Auf die evangelischen Kirchengemeinden auf dem Kleinen Heuberg kommt zum Jahreswechsel eine gravierende Änderung zu: Sie wechseln vom Kirchenbezirk Sulz zum 1. Januar 2025 zum Kirchenbezirk Balingen.
Damit vollzieht die evangelische Landeskirche demografische und politische Veränderungen nach. Nach Ansicht von Rolf Hölle, dem Vorsitzenden der Bezirkssynode Sulz, ist der Kirchenbezirkswechsel zwar für die Kirchenmitglieder „kaum wahrnehmbar“, da die Ansprechpartner in den Kirchengemeinden wie Pfarrer und Kirchengemeinderat gleich blieben.
Finanziell werde sich wenig verändern. Hingegen ändere sich die Führungsstruktur für die Verantwortlichen der Kirchengemeinden: Ansprechpartner seien ein neuer Dekan und eine neue Bezirkssynode. Gravierend sind nach Hölles Meinung die Veränderungen für die Ehrenamtlichen der Kinder-, Jugend- und Posaunenarbeit. Die Stärke des Bezirks Sulz war nach seiner Erfahrung die enge Zusammenarbeit; diese werde sich schrittweise auflösen müssen, fürchtet er.
Änderungen zum 1. Januar
Laut Hölle werden die personellen, organisatorischen und finanziellen Änderungen zum 1. Januar vollzogen; die Änderung bei der ehrenamtlichen Arbeit komme schrittweise.
Der Wechsel kommt in einer Zeit, in der die Kirchengemeinden konfrontiert sind mit Veränderungen: Die Zahl der Gemeindemitglieder und damit das Aufkommen an Kirchensteuer sinkt.
Die Folge sind Sparbeschlüsse der Landeskirche, wie sie sich im „Pfarrplan 2030“ ausdrücken. Dieser sieht vor, rund ein Viertel der Pfarrstellen zu streichen. Für den Bezirk Sulz bedeutet dies den Wegfall von 5,5 Stellen.
Dagegen richtete sich eine Petition, die der Rosenfelder Pfarrer Bernd Hofmann im vergangenen Jahr mit initiiert hat. Sein Anliegen: Die Kirche solle mit den Menschen vor Ort verbunden bleiben, und das funktioniere nicht, wenn ein Pfarrer immer mehr Orte und Menschen zu betreuen hat. Entfremdung könne sich breit machen.
Noch 1,75 Pfarrstellen für ganz Rosenfeld
Diese Entwicklung kann Hofmann in seiner eigenen Arbeit beobachten: Er ist außer für Rosenfeld in der Verbundkirchengemeinde auch für Isingen zuständig, sein Kollege Johannes Köhnlein, Pfarrer für Leidringen und Rotenzimmern, nach dem Weggang von Pfarrer Sven Wegner-Denk auch für Bickelsberg und Brittheim.
Für die Verbundkirchengemeinde Rosenfeld-Isingen ist eine 75-Prozent-Pfarrstelle vorgesehen, Leidringen-Rotenzimmern mit Bickelsberg und Brittheim bekommt 100 Prozent.
Was den Pfarrplan 2024 und den Plan für 2030 angeht, kritisiert Rolf Hölle den Sparkurs scharf. Wie Hofmann ist er der Meinung, dass damit nur ein Abwärtstrend verschärft werde.
Den Sulzer Bezirk mit seinen 1600 Kirchenmitgliedern – im Balingen sind es mehr als 2000 – sieht Hölle eigentlich als „Erfolgsmodell“ angesichts der überschaubaren Größe und homogener Struktur. Seine Einschätzung: „Als Prokurist eines mittelständigen Unternehmens sehe ich, rational betrachtet, die Auflösung des Sulzer Kirchenbezirkes als falschen Schritt.“
Entscheidend sei aber, „dass wir die Menschen vor Ort im Blick haben und gemäß unserem kirchlichen Auftrag diese mit dem Evangelium in Wort und Tat persönlich erreichen“. Dies sei auch künftig möglich, findet Hölle: “So will ich nach vorne schauen und gerne und positiv in der neuen Struktur mitarbeiten. So sieht es auch die überwiegende Mehrheit der Kirchengemeinderäte auf dem Kleinen Heuberg.“