Da waren sogar die Pfarrer im Publikum schockverliebt: Kira Geiss, Miss Germany 2023, hat beim ersten ökumenischen Kirchentag in Albstadt die Herzen im Sturm erobert.
„Bittersüße Realität“ heißt die erste Autobiografie von Kira Geiss. Dabei ist die Miss Germany von 2023 erst 23 Jahre alt. Ihre Lesung daraus, flankiert von entwaffnend natürlichen Erzählungen, waren der Höhepunkt des ersten ökumenischen Kirchentags Albstadt, und danach wussten alle, warum sie unter 15 000 Bewerberinnen gewonnen hatte.
Charmant berichtete sie Pfarrer Gottfried Engele in einem Interview von Alkohol – zu früh und zu viel –, von toxischen Freundschaften und der christlichen Jugendarbeit, die ihr schließlich Halt gab. Diese hatte Kira Geiss zum Thema ihrer Bewerbung um den Titel „Miss Germany 2023“ gemacht: „Es hat mir viel gegeben, dass so viele Vertrauen in mich hatten, dass ich das kann.“ In „Ihrem kurzen Leben“, so Engele, hat die gebürtige Wilhelmsdorferin schon Kirchengemeinden mit aus der Taufe gehoben, ist jetzt Redakteurin in einem evangelischen Medienhaus – für Engele ein Zeichen, dass die evangelischen Landeskirche Württemberg ihr Potenzial erkannt hat –, und hat vor kurzem geheiratet, lebt nach Jahren in Magdeburg und Stuttgart nun in Esslingen.
200 Stufen – die Mutter hilft wie Jesus es tut
Auf dem Weg zur Arbeit in Stuttgart muss sie täglich mehr als 200 Stufen erklimmen und entdeckte im Bild einer Mutter, deren kleine Tochter selbst hinaufsteigen wollte, eine Parallele zu Jesus Christus: „Sie hat immer wieder auf das Kind gewartet, ihm ab und zu einen kleinen Schubs gegeben.“
„Meinen Körper fand ich richtig hässlich“, berichtete die bildhübsche 23-Jährige über ihre Teenager-Zeit, in der sie „in eine Essstörung gerutscht“ war. „Heute, da ich mit Jesus unterwegs bin, weiß ich, dass ich geliebtes Kind bin.“ Bei der Miss-Germany-Wahl nach altem Konzept, bei dem es nur um äußere Schönheit ging, „hätte ich nie mitgemacht“, betont sie – wohl wissend, „was solche Bilder im Kopf junger Menschen ausrichten können“. Deshalb soll ihr nächstes Buch ein „Mädels-Journal“ sein. Sie will „zeigen, dass eine Frau mehr als ihr Körper ist“.
Betatscht zu werden – das hat sie erlebt. Ein Mann, der ihr Vater hätte sein können, wollte mit ihr duschen. „Wann fängt eigentlich ein sexueller Übergriff an?“ fragt Kira Geiss und betont: „Was schön ist, sollte nicht eine Jury entscheiden. Sobald Menschen auf ihr Aussehen, Alter, ihre Herkunft reduziert werden, schwächt das ihre Botschaft, ihre Persönlichkeit.“ Sie selbst will nach einem „langen Prozess, mein Aussehen anzunehmen und wertzuschätzen“ ihren Namen und ihren Körper nicht dafür benutzen, „ungesunde Bilder in die Köpfe junger Menschen einzupflanzen“. Geholfen hat ihr, „zu merken, wie viel retuschiert wird“ in dieser Glamourwelt.
Dass sie Christen wie jene drei Frauen, die heute ihre besten Freundinnen sind und ihre Trauzeuginnen waren, einst für „uncool“ hielt, gibt sie freimütig zu. „Ich dachte, christlich zu sein heiße, in kalten Kirchen zu sitzen, zu beten und immer nur Beige zu tragen.“ Heute trägt sie selbst gerne Beige, hat in den neun Monaten der Vorbereitung zur Miss-Germany-Wahl – ohne Catwalk-Training! – gelernt, mit Geld umzugehen. Und mit Journalisten.
Kira Geiss ist bei sich angekommen, das ist offenkundig – und faszinierte das Publikum, das ihren anderthalbstündigen und doch so kurzweiligen Auftritt enthusiastisch beklatschte. Beim Albstädter Kirchentag so verzaubert zu werden – damit hatten wohl die Wenigsten im Publikum gerechnet.
Kira Geiss gibt Tipps für die kirchliche Jugendarbeit
„Wie sollte Jugendarbeit heute aussehen?“
hat der evangelische Pfarrer Markus Gneiting aus Pfeffingen Kira Geiss gefragt und zur Antwort bekommen: „Wir sind an der Spitze der Bedürfnispyramide angekommen – nur noch Selbstverwirklichung ist das Ziel.“ In dieser „Welt der vielen Möglichkeiten“ helfe es jungen Menschen, eine Struktur zu erleben.
Jugendarbeit
sollte nach Ansicht von Kira Geiss so gestaltet sein, „dass Glaube darin vorkommt – aber nicht so, dass er eine Wand bildet, gegen die man läuft“. Sie selbst sei zur christlichen Jugendarbeit gekommen und habe erlebt: „Hey, da ist ja Party! Das ist ja richtig cool hier!“ Zu den Angeboten, die sie selbst gestaltet, gehören unter anderem ein „Speeddating“ mit Personen aus der Bibel und ein Escape-Game zum Thema „Die sieben Plagen“. Die Jugendlichen müssten darin Aufgaben lösen, um dieser Plagen ledig zu werden – das mache einfach Spaß.