Pfarrer Franz-Xaver Weber legt das Investiturversprechen ab. Rechts: Dekan Thomas Begovic Foto: Steinmetz

Nach achtmonatiger Vakanz hat die katholische Seelsorgeeinheit in Starzach wieder einen Pfarrer. Franz-Xaver Weber legte beim Live-Stream-Gottesdienst am ersten Adventssonntag vor der Gemeinde in der Bierlinger Martinuskirche und im Netz sein Investiturversprechen ab.

Starzach-Bierlingen - Dekan Thomas Begovic sprach bei der Amtseinsetzung von einem "Freudentag für St. Josef Starzach". Für die Seelsorgeeinheit bedeutet es einen Neuanfang mitten in einer Krise der Kirche, die durch die Pandemie noch intensiviert und beschleunigt werde. "Die Gesellschaft braucht eine lebendige Kirche, die sich nicht selbst mit sich beschäftigt", deutete Begovic die Herausforderung an, vor der auch der neue Pfarrer steht.

Mit einem halben Dienstauftrag

Die Zeit der Vakanz hat die Gesamtgemeinde gut überstanden. Das bestätigten sowohl der Dekan als auch Gebhard Breil, Sprecher der Seelsorgeeinheit. Bereits zum 1. Februar ging Pastoralreferentin Elfriede Sacha in den Ruhestand, überraschend dann zwei Monate später aus gesundheitlichen Gründen Pfarrer Josef Gerz. "Da gab es lange Gesichter in der Seelsorgeeinheit", berichtete Gebhard Breil. "Vor zwei Jahren bekommen wir keinen neuen Pfarrer", habe man prognostiziert.

Es kam anders: Schon im Sommer erreichte ihn, so Breil, die freudige Nachricht von Bischof Gebhard Fürst, dass Franz-Xaver Weber zum 28. November als Pfarrer der Starzacher Seelsorgeeinheit mit einem halben Dienstauftrag ernannt werde. Pfarrer Dieter Zimmer und der Starzacher Pfarrvikar Boniface Dasaa würden die anderen 50 Prozent pastoral abdecken. Weitere Verstärkung kommt ab September 2022 mit Schwester Jelena von der Liebfrauenhöhe als Gemeindereferentin dazu. Der Dekan zeigte Franz-Xaver Weber dessen künftigen Wirkungsstätte in der Kirche, bevor er ihm symbolisch den Schlüssel überreichte.

Antrittspredigt unter dem Thema Neuanfang

Weber stellte seine Antrittspredigt unter das Thema Neuanfang. Mit dem 1. Advent beginne das neue Kirchenjahr. Auch in der Bibel gebe es Neuanfänge. Weber erinnerte daran, wie Gott Himmel und Erde erschaffen hat. Als sich die Menschen von ihm loskoppelten, habe er ihnen die Augen geöffnet und sei selbst zur Welt gekommen. Diesen Neuanfang habe er in die Hände der Menschen gelegt. Eine Zeit der Gnade habe damit begonnen.

Am Schluss des Gottesdienstes gab es mehrere Grußworte. Bürgermeister Thomas Noé freute sich, dass er nun Pfarrer Weber auch persönlich kennenlernen und erste Gespräche führen könne. Alle seien hier froh, wieder einen Seelsorger zu haben. Allerdings zeigte er auch eine bedenkliche Entwicklung auf. Starzach habe aktuell 2559 Gemeindemitglieder: Das seien 51 Prozent der Einwohnerschaft. Die Zahl ist, wie Noé feststellte, durch Austritte in den vergangenen Jahren rückläufig. 2008 gehörten der Seelsorgeeinheit noch 2770 Mitglieder (62 Prozent der Einwohner) an.

Es gelte vor allem, junge Menschen wieder für den Glauben zu gewinnen. Die Seelsorge erfordere dabei den Einsatz der ganzen Person, und dies rund um die Uhr. "Schauen Sie ihrer Aufgabe vertrauensvoll entgegen", ermunterte er den neuen Pfarrer. Ein italienisches Verhältnis wie zwischen Don Camillo und Peppone sei "zwischen uns nicht zu erwarten".

Nicht nur eine formale Geste

"Das Feuer des Glaubens darf hier nicht ausgehen." Das sei eine Herzenssache auch der Patronatsherren, betonte Burkhard von Ow. Dass er, zuständig für Wachendorf, Bierlingen und Felldorf, und Max-Richard von Rassler (Sulzau und Börstingen) der Einsetzung von Franz-Xaver Weber als Starzacher Pfarrer im Sommer ihre Zustimmung gegeben hätten, wollten sie nicht als nur eine formale Geste verstanden wissen. "Wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite", versicherte der Wachendorfer Baron. Gunhild Hofmeister vom Trachtenverein hieß Weber im Namen der Bierlinger Vereinsgemeinschaft willkommen.

Die Mitkonzelebranten am Altar waren neben Weber und Dekan Begovic die Pfarrer Klaus Rennemann, Dieter Zimmer von der Liebfrauenhöhe, Josef Sabu Palakkal aus Denkingen, Boniface Dasaa sowie die Diakone Herbert Schmid aus Wilhelmsdorf und Bernhard Baur von der Seelsorgeeinheit Starzach. Zur Investitur waren unter anderem auch der evangelische Pfarrer aus Mühlen, Johannes Unz, sowie Schwestern vom Franziskanerkloster Sießen und von der Schönstattbewegung auf der Liebfrauenhöhe gekommen. Instrumental und mit mehrstimmigem Gesang umrahmten Anna und Stefan Neubacher sowie Eva Gaus den zweistündigen Investiturgottesdienst.

Info: Franz-Xaver Weber

Franz-Xaver Weber, Jahrgang 1963, ist 1992 in Weingarten vom damaligen Bischof Walter Kasper zum Priester geweiht worden. Nach vierjährigem Vikariat kam er zur Seelsorgeeinheit "Zocklerland" im Kreis Ravensburg mit elf Pfarreien. Von 2009 bis 2020 war er Superior für die Kongregation der Franziskanerinnen in Sießen. Weber übernimmt die Leitung der Starzacher Seelsorgeeinheit mit einem Dienstauftrag von 50 Prozent. Zusätzlich ist er der neue Diözesanleiter der Schönstattbewegung auf der Liebfrauenhöhe. Dort finde seine offizielle Einführung am 8. Dezember statt, teilte Begovic mit.