Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. Foto: Fritsche

Am Sonntag wird Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer im Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Noch einmal wie seit vielen Jahren wird Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer die musikalische Leitung des Festgottesdienstes am Sonntag um 10 Uhr in der Kirche Heilig Geist übernehmen: Auf den Tag genau vor 100 Jahren am 16. November 1925 war dort die Orgel der Gebrüder Späth in einem feierlichen Hochamt eingeweiht worden.

 

Im Gottesdienst dazu wird nicht nur das Jubiläum der Orgel gefeiert: Die katholische Kirchengemeinde wird auch ihren musikalischen Leiter in den Ruhestand verabschieden. Als „Kulturträger der Stadt“ war er schon beim 40-jährigen Dienstjubiläum gewürdigt worden.

Ort und festlicher Rahmen der Verabschiedung machen Sinn: Waren doch die Späth-Orgel in Heilig Geist und die Walcker-Orgel in der Kirche St. Maria mit ein Grund dafür, dass Schäfer 41 Jahre lang seinen Dienst in Schramberg leistet. „Das war eine tolle Entwicklung. Am Anfang waren die beiden Orgeln aufgrund ihres Zustands fast nicht spielbar, heute sind sie hervorragend“, sagt Schäfer beim Gespräch mit unserer Redaktion. Und nachdem sie wie die Orgeln ebenfalls restauriert wurden, verfüge die Gemeinde auch über „zwei tolle Kirchenräume“.

Talente erkannt

Bereits als Ministrant in seinem Kindheits- und Jugendort Trossingen war Schäfer von der „Königin der Instrumente“ fasziniert. So nahm er schon während der Schulzeit Orgelunterricht, sang im Kirchchor mit, gründete auch eine kleine Instrumentalgruppe. Der Trossinger Kirchenchorleiter Maximilian Schnurrer erkannte seine Talente, förderte und ermunterte ihn zum Musikstudium an der Hochschule für Kirchenmusik in Rottenburg. Seine Hauptinstrumente wurden Orgel und Klavier, weiteres Hauptfach war das Dirigieren von Chören und Orchestern, was der dann auch ausgiebig in Schramberg nutzen konnte: Zum bestehenden Kirchenchor kamen in den Jahren noch die Jugendschola, dann die Gregorianik-, Frauen- und Kinder-Schola, dazu noch das Vocalensemble Schramberg hinzu. „Das ist mit der Zeit alles so gewachsen.“

Schnellstart in Schramberg

Im letzten Semester fängt man in der Regel an, sich zu bewerben. Schäfer hat sich in Schramberg beworben, die Stadt, aus der sein Vater stammte und der Großvater noch wohnte.

Er wurde eingeladen zum Orgel Vorspielen und zum Abhalten einer Chorprobe. „Der Chor entschied mit“, erzählt er. Der lockere Student war gut angekommen. Einige Tage später rief ihn der damalige Pfarrer Rudolf Kopp an: „Herr Schäfer, wir haben sie gewählt als Kirchenmusiker.“ Anfangen sollte er möglichst sofort. Man einigte sich, dass er freitags die Chorprobe hält, am Wochenende die Gottesdienste spielt und während der Woche zu Ende studiert. Am Dreikönigstag 1984 trat er seinen Dienst an. Genauso wurde es bei seinem anschließenden Zivildienst auf einer Pflegestation des damals noch existierenden Krankenhauses gehandhabt. „Das war anstrengend, aber man war noch jung“, versichert Schäfer in der Rückschau.

Reiche Musiklandschaft

Bei seiner Arbeit in Schramberg konnte er mit der Musikschule, der Stadtmusik und den Chören aus einer „reichen Musiklandschaft“ schöpfen. So fand er immer Solisten und Sänger für die Gestaltung der Gottesdienste. „Die Liturgie mit den großen Themen Sterben, Tod und Auferstehung musikalisch zu gestalten, war eine tolle Aufgabe“. Mit den Pfarrern hatte er in all den Jahren immer ein sehr gutes Verhältnis. Sie ließen im freie Hand für die Gestaltung „Sie haben meine Arbeit geschätzt und mir nie irgendwelche Vorschriften gemacht“. So kam bei ihm nie die Überlegung auf, irgendwo anders hin zu gehen. Am Ende gehörten auch die Aus- und Weiterbildung der Organisten und Chorleiter des Dekanats sowie die des Orgelsachverständigers zu seinen Aufgaben.

Berufung gelebt

Gefragt, ob ihm der Abschied schwerfalle, antwortet er: „Vom Gefühl her überwiegt die Dankbarkeit, dass ich meine Talente entwickeln und in der Musik und Gestaltung der Liturgie aufgehen konnte, dass ich also meine Berufung ausleben konnte, das war erfüllend.“ Und weiter gefragt nach seinen eigenen Zukunftsplänen für den neuen Lebensabschnitt, antwortet er: „Ich werde sicher weiter musizieren, komponieren und auch fotografieren.“