Nach 14 Jahren verlässt Sebastian Steinbach Hirsau. Im Kloster hat er Spuren hinterlassen. Nun tritt er auf der Insel Reichenau eine besondere Stelle an.
Das Kloster wirkt. Das hat Sebastian Steinbach immer wieder erlebt. Nicht nur bei Besuchern, sondern auch bei seiner Arbeit: Dieser besondere Glaubensort hat seine Zeit als Pfarrer in Hirsau geprägt. Nun ist sie zu Ende gegangen. Am 26. August kam der Möbelwagen, und die Steinbachs zog es wieder an einen besonderen Ort. Dieses Mal die Insel Reichenau.
Mit Hirsau hat der Theologe nicht nur seine erste Pfarrstelle, sondern die sechsköpfige Familie auch ihre Heimat auf Zeit, mit der sie längst fest verwurzelt war, verlassen. „Ich hab noch nie an einem Ort so lange gewohnt wie hier“, erzählt der 44-Jährige.
Die vier Kinder wachsen hier auf
Seit 2011 lebten er und seine Frau Stefanie im Hirsauer Pfarrhaus. Drei ihrer vier Kinder sind während der Zeit dort geboren, alle hier aufgewachsen. Der älteste Sohn, Johannes, ist jetzt 14 Jahre alt, Tochter Charlotte zwölf, Ben zehn Jahre alt, und der Jüngste im Bunde, David, eins.
Der Abschied bringt noch eine Veränderung mit sich. Der Pfarrer wechselt zur badischen Landeskirche, denn in deren Gebiet liegt die Insel Reichenau. Die Stelle dort sei die einzige gewesen, wo er das weiterentwickeln dürfe, was er in Hirsau angefangen habe, beschreibt es Sebastian Steinbach. Der Kirchenbezirk Konstanz wolle ein geistliches Zentrum schaffen für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Der 44-Jährige wird es aufbauen.
Die Kirche befindet sich im Umbruch: Sparmaßnahmen, Fusionen und immer weniger Mitglieder sind nur einige der Herausforderungen, mit denen sie es zu tun hat. Sie sind besonders herausfordernd für die, die vor Ort in der Kirche tätig sind. Vielen Pfarrern komme dabei die Kraft und Zeit abhanden, um auch noch neue Angebote für Haupt- und Ehrenamtliche zu schaffen, die in die Tiefe gehen. Hier setzt die neue Pfarrstelle an, die der Kirchenbezirk Konstanz sich leistet, erklärt der Pfarrer: Ein geistliches Zentrum für die Mitarbeiter soll entstehen.
Ein Stück Hirsau will er mitnehmen an seine neue Wirkungsstätte. Denn er war zwar auch „normaler“ Gemeindepfarrer in dem Calwer Stadtteil, aber die Hälfte seiner Arbeitszeit entfiel auf eine sogenannte Innovationspfarrstelle für neue Aufbrüche. Dass es diese Projektpfarrstelle nicht über das Jahr 2025 hinaus geben wird, das wusste Sebastian Steinbach vorab. „Ansonsten hätten uns hier keine zehn Pferde wegbekommen.“ Hirsau wird nun von Calw aus von Pfarrer Georg Schwarz betreut.
„Dieser Ort hat einfach eine eigene Kraft“
Eigentlich ist die Hirsauer Kirchengemeinde eine eher kleine, was die Zahl der Mitglieder betrifft. Allerdings besuchen jedes Jahr etwa 30 000 Menschen das Kloster, wie Steinbach berichtet. Sie kommen im Kloster zur Ruhe und ins Nachdenken.
Mit der Zeit ist so der Slogan „Amen atmen“ entstanden. Unter diesem und dem markanten Logo sind die besonderen Angebote zusammengefasst, die der Theologe angestoßen hat. „Dieser Ort hat einfach eine eigene Kraft“, findet er. Auch die Besucher würden die Gegenwart Gottes spüren. Das Kloster wirkt tatsächlich.
Geistliche Führungen und kreative Stationen, die Klosterbesucher entdecken und an denen sie geistliche Impulse erhalten können, aber auch Lebensliturgien – kurze Tageszeitengebete, die es unter www.lebensliturgien.de als Podcasts gibt – sind so entstanden. Dazu kommen Sonntagabendandachten und Ende Juni die Klosterzeit: vier Tage Gebet rund um die Uhr. Eine Zusammenarbeit mit anderen christlichen Gemeinden. „Das ist einfach ein große, beglückende Ökumene hier“, meint Steinbach.
In Hirsau konnte der Pfarrer seine Kreativität und seine frischen Ideen für Kirche und Glauben ausleben. Wie sehr ihn das begeistert hat, das schwingt in seinen Worten mit, wenn er erzählt. Auf seiner Zeit in Hirsau habe viel Segen gelegen. Das Kloster wirkt.
Interessierte erhalten unter www.amen-atmen.de Eindrücke von dem, was während Sebastian Steinbachs Zeit in Hirsau entstanden ist.