Ein ungewohnter Blick vom Erich-Hauser-Kreuz links aus: Das Gerüst in der St.-Maria-Kirche zur Innenrenovierung steht, die Walcker-Orgel im Hintergrund ist in eine weiße Abdeckung gehüllt. Foto: Riesterer

Nach gut zwei Wochen des Aufbaus steht es, das Gerüst. Nun kann es mit der Innenrenovierung der St.-Maria-Kirche weitergehen. Pfarrer Rüdiger Kocholl und Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer erklären, was alles ansteht.

Schramberg - Derzeit begleitet der Satz: "Während der Innenrenovierung der St.-Maria-Kirche finden alle Gottesdienste in der Hl.-Geist-Kirche statt" die Mitglieder der Kirchengemeinde St. Maria – Heilig Geist. Seit dem letzten Termin am 22. Juni sind die Türen geschlossen. Nur, was genau wird denn gemacht? "Es sind mehrere Elemente, die renoviert werden", erklärt Pfarrer Rüdiger Kocholl. Als erstes ins Auge springen wird den Gemeindemitgliedern bei der Rückkehr wohl, dass es merklich heller sein wird. "Die vergangenen Jahrzehnte haben die Kirche innen geschwärzt", so Kocholl.

Heizung

Das, ergänzt Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer, lag an der alten Heizung. Als man jene Anfang der 90er-Jahre in Betrieb genommen hat, habe man gemerkt, dass man Elemente wie die Lüfter und Abzüge so einstellen musste, dass es eine unvorteilhafte Umwälzung der Luft gebe. "Sonst hätten wir aber gar keine Heizwirkung erzielt", sagt Schäfer.

Die neue Technik sieht vor, an mehreren Stellen im Boden dezentrale Heizpunkte einzulassen. Damit könne die Temperatur besser geregelt werden "und es gibt keine Luftzirkulation mehr", so Schäfer. Ergänzend würden hinsichtlich des Raumklimas an den Fenstern Fühler angebracht, die innen und außen die Luftfeuchtigkeit messen – die dann über elektrische Fensterheber reguliert wird.

Walcker-Orgel

Die angesprochene Zirkulation sei, sagt der Kirchenmusikdirektor, aus einem weiteren Grund unvorteilhaft gewesen: "Die verrußte Luft zog auch durch die Orgel, was sie innen natürlich verschmutzt hat." Die Walcker-Orgel wurde als einer der ersten Arbeitsschritte abgedeckt. Zudem wurden im ganzen Innenbereich die Figuren oder Kreuze entfernt – sie sollen beim Wieder-Anbringen neue, sicherere Halterungen bekommen – und ein Schreiner hat die liturgischen Elemente wie den Altar oder das Redepodest in Holzkisten gepackt.

Die Orgel soll, "wenn der letzte Handwerker die Kirche verlassen hat", von einem Orgelbauer gründlich gereinigt werden. Das allein dauere sechs bis sieben Wochen, so Schäfer. Die Baustelle soll bis Februar/März 2022 beendet sein. "Wir sind glücklicherweise mit der Heilig-Geist-Kirche in einer sehr komfortablen Lage", freuen sich die beiden.

Licht und Hauser-Kunst

Dezentral ist wie bei der Heizung das Stichwort beim Licht: Die Strahler, oder "großen Stromfresser", kommen weg – viele kleine, moderne LEDs werden verbaut. "Damit sind dann auch verschiedenfarbige Lichtszenarien steuerbar", kündigt Kocholl an. "Das wird durch die weiße Raumschale noch verstärkt", ergänzt Schäfer. Die von Erich Hauser geschaffenen Leuchten bleiben – sie können einfach mit LEDs bestückt werden.

Wenn nach 30 Jahren eine Kirche renoviert werde, werde für gewöhnlich vieles ausgetauscht. "Die Erich-Hauser-Elemente wie das Metallkreuz bleiben aber natürlich so, wie er sie wollte", betont Schäfer auch mit Blick auf die Diskussion um den Findlingsbrunnen beim Lichtspielhaus (wir berichteten). "Das Schöne ist aber, dass sie wir sie durch die neuen Beleuchtungsmöglichkeiten ganz neu inszenieren können", bekräftigt er.

Tontechnik und Kosten

Nicht dezentral wird übrigens der neue Ton: "St. Maria ist wegen seinem langen Hall von vier Sekunden ein wenig besonders", so Schäfer. Die neue Anlage besteht aus zwei hohen Säulen. Die Säulen beschallen mit dem unteren Teil die vorderen, mit dem oberen Teil die hinteren Bereiche der Kirche", erklärt Schäfer. Bei einem Test seien die Reaktionen"überwältigend" gewesen.

Die Firma aus Bietigheim-Bissingen, die sie verbaue, habe auch die Technik im Kölner Dom verbaut, so Kocholl. Die Diözese achte darauf, dass alle an der Sanierung beteiligten Unternehmen aus Württemberg kommen.

Die Gesamtkosten, so Kocholl, betragen rund 1,36 Millionen Euro. "Die Diözese trägt davon 1,1 Millionen. Daran ist deutlich, welchen Stellenwert St. Maria hat", betont Kocholl. Den Rest trage die Schramberger Kirchengemeinde, wobei auch ein Anteil an Spenden eingeplant sei. "Wer da noch etwas beitragen möchte, darf sich gerne im Pfarrbüro melden", schließt Kocholl.