Alte geistliche Musik in hoher Qualität: Die evangelische Kantorei führte ein Requiem und Choräle aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf. Foto: Rolf Reißmann

In der nahezu voll besetzten evangelischen Kirche interpretierten Sänger und Musiker Werke aus der Zeit des Spätbarock bis hin zur frühen Klassik.

Am Beginn und am Ende standen zwei Stücke des einstigen Wiener Hofkomponisten und Hofkapellmeisters Johannes Joseph Fux. Der wichtigste Teil aber war das „Requiem aeternam“. Diese aus dem frühen 18, Jahrhundert stammende Totenmusik für den Unsterblichen wurde von Anton Carl in Wien komponiert.

 

Viel ist über Anton Carl nicht bekannt

Viel ist über ihn nicht bekannt. Möglicherweise, so erläuterte Dirigent Henry van Engen, könnte er ein Anonymus sein. So wurden Autoren genannt, die entweder ihren Namen entweder generell nicht bekanntgaben oder die Aufmerksamkeit allein auf das Werk richten wollten. Wie auch immer – das Requiem fand den großen Zuspruch der Besucher.

Zwölf Sängerinnen und Sänger der Grenzacher Kantorei hatten dieses schwierige Stück einstudiert, gewissermaßen als Zulage zum sonstigen Repertoire. Aufgeteilt war es in drei Komplexe.

Die Unterteilung gestaltete Pfarrer Jörg Winkelströter mit biblischen Texten. Damit brachte er, ausgehend vom Alten Testament, den Zuhörern das Leben und Sterben Christi näher, ordnete damit Tag und Ereignis ein.

Die Besucher hatten beim Eintritt eine deutsche Übersetzung des Textes erhalten, konnten also den Inhalt des in Latein gesungenen Requiems genau verfolgen. Je drei Sängerinnen und Sänger besetzten eine Stimme, damit war die ausgewogene Vielfalt gewährleistet.

Bei den Chorälen standen die Sänger seitlich im Chor, für das Requiem und den Abschluss vorn im Kirchenraum.

Als Begleitung hatte Henry van Engen eine kleine Besetzung des Kammerorchesters zusammengestellt – mit einer ganz besonderen Instrumentierung. Lediglich zwei Violinen und dem Cembalo setzte er drei Posaunen gegenüber. Dank der engen Zusammenarbeit der Kantorei mit dem Basler Posaunenchor kamen von dort drei Spieler mit Tenor-, Bass- und Altposaune.

Orchester und Chor agieren bestens abgestimmt

Die mehrwöchigen Proben für das schwierige Requiem haben sich gelohnt, die Aufführung war durchweg sehr gut gelungen. Auffallend war die abgestimmte Lautstärke zwischen Chor und Orchester. Trotz vieler Variationen übertönte keiner den anderen, sicherlich auch ein Ergebnis des zurückhaltenden Dirigats von Henry van Engen.

Trotz der kleinen Orchesterbesetzung fielen die Instrumente mehrfach sehr angenehm auf, sei es im Zusammenspiel, vor allem aber auch, wenn bei den instrumentalen Stücken mal nur die drei Posaunen ertönten, jede ihren eigenen Charakter darstellend. Sie erklangen warm und angenehm, bei weitem nicht so blechern, wie man sie sonst oft hört.

Auffallend auch die Interpretation von „Chiaccona“ des Italieners Antonio Bertali, entstanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Imke Engel an der Violine und Lorenz Bozzetta am Cembalo boten feines Zusammenspiel bei diesen sehr angenehmen, eingängigen Melodien. Der Chor sang nach dem Requiem noch „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ von Heinrich Schütz, das Cembalo fügte das gleichnamige Stück von Johann Sebastian Bach an. Das abschließende „Libera me Domine“ von Johann Fux erinnerte durchaus an ältere gregorianische Gesänge.

Kein Applaus, aber ganz viel Lob

Insgesamt war das eine gelungene Aufführung anspruchsvoller geistlicher Musik vor dem hohen kirchlichen Fest. Dem Tag angemessen hatte Henry van Engen bereits vor dem Konzert darum gebeten, auf Beifall zu verzichten. Das Publikum kam diesem Wunsch auch nach. Doch die Gäste brachten ihre Zustimmung gerne nach dem Konzert auf dem Kirchplatz im direkten Gespräch mit Sängern und Musikern zum Ausdruck.