Eine Kirche zum Kaufen – das gibt es nicht alle Tage. In Unterkirnach und Villingen-Schwenningen aber ist das jetzt möglich.
Unterkirnach/Villingen-Schwenningen - Die evangelische Stadtgemeinde sucht Käufer für ihre beiden Kirchengebäude, die Lukaskirche in Villingen, und die Christuskirche in Unterkirnach.
Ein recht junges Kirchlein
Unsere Redaktion sprach mit Dekan Wolfgang Rüter-Ebel und Martin Borchert, Borchert lebt in Unterkirnach, über den geplanten Verkauf der Christuskirche in Unterkirnach. Die Christuskirche gehört zum Gemeindebezirk Paulus der Evangelischen Stadtgemeinde Villingen und steht am Ende des Bachwegs am Fuße des Wildpflanzenparks und der Streuobstwiesen.
Die Christuskirche ist 30 Jahre alt und wurde vor 30 Jahren von den Architekten Bernhard Kuberczyk und Ulrich Döring in einer Projektgemeinschaft entworfen. Eingeweiht wurde das Gebäude am Erntedanktag 1992, als Geschenk wurde der evangelischen Gemeinde von der katholischen Pfarrgemeinde eine Glocke geschenkt – heute hat die Kirche sogar drei Glocken.
Eigentlich eine Nummer zu groß
Die Kirche gehörte einmal zur Markus Gemeinde und dann zur Paulusgemeinde. Derzeit zählen noch 500 Gläubige in Unterkirnach zur Gemeinde, die Zahl habe sich in den letzten 30 Jahren ziemlich konstant gehalten, fährt Borchert fort.
Eigentlich sei die Kirche für eine Gemeinde wie Unterkirnach zu groß gewesen, der Bau habe auch auf der Kippe gestanden, Reinhard Hosemann habe sich sehr stark eingesetzt, aber auch andere evangelische Gemeindemitglieder: "Es herrschte Aufbruchstimmung, man wollte diese Kirche", so Borchert.
Mehrere Räume gehören dazu
In der Christuskirche befinden sich ein zentraler, erweiterbarer Gottesdienstraum, Küche, Gruppenraum im Obergeschoss, Amtszimmer und Nebenräume. Besonderes Merkmal der evangelischen Filialgemeinde Unterkirnach ist der christliche Pfadfinderstamm VCP Kirneck, der 2012 vom Verband offiziell anerkannt wurde: "Sollten wir einen Käufer finden, werden wir die Pfadfinder natürlich nicht alleine lassen", ergänzt Dekan Rüter-Ebel.
Erste Interessenten gab es schon
2019 sei die Entscheidung zum Verkauf gefallen, es habe mehrere Interessenten gegeben, es seien jedoch nicht die richtigen gewesen, so der Dekan.
Die Kirchengemeinde Villingen habe von der Landeskirche die Vorgabe erhalten, 30 Prozent zu reduzieren aufgrund der schwindenden Mitglieder, wobei sich Unterkirnach gut gehalten habe, unterstreicht er. Die Einsparungen beziehen sich auf die Liegenschaften und die Personalkosten, bis 2032 sollte das Ziel erreicht sein.
Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig
Die Gemeinde Unterkirnach habe vor drei Jahren Interesse an der Christuskirche gezeigt, damals für die Erweiterung des Kindergartens, was sich zerschlagen habe. Aber ein Interesse bestehe immer noch, wirft Borchert ein.
Die Christuskirche hat schon für mehrere Zwecke gute Dienste geleistet, seien es Gemeinderatsitzungen, Ausstellungen für Hobbykünstler, Jahreshauptversammlungen oder als Testzentrum in Corona-Zeiten, um nur einige zu nennen. Der Zustand der Kirche sei immer noch hervorragend, so Rüter-Ebel und Borchert.
Auf die Frage, wofür die Kirche, sollte sie verkauft werden, genutzt werden könnte, meint Rüter-Ebel, vielleicht ein Architektenatelier, ein Bürgerhaus oder Dorfgemeinschaftenhaus, natürlich sei die Anzahl der Parkplätze nicht üppig.
Die Historie
Reinhard Hosemann befasste sich ausführlich mit der Geschichte der Christuskirche und schildert sie folgendermaßen: "Vor mehr als 100 Jahren gab es eine sehr kleine evangelische Diaporagemeinde in Unterkirnach, die gottesdienstlich und seelsorgerlich von Mönchweiler betreut wurde. Auf dem Hinterwasenhof und in den Stuben anderer Höfe wurde in größeren Abständen Gottesdienst gefeiert. Später wurden Gottesdienste im Schulhaus und bis in die 1950er Jahre in einem Raum im Rathaus gefeiert. Es wurde eine Ausstattung mit Altar, Kanzel und Orgelpositiv geschafft und für den Bau einer Kirche gesammelt. Später wichen die Evangelischen mit ihren Gottesdiensten in die Klosterkapelle Maria Tann aus und 1973 in die ausgebaute Friedhofskapelle.
1987 wurde im Obergeschoss des Schulhauses ein Gemeinderaum eingerichtet. Pfarramtlich versorgt wurde Unterkirnach in diesen Jahren von der Villinger Markus und seit 2000 bis heute von der Pauluspfarrei. 1988 bewilligte die badische Landessynode den Bau eines eigenen Gottesdienstraums in Unterkirnach. Ein Platz fand sich am Ende des Bachweges."