Rund um die Kirche St. Bonifatius feiert das Lörracher Weihnachtsdorf Premiere. Nach dem gut besuchten Auftakt strömten am Freitag ebenfalls die Besucher auf den Platz.
Zwar zeigte sich das milde, sonnige Wetter wenig winterlich, doch sorgten Christbäume und Tannenzweige, Sterne und Lichterketten für festliche Stimmung. Unter den Mistelzweigen an den beiden Eingängen wurden erste Küsse ausgetauscht, einige frisch in Wollbach geschlagene Weihnachtsbäume fanden ihre Abnehmer und auch an den Gastroständen herrschte zur Mittagspause Andrang.
„Ein kleiner, goldiger, gelungener Markt“, findet William Miller aus dem nordrhein-westfälischen Selfkant. Gemeinsam mit seinen Brüdern Jean-René und Luke serviert er an drei Ständen Flammlachs, Grillwurst und „Pasta aus dem Käselaib“. Mit der verwandten Schaustellerfamilie Lemoine ist das Trio das ganze Jahr über auf großen und kleinen Veranstaltungen in Deutschland, aber auch in Belgien und den Niederlanden unterwegs. Ihr Anspruch: Spitzenessen mit Herz – oder, wie William Miller es nennt, „Amore für den Bauch“.
Arrangement mit Kirche im Zentrum
An einem ihrer Stände hilft auch der Lörracher Ehrengildemeister Thomas Arndt beim Wenden von handgemachter Oldenburger Metzgerwurst. Als gläubiger Mensch empfinde er das Arrangement mit der Kirche im Zentrum und der Weihnachtsmusik auf dem Platz als „besonders gelungen und harmonisch“, sagt Arndt.
Diese traditionsreiche Freundschaft zwischen Narrengilde und der Pfarrgemeinde um Pfarrer Joachim Giesler betont auch Obergildenmeister Michael Lindemer. „Die Kirche gehört ins Dorf und die Fasnacht in die Stadt“, lautet sein augenzwinkerndes Credo zum „schnuckligen Dorf“.
Als Highlight sieht er die Schlittschuhbahn, auf der bereits am Donnerstagabend rund 70 Kinder unterwegs waren: „Was gitt’s Schönres, als wenn d’Chinder juchzge?“ Der Aufbau war indes aufwendig: Rund 200 Paletten und Spanplatten, kostenlos bereitgestellt von den Firmen Quabeck und Götz & Moritz, bilden den Untergrund für die Teflonschicht.
Ein Basar mit viel Selbstgemachtem
Wer abseits des Trubels Ruhe sucht, findet sie in der durchgängig geöffneten Kirche, die während der Veranstaltungstage regelmäßig zu Konzerten lädt. Nur wenige Schritte weiter lockt im Gemeindehaus die Weihnachtsbäckerei von Bernhard Paul sowie ein Basar mit viel Selbstgemachtem und im Verlauf wechselnden Anbietern.
Neben Christine Langen und ihrem Team am Unicef-Stand mit Weihnachtskarten finden sich dort Schmuck aus recycelten Fahrradschläuchen oder die Schnitzkunst des Lörrachers Hans-Peter Wirth, der Figuren aus Hölzern wie Eibe, Mammutbaum oder Palme fertigt. Seine Werke lassen viel Interpretationsspielraum und regen zum Geschichtenspinnen an – was auch bei den kleinen Besuchern gut ankommt.
Für den Nachwuchs hat auch Gemeindemitglied Gertrud Eberhard ihre Materialien ausgebreitet, um gemeinsam Engelanhänger zu basteln – ein Angebot, mit dem sie schon oft Bewohnern in Lörracher Seniorenheimen Freude bereitet hat und nun die Kinder begeistert.