Les Carlsen und seine Frau Joyce gaben ein mitreißendes Konzert in der Michaelskirche in Wildberg-Sulz.
Wenn ein 77-Jähriger und eine 76-Jährige in der Kirche vorne stehen und einen Abend gestalten, ist das zunächst nichts Ungewöhnliches. Wenn die beiden aber zu einem Heavy-Metal-Playback mit vollem Stimmeinsatz singen und dazu noch eine Bühnenshow abliefern, wie sie das schon vor 40 Jahren gemacht haben – dann würde der normale Gottesdienstbesucher zumindest ins Staunen geraten. Und möglicherweise war das bei einigen Besuchern in der Michaelskirche in Sulz am Eck beim Auftritt von Les Carlsen und seiner Frau Joyce auch so.
Doch sehr viele der über 200 Anwesenden waren extra gekommen und teilweise weit angereist, um eine lebende Legende zu erleben: Les Carlsen aus den Vereinigten Staaten war der Sänger der christlichen Rockband Bloodgood. Fans trugen T-Shirts aus den 1980er und 1990er Jahren, damals spielte die Band immer wieder Konzerte in der Umgebung, in Herrenberg oder Freudenstadt, wie man den Gesprächen entnehmen konnte. Ein begeisterter Fan aus Egenhausen hatte Fotos von damals dabei, ließ sich zwei davon signieren und schenkte den Rest dem Musik-Idol, das er schon seit 40 Jahren kennt.
Alte Band gibt es nicht mehr
Gitarrist und Mitgründer der Band, Michael Bloodgood, ist vor einigen Jahren verstorben. Die nach ihm benannte Formation hat sich aufgelöst. Mittlerweile wird Les Carlsen von seiner Frau Joyce begleitet. Ein ganzes Technikarsenal sorgte für den entsprechenden Heavy-Metal-Sound samt Lightshow und Videoanimationen.
Kennen- und liebengelernt haben sich Joyce und Les einst als Mitwirkende beim berühmten Musical Hair in den USA. Sie heirateten und fanden einige Jahre später gemeinsam zum Glauben an Jesus Christus. Sie wandelten ihren Lebensstil und ihre Botschaft – so erzählten sie in ihrem eindrücklichen Zeugnis gegen Ende des Abends. Was sich nicht wandelte, war ihre Leidenschaft für Musik. Und so sind sie nun seit 52 Jahren verheiratet, „alt, aber vom Heiligen Geist erfüllt“, beweglich und stimmgewaltig, mit Jesus im Herzen und Bibeltexten auf der Leinwand den Menschen zugewandt. Und Joyce sagt über ihren Mann: „Er ist immer noch ein Metal-Musik-Missionar.“
Alte Hits von Bloodwood
Das Programm begann mit alten Hits von Bloodgood und begeisterte die Besucher, von denen viele um die 50 Jahre alt waren. „White Metal“ wurde die Musik genannt, es sollte ein Gegenentwurf sein zu damals in der Heavy-Metal-Musik oft provozierend antichristlichen Texten. So produzierten christliche Hardrocker Lieder wie zum Beispiel der Bloodgood-Gassenhauer „Killing the Beast“, den nun – Jahrzehnte später – Les und Joyce energiegeladen performten.
Weitere Hits aus alter Zeit wie „Top of the Mountain“, „Pray“ oder „The Messiah“ als Teil einer Trilogie über die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus sorgten für eine mitreißende Stimmung, aber auch für nachdenkliche Momente.
Eigene Songs von Les Carlsen
Neuere Songs, die Les Carlsen nach der Zeit bei „Bloodgood“ unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hatte, gefielen dem Publikum sehr, auch wenn sie den meisten weit weniger bekannt gewesen sein dürften. Darüber hinaus durften die Kirchenbesucher brandneue Songs hören, zum Teil international noch unveröffentlicht.
Und ganz am Ende, als Zugabe nach den Einblicken in das Leben und den Glauben der Carlsens, stimmten sie das bekannte Lobpreislied „The Blessing“ an: Dazu verzichteten sie aufs Playback und Les Carlsen griff zur Akustik-Gitarre. Nach zweieinhalb Stunden endete dann ein eindrucksvoller Abend.