Der evangelische Kirchenchor Weilstetten singt nicht nur in der Kirche – sondern nimmt auch am Wettbewerb beim Chorfest in Leipzig teil. Foto: Meinert

Die Corona-Pandemie hat die Kulturschaffenden hart getroffen. Zahlreiche Chöre haben die Pandemie nicht "überlebt" oder befinden sich noch in "Schock-Starre". Dass es auch anders gehen kann, zeigt der evangelische Kirchenchor Weilstetten mit Chorleiterin Daria Pflumm.

Balingen-Weilstetten - Die Pandemie traf den Chor auf einem Höhepunkt seiner Geschichte: 2020 wollte er mit mehreren Konzerten sein 100-jähriges Bestehen feiern und aus dem Anlass am Chorfest in Leipzig teilnehmen. Das Chorfest fiel aus, und die Konzerte waren in geplanter Form nicht durchführbar.

Für Daria Pflumm kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Die erfahrene Kirchenmusikerin suchte und fand neue Möglichkeiten zur Probenarbeit: digitale Probenformate, kreative Aktionen und Singen in kleiner Besetzung.

Not macht erfinderisch

Die WhatsApp-Gruppe des Chors wurde zum neuen Kommunikationsmittel: Pflumm spielte Einzelstimmen ein und stellte sie als Audiodatei in die Gruppe – zusammen mit Links zu Videos von Aufführungen der gewählten Stücke. So konnte jedes Chormitglied zu Hause hören und üben.

Als Präsenzproben mit kleiner Teilnehmerzahl und Abstand wieder möglich waren, teilte die Chorleiterin Woche für Woche Kleingruppen ein, probte in Quartettstärke mit wechselnder Besetzung und mehrstimmig. Zur Pflege der Gemeinschaft gab es kreative Aktionen – so überraschte der Chor seine Mitglieder zu Nikolaus mit Präsenten – als Überraschung vor der Haustür.

Vierstimmigkeit wird durch Zwei- oder Dreistimmigkeit ersetzt

Auch das Singen im Gottesdienst erfolgte auf neue Art: Beim Gottesdienst im Freien sang der Chor im Garten des Gemeindehauses oder bei geöffneten Fenstern aus der Kirche heraus, Vierstimmigkeit wurde bei Bedarf durch Zwei- oder Dreistimmigkeit ersetzt oder eine fehlende Chorstimme durchs Klavier ergänzt.

Dass sich das Durchhalten gelohnt hat, zeigt sich jetzt: Das Chorfest in Leipzig findet vom 26. bis 29. Mai statt, und der evangelische Kirchenchor Weilstetten ist mit dabei – als Teilnehmer am Chorwettbewerb in der Kategorie "Zeitgenössische Chormusik". Bereits 2020 hatte sich der Chor dafür qualifiziert.

Danach wird gefeiert

Am Anreisetag stellt sich der Chor mit den A-Capella-Motetten "Exultate, Jubilate" und "In Paradisum" von Karl Jenkins sowie mit den Titeln "Jesus an dich glaub’ ich" von Matthias Ankenbrand und "O crux ave" von Rihards Dubra dem Juroren-Urteil. Danach wird gefeiert: Mit einer Stadtführung, Konzertbesuchen und der Teilnahme an Mitmachaktionen gestaltet der Chor seinen "Chorausflug zum 100-jährigen Bestehen" in die Musikmetropole, in der rund 350 Chöre aus dem Bundesgebiet erwartet werden.

Stolz darauf, nicht resigniert zu haben

Dass der Chor neben der Vorbereitung auf den Wettbewerb auch die Konfirmationsgottesdienste in der Weilstettener Dyonysiuskirche musikalisch begleitet, ist für die Sängerinnen und Sänger und ihre engagierte Leiterin Ehrensache. Auch die weiteren, ursprünglich für das Jubiläumsjahr geplanten Aktivitäten, wie ein großes Jubiläumskonzert im Herbst und die Verleihung der Zelter-Plakette an den Chor, werden dieses Jahr nachgeholt.

Rückblickend sind Daria Pflumm, die gleichzeitig die Vorsitzende des Chors ist, und ihre Sängerinnen und Sänger stolz darauf, dass sie in der Zeit der Pandemie nicht resigniert haben.