Vor Jahren wurde die Kirchgrabenschule energetisch saniert; jetzt stehen erneut umfangreiche Bauarbeiten an. Es geht um Brandschutz und Erdbebensicherheit.
Wieder einmal wird die Stadt Albstadt von ihrer baulichen Vergangenheit eingeholt. Nach dem Erdbeben von 1978 waren die Decken über dem ersten und zweiten Obergeschoss der Ebinger Kirchgrabenschule erneuert worden und die Rippendecken, die aus der Zeit der Erbauung stammten, durch kompaktere und stabilere Flachdecken ersetzt worden. Die Decken über Erd- und Untergeschoss blieben jedoch bestehen, und zwar bis heute. Jetzt hat die Stadt Albstadt ein Problem: Die Ansprüche an den Brand- und den Erdbebenschutz sind mittlerweile gestiegen; die unteren Decken der Kirchgrabenschule werden ihnen nicht mehr gerecht.
Wo liegt das Problem? Es ist mittlerweile ein ziemlich alltägliches, hat der Stadt schon bei der Sanierung des Progymnasiums in Tailfingen viele Umstände und Kosten bereitet. Die Betonabdeckung der Rippen auf der Unterseite der Decken, die eigentlich mehrere Zentimeter dick sein sollte, misst stellenweise nur ein paar Millimeterchen oder ist gar nicht vorhanden. Normalerweise sorgen beim Betonguss sogenannte Abstandhalter dafür, dass das Metall angemessen bedeckt ist, aber einige dieser Abstandhalter waren offenbar seinerzeit verrutscht oder fehlten ganz. Als Konsequenz schaut jetzt der nackte Stahl heraus – oder würde herausschauen, wenn die Decke nicht abgehängt wäre. Der restliche Beton liegt lediglich tangential an; ordentlich fixiert wird er durch die halbnackte Armierung nicht.
Der alte Beton erfüllt heutige Standards nicht
Das Baugesetz von heute duldet solche Schlampereien, die die Stabilität des Gebäudes gefährden, nicht. Hinzu kommt, dass auch der ursprüngliche Beton nicht mehr den aktuellen Qualitätsstandards entspricht; vermutlich wurde er seinerzeit vor Ort mit der Schaufel angerührt und hält in punkto Homogenität keine Vergleiche mit den Produkten heutiger Betonmischwerke aus. Wie lässt sich dem Problem abhelfen: Laut Bernd-Michael Abt, dem Leiter des städtischen Amts für Bauen und Service, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste – alte Decke entfernen, neue Decke betonieren – ist bei laufendem Betrieb nicht möglich und würde daher eine Ausquartierung aller Klassen erfordern.
Ohne Atemschutz geht es nicht
Die zweite Methode ist diejenige, die im Progymnasium Tailfingen angewandt wurde: Dort wurden die Decken erst abgestrahlt und dann von unten ein Spezialmörtel mit Kunststoffanteilen aufgespritzt, der den freiliegenden Armierungsstahl abdeckte – eine anstrengende Arbeit, die nicht ohne Atemschutzmaske erfolgen kann: Die Luft ist mit Mörtelpartikeln und Feinstaub gesättigt, denn gut ein Drittel bleibt nicht an der Decke haften. Auch diese Sanierung ist durchaus aufwendig, würde aber vermutlich nicht die Evakuierung der ganzen Schule erfordern, sondern nur einzelner Räume. Was machbar ist, das wird derzeit geprüft; unter anderem ist für Freitag, 10. Februar, ein Ortstermin mit Expertenbeteiligung vorgesehen.
Barrieren gegen den Rauch
Bei diesem Termin wird noch ein zweiter Problemkomplex zur Sprache kommen: Brandschutz. Die Kirchgrabenschule hat derzeit nur einen einzigen Fluchtweg, nämlich das Treppenhaus, das zu allem Überfluss zu den Fluren hin geöffnet ist – im Ernstfall hat der Rauch freie Bahn. Das Treppenhaus muss deshalb durch Trockenbauwände von den verschiedenen Geschossen getrennt werden – und es muss ein zweiter Fluchtweg in Gestalt eines Fluchttreppenturms her, wie ihn andere Albstädter Schulen bereits haben. Er soll im Osten des Gebäudekomplexes entstehen.
Unter sieben Stellen geht gar nichts
Wann wird saniert? Momentan ist das Projekt noch in der Planungsphase; bis zum Baubeginn kann noch einige Zeit vergehen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Eile geboten ist – immerhin geht es um die Sicherheit der Kinder und Lehrkräfte. Die Kosten stehen auch noch nicht fest, aber siebenstellig werden sie bestimmt.