Die Kirchenbänke sind bereits abgeschraubt, Strom und Heizung sind abgeschaltet. Wohl bis Ende Dezember 2025 wird der Ortspfarrer Pater Augusty in St. Ulrich keine Gottesdienste zelebrieren. Foto: Ute Koch

Voraussichtlich erst ab Weihnachten 2025 können wieder Gottesdienste in der katholischen Kirche in Geislingen gefeiert werden. Bis 2028 soll die aufwändige Renovierung abgeschlossen sein.

Am Sonntag nach Ostern fand in der Geislinger Pfarrkirche St. Ulrich die Erstkommunion und damit auch der letzte Gottesdienst für längere Zeit statt. Grund für die vorübergehende Schließung sind die umfangreichen Sanierungsarbeiten im Gotteshaus.

 

Die Planungen begannen bereits 2014

Die Planungen für die Sanierungsarbeiten begannen bereits im Jahr 2014, wie Kirchenpfleger Heinrich Kirmeier berichtet. 2016 wurde der Kunsthistoriker Blum aus St. Georgen hinzugezogen, um verschiedenste Untersuchungen an dem alten Gemäuer wurden vorgenommen. Auch Statiker wurden zurate gezogen.

Notwendig waren die Sanierungsmaßnahmen vor allem wegen der starken Feuchtigkeit, die vom Boden her an den Wänden nach oben gezogen war und dem dadurch entstandenen Schimmelbefall in der Kirche. Auch die Beleuchtung war nicht mehr zeitgemäß; das Gotteshaus konnte kaum angemessen ausgeleuchtet werden.

Bessere Heizung hilft gegen Schimmel

Die Heizung war nicht mehr auf dem aktuellen Stand und stellt eine besondere Herausforderung bei der Sanierung dar. Bei der neuen Heizung kann die Temperatur geregelt und nicht wie bisher nur ein- oder ausgeschalten werden. Somit hat man die Möglichkeit die Kirche langsam aufzuheizen, was die Schimmelbildung verhindern soll.

Um zu vermeiden, dass die Wände die Nässe vom Boden aufsaugen und diese nach oben steigt, wird zwischen Boden und Außenwand eine Fuge eingezogen. Auch die Belüftung der Kirche soll optimiert und automatisiert werden, um die Schimmelbildung zu unterbinden.

Heiligenfiguren aus der Kirche gebracht

Die Heiligenfiguren wurden aus der Kirche gebracht und die Sakristei ausgeräumt. Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion wurden von der Kolpingjugend mit Unterstützung erwachsener Mitglieder alle Kirchenbänke demontiert.

Ein neuer Seiteneingang wurde durch die Kirchenwand gebrochen. Foto: Ute Koch

Im Altarraum wurde das Mauerwerk für den neuen Eingang durchbrochen. Auch der seitliche Eingang beim Gemeindehaus, gegenüber dem bestehenden Eingang an der Vorstadtstraße, wurde bereits durchgebrochen. Jetzt können die demontierten Kirchenbänke hinausgebracht und zur Bearbeitung gebracht werden.

Der komplette Boden kommt raus

Im Lauf des Jahres muss der komplette Boden entfernt werden. Kabelschächte für Leitungen und die Elektroinstallation für die Heizung werden verlegt. 2024 stehen eher grobe Arbeiten an, bevor die eigentlichen Restaurationsarbeiten angegangen werden können. Alle Figuren, die sich in der Kirche befanden, sollen ebenfalls restauriert und von eventuellem Schimmel befreit werden.

Der neue Quergang von Seiteneingang zu Seiteneingang ist bereits gut zu erkennen. „Durch diesen ergeben sich viele neue Möglichkeiten“, freut sich der Ortspfarrer Pater Augusty. „Es gibt Platz für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, Rollatoren. Es können kleine Prozessionen durch die Kirche durchgeführt werden“, erläutert er weiter.

Kinderbänke weichen Platz für Rollstuhlfahrer

„In der Mitte der beiden Quergänge soll das Taufbecken platziert werden. Die Bänke drum herum werden längentechnisch angepasst, so dass ein kleiner Kreis und dadurch Platz für Rollstuhlfahrer entsteht und diese nicht mehr in den Mittelgang sitzen müssen“, führt Kirmeier weiter aus. Auch ihm ist die Vorfreude auf diese Änderung deutlich anzusehen.

Um die bauliche Änderung vornehmen zu können, werden die kleineren Kinderbänke nicht mehr eingebaut. Die Abstände zwischen den Bänken werden vergrößert und die Zahl der Sitzplätze von bisher etwa 900 auf rund 500 Plätze reduziert.

Bessere und farbige Beleuchtung

Das Gotteshaus, das 2028 das 100-jährige Weihejubiläum feiert, soll bis dahin in neuem Glanz erstrahlen. Auch die geplante neue Beleuchtung zaubert ein Lächeln der Vorfreude auf das Gesicht von Pater Augusty: „Wir werden die Möglichkeit haben, die Kirche punktuell zu beleuchten, je nach Anlass auch mit verschiedenen“, freut er sich.

Im düsteren Kirchenschiff freut sich Pater Augusty auf die künftigen Möglichkeiten der Beleuchtung. Foto: Ute Koch

Allerdings gibt es bis dahin noch viel zu tun und es gilt durch Eigenleistungen, soweit überhaupt möglich, die Finanzierung der veranschlagten 3,6 Millionen Euro stabil zu halten. Rund 15 Prozent der veranschlagten Bausumme müssen von der Kirchengemeinde selbst aufgebracht werden. Manche geplante Maßnahme müssen daher verschoben werden.

Ab dann sind wieder Gottesdienste in St. Ulrich

Ziel ist es laut Pater Augusty, die Kirche spätestens an Weihnachten 2025 wieder nutzen zu können und das Hochfest in der in erneuerten Pfarrkirche zu feiern. Dann soll auch der Altarraum, welcher einen separaten Zugang erhalten wird, für Heilige Messen mit weniger Teilnehmern nutzbar sein, um eine familiäre Atmosphäre zu schaffen.