Kirchenräte wie Heinz Rittberger bestimmen viel in einer Gemeinde mit. Foto: Michele Danze

Heinz Rittberger, seit 24 Jahren Kirchengemeinderat in der evangelischen Leonhardsgemeinde, spricht im Interview über die Aufgaben des Gremiums.

Stuttgart – Ende des Jahres wird in der Evangelischen Landeskirche der Kirchengemeinderat gewählt. Auftakt des Wahljahres ist ein Tag der Kirchengemeinderäte am 23. März in Fellbach. Doch was sind die Aufgaben eines Kirchengemeinderats? Der Stuttgarter Heinz Rittberger weiß es aus eigener Erfahrung.

Herr Rittberger, sind Sie ein besonders frommer Mensch?
Fromm, nein, das bin ich nicht. Aber ich bin gläubig. Und durch mein Amt als Kirchengemeinderat habe ich mich stark mit dem Glauben und mit der Bibel beschäftigt.

Seit wann sind Sie Kirchengemeinderat?
(Denkt nach) 1989 bin ich von der evangelischen Leonhardsgemeinde gewählt worden. Ende November geht meine vierte Amtsperiode zu Ende. Gewählt werden die Kirchengemeinderäte alle sechs Jahre.

Weshalb haben Sie kandidiert?
Der Pfarrer der Leonhardskirche kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen werden vom Pfarrer oder von Gemeindemitgliedern vorgeschlagen und meistens auch gewählt. Denn es gibt gar nicht so sehr viele Kandidaten.

Heißt das, Sie haben sich vom Pfarrer zu dem Amt breitschlagen lassen,?
Nein, so war es nicht. Die Leonhardskirche ist mein roter Faden im Leben. Meine Großmutter wurde dort getauft und konfirmiert, meine Eltern getraut, und ich wurde dort ebenfalls getauft und konfirmiert. Ich habe gesehen, wie die Kirche im Zweiten Weltkrieg brannte, und habe als achtjähriger Bub geholfen, die Trümmer wegzuräumen. Mein Geschäft Seifen-Lenz ist nur ein paar Meter weg von der Leonhardskirche. Aufgrund dieser Verbundenheit engagiere ich mich gern in der Gemeinde.

Aber die Kandidaten stehen nicht Schlange für einen Sitz im Kirchengemeinderat?
Stimmt. Da würde ich mir ein größeres Interesse wünschen, vor allem von den Jüngeren in der Gemeinde. Unseren 1700 Mitgliedern stehen neun Kirchengemeinderäte zu. Aber es gibt Zeiten, da haben wir nur acht, weil jemand abspringt und kein Nachrücker da ist.

Woran liegt das?
Gerade bei berufstätigen Kirchengemeinderäten verändert sich oft die berufliche Situation, so dass sie keine Zeit mehr für zusätzliches Engagement haben und aussteigen.

Worin besteht das Engagement?
Wir gestalten zum Beispiel die Gottesdienste mit, halten die Lesung, sprechen die Fürbitten und zählen das Opfergeld. Bitter ist, dass manchmal keine 20 Gottesdienstbesucher kommen, um zuzuhören. Und es steckt ja einige Zeit in der Vorbereitung

Hat der Kirchengemeinderat Einfluss auf die Entwicklung in seiner Gemeinde?
Das hat er. Laut einem Handbuch leiten die Kirchengemeinderäte gemeinsam mit dem Pfarrer die Gemeinde.

Und das bedeutet in der Praxis?
Der Kirchengemeinderat bestimmt mit, wie eine frei gewordene Pfarrstelle besetzt wird. Er kann Sondergottesdienste wie Themen- oder Abendgottesdienste ins Leben rufen. Oder Beispiel Vesperkirche: Als Pfarrer Martin Fritz die Idee hatte, Bedürftige in der Leonhardskirche zu speisen, hätte der Kirchengemeinderat ablehnen können. Nach langen Diskussionen haben wir zugestimmt. Damit war die Vesperkirche ­geboren.

Der Tag der Kirchengemeinderäte soll ein Dankeschön der Landeskirche für die Arbeit der Kirchenräte sein. Freuen Sie sich darauf?
Ex-Bischöfin Margot Käßmann hält einen Vortrag bei der Veranstaltung. Das ist sicher interessant. Aber ich gehe leider nicht hin, weil ich die Einladung zu spät bekommen habe und die Schwabenlandhalle längst ausgebucht ist.

Werden Sie im Dezember wieder kandidieren.
Ich bin jetzt 76, da muss man langsam ans Aufhören denken (lacht). Aber der neue Papst ist ja auch schon so alt wie ich. Vermutlich werd’ ich es noch mal machen – falls meine Frau mich nicht bremst.