Die Pfarrer Emanuel Ruccius-Rathgeber (Höfen, von links), Sara Widmann (Bad Wildbad) und Barbara Schmidt (Klinikpfarrerin) informieren über das Konzept zur Fusion der Gemeinden. Foto: Bernd Mutschler

Große Veränderungen stehen bei den evangelischen Kirchengemeinden im Oberen Enztal an. Bereits 2023 haben die Kirchengemeinderäte der fünf Kirchengemeinden den Prozess zur Fusion zu zwei Gemeinden angestoßen. Wie geht es weiter?

Die fünf evangelische Kirchengemeinden im Oberen Enztal, Bad Wildbad mit Sprollenhaus, Calmbach, Aichelberg, Höfen und Enzklösterle, fusionieren. Wenn die Kirchengemeinderäte (KGR) zustimmen, soll es künftig noch zwei Kirchengemeinden geben.

 

Pfarrplan 2030 Der Prozess sei im Mai 2023 losgegangen, berichtet der Höfener Pfarrer Emanuel Ruccius-Rathgeber, der bereits jetzt zu Teilen für Calmbach zuständig ist. Vor rund eineinhalb Jahren habe es das erste Treffen aller Kirchengemeinderäte im Distrikt Oberes Enztal gegeben. Dort hätten auch die ersten Zahlen des Pfarrplans 2030 vorgelegen, erzählt er weiter. Landeskirchenweit sinke die Zahl der Pfarrstellen um 25 Prozent – dies sei zum einen eine Anpassung an die Mitgliederzahlen vor Ort und zum anderen an die überhaupt zur Verfügung stehenden Pfarrer. Auch in diesem Beruf macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar: Die geburtenstarken Jahre gehen langsam, aber sicher in Rente und es gibt weniger Pfarrer, die nachrücken.

Veränderung Zur Situation vor Ort sagt Ruccius-Rathgeber: „Es hat sich herauskristallisiert, dass uns das relativ stark treffen wird.“ Und so soll es dann auch kommen, seit März 2024 ist klar: Zwei von fünf bisherigen Pfarrstellen werden gestrichen. Das bedeute für die Gemeinden vor Ort: mehr Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg und auch strukturelle Veränderungen. Für den Prozess holte man sich Beratung von der Landeskirche ins Boot. So wurden verschiedene Modelle vorgestellt, wie Gemeinden künftig zusammengehen könnten und was das für Konsequenzen hätte. Im Januar dieses Jahres gab es dann ein erneutes Treffen mit allen Kirchengemeinderäten aus den fünf Gemeinden Bad Wildbad, Aichelberg, Enzklösterle, Calmbach und Höfen und es wurde eine Steuerungsgruppe gebildet mit zwei Vertretern aus jedem KGR.

Landeskirche berät

Nach vielen Überlegungen stand dann die Entscheidung für zwei Fusionen: Bad Wildbad mit Sprollenhaus, Enzklösterle und Aichelberg schließen sich – so ist der Plan – zu einer neuen Gemeinde zusammen, ebenso wie Calmbach und Höfen.

Fusion Durch die Zusammenschlüsse entstehen aber keine Verbundkirchengemeinden, die man – zumindest theoretisch – wieder auflösen könnte. Stattdessen entstehen durch Fusionen komplett neue Kirchengemeinden.

Angebote beibehalten

Dadurch sollen aber bestehende und funktionierende Angebote vor Ort nicht wegfallen. So gebe es zum Beispiel funktionierende Kirchenchöre jeweils in Höfen und Calmbach, die müsse man also nicht zusammenlegen, sagt Ruccius-Rathgeber. Vorstellen kann er sich aber mehr gemeinsame Projekte. Ähnliches gilt für Gruppen und Kreise vor Ort oder auch für das Café Sammeltasse in Enzklösterle. Eher sei es dann so, dass Interessierte aus den anderen Teilen der Gemeinde dann diese Angebote mitnutzen könnten.

Standorte bleiben Dasselbe gilt auch für die Gottesdienste vor Ort. Im Oberen Enztal gibt es sechs Kirchen. „Dabei soll es bleiben, es wird kein Predigtstandort aufgegeben“, sagt Ruccius-Rathgeber. Er fügt an: „Es ist uns wichtig, dass es weiterhin regelmäßig Gottesdienste überall gibt.“ Wie regelmäßig das dann ist, müsse noch ausgearbeitet werden. Aber durch die Vakaturen und Krankheitsvertretungen bestehe bereits jetzt ein gemeinsamer Predigtplan, der beibehalten werden soll. Die Fusionen schaffen einen strukturellen Rahmen und es gelte, diesen Rahmen zu füllen. Hier sei noch nichts fest geplant, aber man könnte sich vorstellen, künftig öfter gemeinsam Gottesdienst zu feiern, was den Vorteil hätte, dass die Kirche voller wäre.

Information Wie geht es nun weiter? Zunächst werden nun in allen Gemeinden Versammlungen abgehalten. Los geht es in Bad Wildbad am 18. November, um 19 Uhr im Ludwig-Hofacker-Haus. Als nächstes folgt am 24. November Enzklösterle, um 10.30 Uhr nach dem Gottesdienst. Am 1. Dezember dann folgen die weiteren Gemeinden in Calmbach (10.30 Uhr im Gemeindehaus nach dem Gottesdienst), Höfen (12 Uhr, Gemeindehaus) und Aichelberg (10.30 Uhr in der Kirche). Dort soll jeweils das Konzept vorgestellt und Fragen beantwortet werden. Man sei sehr interessiert an Rückmeldungen und wolle auch bestehende Ängste wahrnehmen.

Ablauf Nach den jeweiligen Versammlungen beschließen dann die Kirchengemeinderäte über die Fusion. Die Beschlussanträge sollen dann bis Februar 2025 an die Landeskirche geschickt werden.

Fusion dann 2025

Die Fusion ist dann mit dem Stichtag 30. November 2025 geplant. Dann finden nämlich die Kirchenwahlen statt und es mache Sinn, dann gleich einen gemeinsamen KGR für die neu entstandenen Gemeinden zu wählen. Wichtig ist es Ruccius-Rathgeber zu betonen, dass es die Pfarrstellenreduzierungen nicht wegen den Fusionen gebe: „Die gibt es auch ohne Fusionen, aber so können wir die Reduzierung besser auffangen“, ist er überzeugt. Der neue Pfarrplan habe den Anstoß gegeben, sei aber nicht der alleinige Grund gewesen.

Der Höfener Pfarrer sagt weiter: „Der Segen Gottes, die Begleitung Gottes hängt nicht an Fusionen, nicht mal an Kirchtürmen.“ In aller Veränderung gelte: „Gott ist bei uns!“

Übrigens: Wie die beiden Kirchengemeinden künftig heißen sollen, wurde noch nicht verraten. Dieses Geheimnis soll dann bei den jeweiligen Gemeindeversammlungen gelüftet werden.

Zwei von fünf Pfarrstellen werden gestrichen

Aktuelle Situation
Derzeit sind die Kirchengemeinden ganz unterschiedlich mit Pfarrern ausgestattet. In Höfen teilen sich Ruccius-Rathgeber und seine Frau Eva Rathgeber die Pfarrstelle (Ruccius-Rathgeber ist auch für den Pfarrbezirk Calmbach II zuständig), in Calmbach ist Sara Widmann seit März Pfarrerin. Seit Oktober macht Matthias Schmidt Vertretungsdienst in Bad Wildbad, seine Frau, Klinikpfarrerin Barbara Schmidt, ist für Sprollenhaus zuständig. Die Pfarrstelle Bad Wildbad II ist nicht besetzt, ebenso die in Enzklösterle seit dem Ruhestand des langjährigen Pfarrers Martin Kohnle. Die Vertretung in Enzklösterle macht bereits jetzt Sara Widmann, Emanuel Ruccius-Rathgeber ist für Aichelberg zuständig.

Wie geht es weiter?
Spätestens mit dem Pfarrplan 2030 fallen im Kirchendistrikt Oberes Enztal zwei von bislang fünf Stellen weg: Die bereits seit langem vakante zweite Stelle in Bad Wildbad wird nicht mehr besetzt. Ab 2030 fällt zudem die Stelle in Höfen weg.