Schöne Melodien erfreuten die Zuhörer anlässlich eines Kirchenkonzerts. Es war der letzte Auftritt des Musikvereins Bad Bellingen im sich neigenden Jubiläumsjahr „100+5“.
Los gings mit Richard Wagners kraftvoller „Festmusik“, die vom Altarraum als Bühne in das voll besetzte Gotteshaus strömte. Ein Stück mit triumphalen Bögen, die zum abwechslungsreichen Programm mit modernen und klassischen Titeln beitrugen, wie Sprecher Ralf Veit ankündigte.
Die Begrüßung der Zuhörer hatte traditionell der erste Vorsitzende Florian Heitz übernommen. Musikalisch ließ der Dirigent Andreas Kramer „einen helleren Farbton von blass“ folgen, besser bekannt als „A Whiter Shade of Pale“. Die Bläser übernahmen den diffizilen Part von Joe Cocker, der sich die Seele aus dem Leib sang – mit Tonartwechsel.
Die Hits von Eric Clapton schlossen sich an, ein mittlerweile 80-jähriger Herr, gleichwohl unvergessen seine Bluesballaden wie das mit Tempo gespielte „Layla“ oder auch „Tears in Heaven“. Diese Komposition wie beide Vorgänger und zahlreiche Nachfolger eröffnete das Tieftonfundament, jene Register, die hinten saßen oder eben höher.
Unübersehbar im Auditorium der eher seltene Kontrabass und die beiden Tubas. Bei letzteren fragt sich der gemeine Musikfan jedes Mal, wie die Tubisten das beeindruckende Blas-Ungetüm zu bändigen wissen.
Das Publikum sandte hörbar Applaus, ebenso wie nach „Von guten Mächten“ mit geistlichem und politischem Hintergrund. Nicht umsonst gilt es als eines der schönsten Lieder des Genres unserer Zeit.
Hitpotenzial umgab indes „Antonis New World“. Ein Schlager der Blasmusik, wenn man so will, und eine Partitur, die pure Freude ausstrahlte. So eingestimmt war es nur ein kleiner Sprung hinüber zu „My dream“ und dem Solo von Ralf Veit. Gefühlvoll deklinierte er die Töne durch. Die Trompete schmachtete, die Zuhörerschaft jubelte.
„Ich gehör nur mir“
Adäquate Emotionen zu wecken, versteht der Song „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“, in diesem Fall die Kaiserin. Mit überzeugender Intension dargeboten, in orchestraler Breite. Ziemlich selbstbewusst nannte der Amerikaner Phil Hanseroth seinen Song ganz simpel „The Story“, vielleicht weil er ein Zwilling ist.
Seine Notenschöpfung kam als Stück daher, das sich schnell mitsummen ließ. Der nächste Protagonist hieß „Gospel John“. Die Nummer lebte vom Tempo, das wiederum dem Schlagzeuger die Chance bot, sich Gehör zu verschaffen. Hinzu kamen die Posaunen und Trompeten, die den Takten viel Leben verpassten. Das war toll, war man sich in den Bänken einig.
„Wo Menschen sich vergessen“
Als weitere „schöne Melodie“ entpuppte sich „Wo Menschen sich vergessen“, ein zeitgenössisches Kirchenlied, mit warmer melodiöser Tongebung. Das letzte Wort – vor den Zugaben versteht sich – hatte das Saxofon. Es imitierte die Ausnahmestimme eines gewissen Marian Gold in „Forever young“, und holte sich wie alle Solisten einen Sonderapplaus. Schluss war indes noch lange nicht, denn die Gastgeber luden zum Umtrunk ins Gemeindehaus ein.