Pfarrer Christian Albrecht leitet die digitale Gesprächsrunde. (Screenshot) Foto: Herzog

Das Thema Segnung Homosexueller und Mißbrauch beschäftigte die Seelsorgeeinheit. Pfarrer Christian Albrecht hatte aus diesem Grund zur Online-Diskussion eingeladen.

Aichhalden - Eltern und Führungspersonen sollten Vorbilder für Kinder sein, heißt es im Volksmund. Dass es auch umgekehrt sein kann, zeigt das Thema Segnung homosexueller Paare in der (katholischen) Kirche.

Aufgrund der Ansprache von Pfarrer Christian Albrecht am Ostermontag (wir berichteten) lud der gemeinsame Ausschuss der Seelsorgeeinheit Aichhalden-Winzeln-Waldmössingen kürzlich zu einer Videokonferenz mit offener Diskussion zum Thema Segnungen Homosexueller und Missbrauch in der Kirche ein.

Kirche brauche Reformen

Gemeindereferentin Catarina Wetter betonte einführend, jedes Kind müsse mit all seinen Stärken und Schwächen und den Fähigkeiten, die ihm Gott geschenkt habe, in der Kirche willkommen sein. Das Thema habe die Ministranten in Waldmössingen aufgewühlt. Sie seien nach einer Sitzung zu dem Entschluss gekommen, dass die vom Vatikan verbotene Segnung gleichgeschlechtlicher Paare absurd sei, ebenso die Begründung hierfür. Sie hätten eine Stellungnahme und eine Unterschriftenaktion auf ein Plakat geschrieben, die in der Kirche aufgestellt seien, übermittelte Wetter.

Kreis-Jugendseelsorger Michael Keller äußerte sich ähnlich. Das Katholische Jugendreferat der Dekanatsstelle Rottweil vertrete die Ansicht, dass die Segnung allen Menschen zustehe. Die Kirche brauche Reformen, sie müsse bunt und vielfältig sein und dürfe keinen Menschen ausschließen. Er werde das Gefühl nicht los, dass der synodale Weg von oben gestoppt werden soll. "Wenn wir die Bibel wortwörtlich nehmen, fangen wir morgen wieder an, Menschen zu steinigen. Ich habe den Eindruck, es gibt hohe Ordensträger, die ihren Dienst nicht so wichtig sehen", rügte Keller.

Die Kirche, urteilte Karl-Heinz Hezel, reagiere immer aus Angst. "Ich weiß nicht, wie viele Austritte es durch das Verbot geben wird. Viel wichtiger ist der Missbrauchsskandal, der gerade in den Hintergrund gerät. Es ist sehr erschreckend, dass die katholische Kirche aus Angst nicht dazu steht. Aber so ist sie nicht glaubhaft. Dass gleichgeschlechtliche Paare keine Gotteskinder sein sollen, trifft mich hart", sagte Hezel.

Magda Schmid räumte ein, bisher gegen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gewesen zu sein, weil sie so erzogen worden sei. Sie sei jetzt aber der Meinung, dass da von der Hetero-Ehe als Sakrament unterschieden werden müsse. Manuel Gaus aus Winzeln argumentierte, die Kirche benehme sich wie ein Verein. Es sei notwendig, dass in den Schulen über Homosexualität unterrichtet werde, da gerade dort homosexuelle Ausdrücke als Schimpfwörter benutzt würden. "Bei der Einnahme der Kirchensteuer ist es der Kirche egal, wer homosexuell ist und wer nicht", sagte er.

Roland Weißer sprach von der Gefahr, dass die Kirche mit ihrer Haltung die Chancen verspiele und an Bedeutung verliere. Wenn sie "ihre Schäfchen behalten will", müsse sie sich öffnen. Missbrauchsfälle müssen aufgeklärt und bestraft werden. "Sonst sieht die Zukunft nicht gut für sie aus", prophezeite Weißer.

"Jeder Pfarrer kann das so machen, wie er es sieht"

Luitgard Klaußner vertrat die Ansicht, dass die Segnung von wiederverheirateten Paaren ein noch viel wichtigeres Thema sei, da sie die weitaus größere Gruppe darstellten. Renate Schwab wollte von Pfarrer Daniel Röthlisberger aus Fluorn die Haltung der evangelischen Kirche erfahren. Die Bibel, so Röthlisberger, sei auf dem Papier die alleinige Grundlage der evangelischen Kirche. Sie werde aber hinsichtlich der Sexualität ganz unterschiedlich gelesen. Die evangelischen Pfarrer hätten die Schwierigkeit der Gewissensbindung zu diesem Thema. "Wir haben eine liberale Stellung, die aber von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ist. Jeder Pfarrer kann das so machen, wie er es sieht. Dadurch wird die Situation aber nicht besser", gab Röthlisberger zu.

Susanne Schneider berichtete von ihrer elfjährigen Tochter, die nach der Zusammenkunft der Minis ihr Unverständnis ausdrückte und zu ihr gesagt habe: "Wo ist eigentlich das Problem? Manchmal machen wir Erwachsene mit unserem System bei den Kindern etwas kaputt", warnte Schneider.

Auf Anfrage von Kathrin Keller versicherte Pfarrer Christian Albrecht, die heutige Diskussion werde nicht im Sande verlaufen, sondern fortgeführt und in den Gremien besprochen. Die Minis lüden dazu ein, dass jeder seine Meinung zu diesem Thema äußern und auf ein leeres Plakat in der Kirche schreiben dürfe, so Albrecht.

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