Ernest Ahlfeld (rechts) vom evangelischen Kirchenbezirk Freudenstadt und Pfarrer in Loßburg war zu Gast in Kamerun und hat dort die Partnerschaft zum Kirchenbezirk Meta der Presbyterianischen Kirche neu belebt. Foto: Evangelischer Kirchenbezirk Freudenstadt/Ahlfeld

Die Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenbezirk Freudenstadt und dem Kirchenbezirk Meta der Presbyterianischen Kirche in Kamerun wurde neu belebt.

Freudenstadt/Meta - Paul Amyam Ngongan lebt in Kamerun im Kirchenbezirk Meta der Presbyterianischen Kirche. Er ist verantwortlich für die Partnerschaft mit dem evangelischen Kirchenbezirk in Freudenstadt. Sein deutsches Gegenüber ist Ernest Ahlfeld, Pfarrer in Loßburg. Beide haben sich kürzlich in Kamerun getroffen und die partnerschaftlichen Weichen neu gestellt, wie der evangelische Kirchenbezirk Freudenstadt mitteilt.

Bei den Gesprächen im Hochland von Bafoussam sei die schwierige Lebenssituation der Kameruner in Meta deutlich geworden. Viele Menschen würden wegen der hohen Inflation hungern, berichtet Ngongan. Kranke hätten schlechte Aussichten, seit der einzige Arzt nach seiner Entführung weggezogen sei. "Wir haben ständig Angst. Du weißt nie, ob du heil zurückkommst, wenn du aus dem Haus gehst", stellt der Partner nüchtern fest.

Weniger Entführungen und zerstörte Häuser

Lehrer seien ebenfalls Angriffsziele. Deshalb gäbe es seit Jahren keinen Unterricht. Die Kirche sei in die Bresche gesprungen und hätte ihr kirchliches Schulsystem erweitert. Dennoch sei es trotz Bürgerkriegs in seiner Region gerade "relativ ruhig". Entführungen kämen weniger vor und Häuser würden nicht mehr so oft zerstört.

Vor dem Bürgerkrieg, erzählt Ngongan, sei die Partnerschaft sehr lebendig gewesen, jetzt liege vieles seit Jahren brach. Ein Ausbildungszentrum für Erwachsene hätte dank der deutschen Partner beinahe fertiggestellt werden können. Es solle den Menschen in der Umgebung helfen, ihr eigenes Geld zu verdienen. Die Farm für Gemeindemitglieder mit fünf Hektar Fläche beherberge zweihundert Palmensetzlinge und einhundertfünfzig Kochbananenpflanzen. Die Verarbeitung der Ernte und der Verkauf auf dem Markt solle für ein zusätzliches Einkommen des Bezirks sorgen. Die Schulen könnten für den Unterricht ein gut ausgestattetes Labor gebrauchen.

Hoffnung auf gegenseitige Besuche in der Zukunft

Der Kameruner ist sich sicher, dass die Deutschen spirituell von der Partnerschaft gestärkt werden könnten. Er halte es für sinnvoll, afrikanische Missionare nach Freudenstadt zu schicken, um dem Bezirk zu helfen, ihren Gemeindemitgliedern Vertrauen in den Glauben zu schenken. Außerdem hoffe er, dass bald wieder gegenseitige Besuche von Delegationen möglich sein könnten.

Ernest Ahlfeld haben die Gespräche mit den Partnern sehr beeindruckt. Er sei zuversichtlich von der Rundreise mit Stationen in Douala über Jaunde nach Bafoussam zurückgekehrt, sagt er. Er sei froh, dass es jetzt persönliche Kontakte gäbe, die Kommunikation über weite Strecken möglich sei und die Zuständigkeiten geordnet werden konnten.

Info: Der Konflikt in Kamerun

Seit sechs Jahren herrscht Bürgerkrieg im englischsprachigen kleinen Teil von Kamerun. Viele anglophone Kameruner werfen der französischsprachigen Zentralregierung vor, ihre Rechte über Jahr-zehnte beschnitten zu haben. Sie fordern vergeblich ein föderales Staatsgebilde. Die Krise hat sich auch verschärft, weil es unter anderem Bestrebungen gibt, auf anglophonem Gebiet einen neuen Staat, Ambazonien, zu schaffen.