Die Kopie der Madonna vor ihrem zukünftigen Platz in der Predigerkirche. Foto: Hildebrand

Die Kopie der Madonna von der Augenwende in Rottweil ist fertig. Dahinter steckt eine ungewöhnliche Geschichte.

Die Madonna von der Augenwende hat seit dem Jahr 1643 einen besonderen Platz in den Herzen der Katholiken von Rottweil. Als “Schutzfrau von Rottweil“ wird sie gar in einem eigens für sie komponierten Lied besungen. Als sie während der Restaurierungsarbeiten im Münster auf ihren alten Platz in der Predigerkirche zurückkehrte, keimte in der evangelischen Gemeinde der Wunsch auf, diese Madonna als Kopie an ihren angestammten Platz zurückkehren zu lassen um das Bildkonzept dieser Marienkirche wieder zu vervollständigen.

 

Nach einigen Verhandlungen mit der Münstergemeinde, dem Oberkirchenrat und dem Denkmalamt gab man die Kopie der Madonna bei der Bildhauerin Andrea Wörner aus Schiltach in Auftrag. Zuvor wurde ein Scan der Madonna erstellt, auf dessen Grundlage ein 3-D-Druck hergestellt wurde. Mit dieser 1:1 Figur im Atelier konnte nun die eigentliche Arbeit beginnen. Bei mehreren Werkstattbesuchen konnten sich die Gemeindemitglieder über den Fortgang der Arbeit informieren.

Mit Kreideschichten überzogen

Gefasst wurde die Skulptur dann von der Restauratorin Nora Heinken aus Rehborn. Diese hat die Madonna nach historischem Vorbild mit mehreren Kreideschichten überzogen. Jede Schicht musste in zeitaufwendiger Arbeit einzeln geschliffen werden. Gelbe und rote Tonerde, der Bolus, wurde auf die zu vergoldenden Bereiche gestrichen, die anschließende Blattgoldschicht mit einem Achatstein poliert. Diese sogenannte Poliment-Glanzvergoldung stellt die hochwertigste Vergoldetechnik dar. Ein roter Lüsterüberzug auf dem Kleid der Muttergottes lässt die Oberfläche metallisch schimmern.

Einige Abweichungen vom Original

Obwohl sie auf den ersten Blick dem Original gleicht, hat sie doch einige Abweichungen. Die schwarze Krone aus Metall wurde bei der Kopie eine geschnitzte Krone mit einer Bemalung. Auf die seitlichen Röhrenfalten, die erst später angefügt wurden, hat man verzichtet, die Figur ist schlanker. Die Marienfigur erhält ein Lilienzepter, das Kind einen Apfel in die Hand. Der Jesusknabe bekommt keinen Heiligenschein. Auf die Wiedergabe der Mondsichel zu Füßen der Madonna wurde ebenfalls verzichtet. Die Farbpartien, wie Haut und Haare, wurden in Anlehnung an das Original gefasst, selbst das Rouge der Wangen, welches der Madonna ein jugendliches Aussehen verleiht. Eine künstliche Alterspatina verleiht der Skulptur schließlich das gebührende Äußere.

Konzert zur Begrüßung

Die Madonna kam bereits nach Rottweil zurück und wartet in der Predigerkirche, bis sie am Vorabend des 1. Advent auf dem Hochaltar mit einem Konzert begrüßt wird. Der Predigerchor wird das Magnificat von C.Ph.E. Bach und eine Kantate von Vater Bach, in der er den Deutschen Text des Lobgesangs der Maria vertont hat, zur Aufführung bringen. Am 1. Adventssonntag wird die Replik der Madonna von der Augenwende dann im Gottesdienst begrüßt.

In der Zwischenzeit müssen noch das Zepter und der Apfel für das Kind geschnitzt und bemalt werden.

Info

Die neue Madonnenfigur wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Das Geld ist aber noch nicht vollständig beisammen. Deshalb bittet die evangelische Kirchengemeinde Rottweil weiterhin um Spenden unter Kreissparkasse Rottweil, IBAN: DE27 6425 0040 0000 1007 73, BIC: SOLADES1RWL Verwendungszweck: Madonna