Emma Etzel hat 84 Jahre lang dem Kirchenchor in Bad Liebenzell-Möttlingen angehört. Warum für sie und die anderen Sängerinnen und Sänger die Zeit jetzt endet.
Nur wenige Jahre hätten gefehlt, dann wäre der Kirchenchor in Möttlingen 100 Jahre alt geworden. Gegründet worden war er im Jahr 1931. Doch nun hört der Chor auf.
Seinen Abschied nahm er aber nicht sang- und klanglos hin, denn mit drei Liedbeiträgen hat der Chor am dritten Adventssonntag noch einmal im Gottesdienst in der gut besuchten Blumhardtkirche mitgewirkt.
Pfarrer Traugott Maisenbacher dankte den verbliebenen Sängerinnen und Sängern für ihre oft langjährige Treue. Der Chor habe jahrzehntelang das Gemeindeleben bereichert und musikalisch geprägt. Insbesondere bei Beerdigungen war er kaum wegzudenken.
Mit der Corona-Pandemie begann das Ende
Doch mit der Corona-Pandemie begann der Rückgang. Die Zahl der Sänger war nun stark rückläufig, die verbliebenen sind älter geworden. Zuwächse gab es nur vereinzelt, obwohl der Chor zuletzt mit Siegfried Baral einen versierten Leiter hatte.
Waren es in Spitzenzeiten bis zu 32 Sängerinnen und Sänger, so blieb am Ende nur noch ein kleiner Rest von acht bis zehn Leuten.
Rekordverdächtig: Emma Etzel ist dem Kirchenchor 1941 beigetreten
Besonders geehrt wurde eine Sängerin, die 84 Jahre lang dem Chor angehörte: Emma Etzel war bereits mit ihrer Konfirmation im Jahre 1941 dem Chor beigetreten und hat ihm bis zuletzt die Treue gehalten. Das ist rekordverdächtig. 2020 war die damals 93-Jährige für 79 Jahre im Kirchenchor gewürdigt worden. „Singen befreit“, meinte sie damals.
Nach dem Gottesdienst wurde noch zum Ständerling ins Gemeindehaus eingeladen, wo Gerold Koch als Chormitglied noch kurz die Geschichte des Chores Revue passieren ließ.
Doch auch neue Perspektiven wurden aufgetan: Der Kirchenchor Monakam-Unterhaugstett ist laut Mitteilung jederzeit für neue Sängerinnen und Sänger offen. Die Kirchengemeinden sind ja neuerdings ohnehin als Kirchengemeinde Monbachquellen zusammengeschlossen.
Aber auch in Möttlingen wird nicht alles aufhören. Der Kirchenchor wird zwar nicht mehr auftreten, aber man will sich künftig an jedem letzten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr zwanglos und gemütlich im Gemeindehaus zum gemeinsamen Singen treffen. Alle, die gerne singen, sind eingeladen, auch unverbindlich daran teilzunehmen. Start ist im Januar.