Zwerenberg verfügt wie Breitenberg über Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern für die zugehörigen Orte ab dem Jahr 1858. Die vor vielen Jahren vom Kirchspiel aufgelegte Postkarte zeigt die Gotteshäuser, von denen allerdings Gaugenwald entgegen der Angabe ins 17. Jahrhundert zu datieren ist. Foto: Archiv/Schabert

In den Kirchenbüchern wird vieles niedergeschrieben über die Jahre. In denen von Breitenberg und Zwerenberg, heuer bekanntlich Teilorte von Neuweiler, gehen die Aufzeichnungen gar Jahrhunderte zurück. Ein Blick in die weit entferte Vergangenheit fördert viel Interessantes zu Tage.

Neuweiler - Für Familienforscher und an der Heimatgeschichte Interessierte sind die Kirchenbücher eine wertvolle Fundgrube. Für die evangelischen Kirchengemeinden mit Sitz in Neuweiler ist darin das Leben der Menschen in den zugehörigen Dörfern über Jahrhunderte von der Wiege bis zur Bahre dokumentiert. Oft hat der Pfarrer auch noch Besonderheiten vermerkt. In der Doppelkirchengemeinde Breitenberg/Oberkollwangen und im Kirchspiel Zwerenberg reichen die erhaltenen Aufzeichnungen bis 1558, in Neuweiler bis 1656 zurück.

Die kürzere Zeit für die Unterlagen im ehemaligen Amtsort am Ursprung der Teinach könnte mit dem Dreißigjährigen Krieg zusammenhängen. Wo die Soldatenhorden aufzogen, sind meist nicht nur die Kirchenbücher vernichtet worden. Dass kaiserliche Truppen durchs Teinachtal aufwärts ritten, ist dem Band 1558 bis 1655 des sogenannten Mischbuchs des Pfarramts Breitenberg zu entnehmen. Der Name hängt damit zusammen, dass es keine Geburten-, Heirats-, Sterbe- und Familienbücher gab, sondern alles in den einen, wertvollen Band eingetragen wurde.

Von raublustigen Scharen niedergemacht

Im Kirchenbuch von Breitenberg sind am 5. Oktober 1634 als "auf einmal hier begraben worden" vermerkt "Hanß Lörcher" 50, "Georg Kraft" [oder Schraft] 40, und "Jörg Schöttlin", 22 Jahre alt. Der damalige Pfarrer Breitenbergs, M. Johannes Ebermeier, hielt fest, dass, als sie auf Begehren der Bürger von Neuweiler als Nachbarn wegen Einfalls feindlicher Reiter zu Hilfe kommen wollten, von den mord- und raublustigen Scharen kläglich niedergemacht wurden. Die beiden Erstgenannten "sind gleich auf dem Platz geblieben", der Dritte ist in der folgenden Nacht daheim an einer Schussverletzung gestorben. "Sind alle drei feine, tapfere und redliche Männer gewesen", schließt der Geistliche die Aufzeichnung. Das Teinachtal aufwärts nach Neuweiler ziehend hatte die Soldatentruppe auch den 75-jährigen Müller Weik ermordet, nach dessen Familie sich später, so ab 1700, die ehemalige Essigmühle benannte.

Eintragungen sind dramatisch

Im folgenden Jahr wirken die Eintragungen dramatisch. Der sauberen Handschrift folgen flüchtig geschriebene Namen, Daten und Hinweise zur Bestattung. Dies ist verständlich, denn zwischen August und Dezember 1635 gab es nicht weniger als 164 Sterbeeinträge vorzunehmen. Elias Haisch von der Weikenmühle ist 1907 dem im kirchlichen Urkundenbuch nachzulesenden Hintergrund nachgegangen und schreibt: "Aber das nachfolgende Jahr 1635 sollte das vorangegangene an Jammer und Entsetzen noch übertreffen. Durch die fremden Kriegsvölker, Einquartierungen, Teuerungen waren Krankheiten und ansteckende Seuchen befördert worden. […] In den Monaten August bis Dezember starben in dem kleinen Ort Breitenberg [Anmerkung: das zum Pfarramt gehörige Oberkollwangen einbezogen] 164 Personen, darunter auch der Pfarrer. Die Leute starben teilweise auf der Straße, so wurde Blasius Hanselmann tot auf der Eselsteige gefunden und auch am Weg begraben. Auch in der Weikenmühle hielt der Tod reiche Ernte."

Eine Grundlage für die evangelischen Personenstandsbücher war die württembergischen Kirchenordnung 1559. Diese trug auf: Jeder Pfarrer sollte die Taufen unter Angabe des Datums und der Namen des Kindes, der Eltern sowie der Paten in ein eigens dafür anzulegendes und bei der Kirche zu verwahrendes Buch eintragen. Dazu kamen in den folgenden Jahren das Ehe-, Konfirmations- und Totenbuch, in den kleineren Dörfern eben als Mischbuch. Die Geburten-, Heirats- und Sterbebücher der kommunalen Standesämter ersetzten die die kirchliche Beurkundung der Personenstandsfälle in Baden ab dem 1. Februar 1870, in Württemberg ab 1. Januar 1876.