Pfarrer Scharfenberg wird seinen letzten Gottesdienst am zweiten Advent in der Lorenzkirche halten. (Archivfoto) Foto: Stephan Hübner

In den 15 Jahren als Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn begleiteten Roland Scharfenberg manche Herausforderungen und ein Schicksalsschlag.

Nach 15 Jahren als Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn verabschiedet sich nun Pfarrer Scharfenberg in den Ruhestand. Zehn Jahre hat er vorwiegend in Peterzell und Langenschiltach als Pfarrer gewirkt, bis Roland Scharfenberg im Herbst 2020 auf die Pfarrstelle mit Sitz an der Lorenzkirche wechselte. Dort sei sein Start sehr herausfordernd gewesen, berichtet er.

 

In St. Georgen begann seine Zeit als Pfarrer mit der Corona-Pandemie. Eine Spaltung der Gesellschaft sowie in der Kirchengemeinde hätten seine Anfangszeit nicht leicht gemacht. Zur dieser Zeit sei es nicht leicht gewesen, Regelungen zu finden, die kirchliche Veranstaltungen zu ermöglichen und Sicherheit zu gewähren. „Das war herausfordernd und hat gewisse Leute auch aufgebracht, weil man nicht in ihrem Sinn entschieden hat“, erklärt Scharfenberg.

Bewegte Zeiten

Zudem sei der direkte Kontakt zu den Seniorenheimen, die geschlossen waren, nicht gegeben gewesen, ein großes Problem, da gerade diese Menschen Unterstützung gebraucht hätten, erzählt der Pfarrer. Auch Beerdigungen mit höchstens zehn Personen waren belastend. Dennoch erfreute den Pfarrer, dass die gestreamten Online-Gottesdienste die Menschen erreicht haben. „Das war für mich eine neue Erfahrung“, berichtet er.

Aber nicht nur die Corona-Pandemie prägten seine Zeit in St. Georgen, sondern auch der Russland-Ukraine-Konflikt. „Als der Überfall auf die Ukraine war, haben wir sofort ein Friedensgebet gestartet.“ Die Kirche wurde an diesem Tag absichtlich kalt gelassen, da man das Geld, das ansonsten für das Heizen der Kirche verwendet wird, der Ukraine gespendet habe und sammelte, sagt Scharfenberg. So saßen die Menschen in dicken Decken in der Kirche zum Beten.

„Es ist manches zusammengebrochen, was nicht wieder lebendig wurde“, bedauert Scharfenberg. Viele Menschen träten aus der Kirche aus, dennoch blicke er zuversichtlich in die Zukunft. Aktuell habe er viele Taufen und für das Kindermusical hätten sich 46 Anmeldungen gefunden. „Es ist wichtig, dass wir Christen unseren Glauben frisch und fröhlich leben“, möchte er an die Menschen und die Kirchengemeinde für die Zukunft weitergeben.

Ein Schicksalsschlag

Vor drei Jahren mussten Scharfenberg und seine Frau den Verlust ihres Sohnes tragen. Mit gerade einmal 35 Jahren sei er an einer Krankheit gestorben, was für die Familie sehr belastend gewesen sei, erzählt er. „Die üblichen Fragen, die sich Menschen stellen, stellt sich auch ein Pfarrer: Warum muss es ihn erwischen?“ Durch den Tod seines Sohnes erhoffe er sich, dass er mit anderen Trauernden noch verständnisvoller umgehen könne. Dass es ein Leben nach dem Tod gibt, sei ihm nochmals wichtiger geworden.

Weg zum Pfarrer

Scharfenberg erzählt, dass er auf einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium war. Er wollte zuerst gar nicht Pfarrer werden, ein Informatik- oder Physik-Studium kamen ihm nach dem Abitur als Erstes in den Sinn. Während des Wehrdiensts habe er seine Lebensplanung überdacht und entschied sich, Theologie zu studieren, um direkt mit den Menschen zu tun zu haben. „Das war ein krasser Umbruch.“ Scharfenberg erzählt, dass seine Eltern die Hände über den Kopf geschlagen hätten, als sie von dem Plan erfuhren.

Abschied in den Ruhestand

Scharfenberg möchte zum Abschied ein rundes Ende haben. Mit der Bibelstelle „Wie lieblich sind die Füße des Freudenboten, der Gutes verkündigt, Frieden predigt und Heil verkündigt“ werde er seine Amtszeit beenden. Für ihn schließt sich somit der Kreis, da er den Vers als Einsegnungsvers nach dem Studium bekam. Ein „komisches Gefühl“ wird es sein, Abschied zu nehmen, erklärt Scharfenberg. Die vielen Kontakte zu den Menschen würden ihm fehlen. Allerdings ist nur eine der beiden Pfarrstellen besetzt, daher hilft er mit einer 25-Prozent-Stelle weiterhin der Kirchengemeinde, was ihm in seinen Augen zugute komme. Denn er möchte nicht von heute auf morgen die Kirchengemeinde verlassen.

Freut sich auf Ruhestand

Dennoch freut er sich auf den Ruhestand. Weniger Abendtermine und mehr Freizeit. Scharfenberg ist Krimi-Liebhaber und liest sehr gerne, dafür eignet sich sein Zuhause mit Garten sehr gut. Hinzu fotografiert er viel, wenn es in den Urlaub mit dem Camper nach Italien oder Frankreich geht. Im Sommer verbringt er gerne seine Zeit am Klosterweiher und schwimmt seine Runden.