Eingerüstet: Die St. Stephanus-Kirche in Melchingen Foto: Eyckeler

Für den Dachstuhl wurden einst Balken aus zweiter Hand verwendet und eine Sanierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war nicht fachgerecht. Jetzt muss im Dachstuhl der katholischen Kirche in Melchingen Einiges repariert werden.

In Melchingen ist die St. Stephanus-Kirche derzeit eingerüstet. Gearbeitet wird am Dachtragwerk. Bereits Untersuchungen in den Jahren 1995 und 2005, so bestätigt es Benedict Sauter vom Erzbischöflichen Bauamt in Konstanz auf unsere Nachfrage, wurde festgestellt, dass eine statische Ertüchtigung von Tragwerksteilen, die in der Bauzeit zu gering bemessen wurden oder bereits in Zweitverwendung waren, nötig ist.

 

Hinzu kamen unsachgemäße Reparaturen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert, durch die es zu nachträglichen Feuchteschäden an der Tragstruktur kam. Die Sanierung der begutachteten Mängel wurde allerdings immer wieder zurückgestellt.

Im Jahr 2017 erfolgte eine erneute Untersuchung des Melchinger Kirchendachs, sagt Sauter. Da sei die Dacheindeckung aus Biberschwanzziegeln bereits so schadhaft gewesen, dass es zu Wassereintritt im Dachstuhl kam, was zum Faulen der Mauerschwellen und Balkenköpfe von Dachsparren und Bindergespärren im Auflagerbereich sowie im Firstbereich führte.

Baubedingt hätten die Kirchen aus dieser Zeit ein Mauergesims, das ein Ablaufen oder zügiges Abtrocknen von eintretendem Regenwasser verhindert und die Fäulnis beschleunigt.

Der Stuck fiel schon von der Decke

     Die Statik von Querhaus- und Chordachtragwerk muss verbessert werden, weil geringe Holzquerschnitte und Holz in Zweitverwendung zu Setzungen und Durchbiegungen geführt hatten. Anders gesagt: Über der Kirche bogen sich bereits die Balken.

Wäre eine Sanierung weiter hinaus geschoben worden, so Sauter, hätte man substanziellen Verlust provoziert. Dies zeigte sich kurz vor Beginn der Maßnahme im Dezember 2022, als Stuckteile der Flachdecke in die Kirche stürzten und die Kirche frühzeitig geschlossen werden musste. Es erfolgte eine Untersuchung der Stuckdecke, die schließlich einer Notsicherung und Ausbesserung unterzogen werden musste.

Ursprünglich waren für die Arbeiten 880 000 Euro vom Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg in einer Sonderfinanzierung genehmigt worden. Durch die unvorhergesehenen restauratorischen Arbeiten an der Stuckdecke und durch den Mehraufwand bei den Zimmererarbeiten an Querhaus- und Chordachtragwerk, ergaben sich Mehrkosten, die nun unlängst in einem Projektnachtrag den Verantwortlichen, allen voran dem Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg, berichtet wurden.

Die Melchinger Kirche ist ein barockes Kleinod

Der Baubeginn war im März 2023. Zwischen Herbst 2023 und Winter 2023/24 wurde die Notsicherung und Ausbesserung der Stuckdecke in Langhaus und Chor in Angriff genommen, so dass im Frühjahr 2024 das Innenraumgerüst abgebaut werden und ab Ostern 2024 der Gottesdienstbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.

Ab dem Frühjahr 2024 bis zum Herbst 2024 wurde die Sanierung des Querhausdachtragwerks mit statischer Ertüchtigung der geringen Holzquerschnitte, analog zu den Arbeiten am Langhaus, durchgeführt.

Seit Herbst 2024 wird das Chordachtragwerk saniert. Ein Abkippen der Konstruktion macht hier ebenfalls statische Zusatzmaßnahmen notwendig, die wiederum zu Mehraufwand führen. Bis Pfingsten 2025 soll die Sanierung des Chordachtragwerks, die Eindeckung von Querhaus- und Langhausdach und somit die Maßnahme insgesamt abgeschlossen sein.

Die Melchinger Kirche ist ein barockes Kleinod auf der Oberen Alb. Sie wurde in den Jahren 1767 bis 1769 erbaut. Geplant hat sie der Haigerlocher Baumeister Christian Großbayer.