EM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft droht ein Minusrekord bei einem Kirchheimer Eventspiel in der Handball-Hauptstadt. „Wir rätseln auch ein wenig. Denn die EM hat wirklich mega Bock auf Basketball gemacht. Wir merken den Boom in der Nachwuchsarbeit. Wahnsinnig viele Kids und Eltern fragen bei uns nach, erkundigen sich“, stellt Schmidt fest und ist sich sicher: „Basketball ist die kommende Indoor-Sportart, sie ist absolut hipp bei Kindern und Teenagern, nicht zuletzt durch die Präsenz in den sozialen Medien.“
Viele Aktionen
Auch in Sachen Vermarktung und Nachwuchsarbeit schiebe der Verband die Sportart überregional an, genauso rege seien die drei höchsten Ligen. Und sein Verein kooperiere mit zahlreichen Schulen im Landkreis Göppingen, veranstalte Aktionstage, besuche Schulklassen, mache Sportunterricht – manchmal sogar Englischunterricht mit US-Spielern.
Trotz eigenen Aktionen, trotz EM-Rückenwind – bei der Saisonpremiere am Samstag wird die Halle nicht voll. „Auch die Pokalspiele am vergangenen Wochenende an anderen Standorten waren nicht besonders gut besucht. Es gibt ein paar Erklärungsansätze. Ein wichtiger könnte sein, dass die Leute noch im Sommermodus sind und noch nicht auf Hallensportarten umgeschaltet haben“, vermutet Schmidt. Für das Weihnachtsspiel am 23. Dezember (19 Uhr) gegen die Eisbären Bremerhaven in Göppingen läuft der Vorverkauf dagegen sehr gut.
Wie das sportliche Saisonziel für das Team von Trainer Igor Perovic aussieht? Schmidt will sich nicht festlegen: „Wir rechnen mit einem schwierigen Start gegen Topgegner. Und wir haben eine neu zusammengewürfelte, sehr junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 22,4 Jahren – allerdings mit Potenzial. Wir müssen schauen, wie sich alles entwickelt.“ Auftaktgegner Gießen dagegen gilt als einer der großen Aufstiegsfavoriten.
Bleibt die Frage, wo die Knights mittelfristig ihre Heimspiele austragen. Zur Erinnerung: Aufgrund verschärfter Lizenzauflagen benötigt der Kirchheimer Pro-A-Club ab der Saison 2028/29 eine zweitligataugliche Arena, die die Anforderungen erfüllt. Die aktuelle Sporthalle Stadtmitte in Kirchheim reicht dann nicht mehr aus. Bis spätestens März 2028 muss deshalb ein unterschriebener Baubeschluss vorliegen. Erst wenn dies der Fall ist, gibt es eine Ausnahmegenehmigung für maximal zwei Jahre.
Dass die Knights gerne ihren kompletten Regelspielbetrieb in Göppingen austragen würden, ist nicht neu. Doch das Ansinnen ist wenig realistisch. Die EWS-Arena ist durch Handballspiele, -training sowie andere Events stark ausgelastet. Eine neue Trainingshalle zur Entlastung ist nicht in Sicht. „Leider gibt es keinen neuen Stand, seit dem Jahreswechsel gab es keinen Austausch mehr mit Frisch Auf und der Betreibergesellschaft“, sagt Schmidt.