Hofft auf eine rege Wahlteilnahme: Pfarrerin Christina Günther vor dem Gemeindehaus, wo auch die Kirchenwahl stattfindet.Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Beatrice Ehrlich

Bald finden in den evangelischen Kirchen die Kirchenwahlen statt. Kirchengemeinderäte lenken die Geschicke der Gemeinde und treffen Entscheidungen möglichst im Konsens.

Mit den Vorbereitungen sind Hauptamtliche und Engagierte vor Ort schon seit Monaten beschäftigt, wie im Gespräch mit Pfarrerin Christina Günther zu erfahren ist.

 

Wie bereitet man eine solche Wahl vor?

Die Wahlen finden ja alle sechs Jahre statt, es überrascht uns dennoch jedes Mal aufs Neue (lacht). Die badische Landeskirche informiert uns, was wann stattfindet. Diejenigen, die schon Mitglied in einem Gremium sind, überlegen dann: Wie soll es weitergehen? Mache ich weiter? Trifft jemand die Entscheidung, nicht noch sechs Jahre weiterzumachen, dann überlegen sich die Engagierten, wer an ihre Stelle treten könnte. Denn es ist ja so: Ihnen ist das ein Herzensanliegen, da es sich um Menschen handelt, die der Kirche und der Gemeinde sehr verbunden sind.

Wie finden Sie Kandidaten?

Das können ganz unterschiedliche Menschen sein, mit denen ich über das Jahr hinweg Kontakt hatte. Auch die Kirchenältesten bringen Vorschläge ein. Meist handelt es sich dabei um Menschen, die ohnehin schon dabei sind, etwa in Gruppen und Kreisen unserer Gemeinde. Manche wollen sich auch neu einbringen.

Was sind die Aufgaben eines Kirchenältesten?

In monatlichen Sitzungen werden die Angelegenheiten der Gemeinde besprochen: Finanzielle Dinge, Gebäudefragen, Personalfragen, Anschaffungen, aber auch inhaltliche Zielsetzungen unserer Gemeinde. Die Kirchenältesten repräsentieren und leiten gemeinsam mit der Pfarrperson die Gemeinde und haben sich verpflichtet.

Die Gottesdienste in der Haltinger St.-Georgs-Kirche sind stets gut besucht. Dennoch sinkt die Zahl der Gemeindeglieder. Foto: Beatrice Ehrlich

Hier in Haltingen sind zum Beispiel die Glocken ein großes Thema. Da braucht es eine Genehmigung der Landeskirche, Zuschüsse müssen beantragt werden. Wir sind im Gespräch mit dem staatlichen Amt für Vermögen und Bau, das für den Glockenturm zuständig ist. Da die Kirche dem Land Baden-Württemberg gehört, reden dessen Vertreter bei Angelegenheiten wie der Glockenerneuerung mit und können Einspruch erheben. Für so ein Thema wird ein Ausschuss gebildet, dem auch Nicht-Kirchenälteste angehören können.

Was hat sich geändert für die Haltinger Kirchengemeinde, seit sie Teil des neuen Kooperationsraums ist?

Bisher hat sich bis auf die Umbenennung für uns nicht viel geändert. Wir arbeiten aber schon seit Jahren punktuell mit anderen Gemeinden aus dem Kooperationsraum zusammen. Zur Organisation: Nach wie vor haben wir einen eigenen Ältestenkreis, der zugleich Kirchengemeinderat ist. Zur Erklärung: In einem großen Ort wie Weil gibt es mehrere Ältestenkreise – einen zu jeder Pfarrei – aber nur einen Kirchengemeinderat.

In welchen Bereichen kooperieren Sie?

Zum Beispiel bei der Jugendarbeit, in der Angebote zentral von der Y-Church in Weil organisiert werden. Etwa eine große Konfirmandenfreizeit im Jahr. Da kommen um die 120 Jugendliche zusammen. Für die Konfirmanden ist das eine Ergänzung zum Konfirmandenunterricht in ihrer Ursprungsgemeinde. Den Himmelfahrtsgottesdienst an der Daur-Hütte feiern wir traditionell mit den umliegenden Gemeinden. Hinzugekommen ist beispielsweise ein ökumenischer Gottesdienst am Pfingstmontag. Neujahrsempfang, Sommerkirche, Reformationstag, Buß-und Bettag, sind Veranstaltungen und Gottesdienste, die reihum gestaltet werden.

Wie viele Mitglieder hat der Haltinger Kirchengemeinderat?

Statt zwölf werden es künftig nur noch neun Kirchenälteste sein, hinzu kommen Diakonin Maria Sigmund und ich. Wir sind – das zeigt der Vergleich mit anderen Gemeinden – sehr gesegnet, dass wir zehn Kandidaten gefunden haben. Das heißt: Die Gemeindeglieder haben eine echte Wahl. Dass es weniger sind, hat mit der Verkleinerung der Gemeinde zu tun, die jetzt knapp unter 2000 Mitglieder hat. Als ich im Dezember 2021 angefangen habe, waren es noch rund 2400. Jedes Jahr gibt es um die 50 Austritte, hinzu kommen die Todesfälle. Warum die Menschen austreten, erfahren wir nur in Ausnahmefällen.

Warum wird überhaupt eine Wahl abgehalten?

Es stimmt schon: Grundsätzlich kann sich jeder einbringen, die Kirchengemeinderatssitzungen sind öffentlich, außer wenn es um besondere Angelegenheiten, etwa um Personalfragen geht. Aber nur die Gewählten sind stimmberechtigt, und darauf kommt es an. Wobei: Entscheidungen sollten möglichst einstimmig gefällt werden. Es sollte so lange beraten werden, bis man zu einem gemeinsamen Ergebnis kommt. Denn alle müssen das letztlich mittragen und vor der Gemeinde auch vertreten können.

Wie läuft die Wahl ab?

Die Kandidaten stehen fest. Ende September lief die Bewerbungsfrist ab. Bis Donnerstag, 13. November, kann im Pfarramt Briefwahl beantragt werden. Die Wahl selbst findet am Sonntag, 30. November, statt, begleitet von einem Gottesdienst um 10 Uhr mit anschließendem Kirchencafé, beides im Gemeindehaus. Bis 15 Uhr kann gewählt werden. So versuchen wir, viele Menschen zu erreichen. Erfahrungsgemäß beteiligen sich leider viel zu wenige.

Die Kandidaten

Für den Kirchengemeinderat in Haltingen kandidieren:
Bettina Burger, Kristina Colangelo-Iwanenko, Jacob de Boer, Helga Feyrer, Klaus-Dieter Geese, Andrea Kuntzmann, Stefanie Littin, Olaf Preuß, Holger Schank und Christine Wahl.