Stefan Märkl ist seit Oktober Kooperator in den Seelsorgeeinheiten der Pfarrei St. Symphorian Zell am Harmersbach. Sein Dienstsitz ist in Wolfach. Foto: Reinhard

Nach zwölf Jahren im Norden Baden-Württembergs hat Pfarrer Stefan Märkl in Wolfach einen neuen Wirkungskreis gefunden.

Viel wusste er nicht über das Kinzigtal, als er im Oktober vergangenen Jahres in Wolfach ankam. Doch es scheint, als hätte Pfarrer Stefan Märkl genau den richtigen Wirkungsort gefunden: Selbst im ländlichen Raum aufgewachsen, seien ihm schnell die schöne Landschaft, die zugewandten Menschen, das hübsche Städtchen und die Heimatverbundenheit der Leute positiv aufgefallen, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

Märkl ist seit Anfang Oktober Kooperator in den Seelsorgeeinheiten der Pfarrei St. Symphorian Zell am Harmersbach mit Dienstsitz in Wolfach. Der 52-Jährige ist seitdem für die Seelsorge von rund 35 000 Katholiken verantwortlich.

Er stammt ursprünglich aus Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern. Dieser Ort hat zwar bedeutend mehr Einwohner als Wolfach, aber dennoch etwas mit der Stadt im Kinzigtal gemeinsam: Auch in Garmisch-Partenkirchen wurde lange Zeit Flößerei betrieben. Wenn auch, wie Märkl berichtet, in etwas anderer Form als in Wolfach und Schiltach.

Pfarrer seien dazu angehalten ihren Wirkungsort zu ändern

Vor seiner Anstellung im Kinzigtal war Märkl zwölf Jahre in Lauderskönigshafen im Norden Baden-Württembergs angestellt. Seit 2020 trug er dort auch die Kirchenentwicklung mit. „Es war eine gute Zeit“, fasst er seine vorherige Tätigkeit zusammen. Die Entscheidung für einen Wechsel habe er getroffen, weil Pfarrer dazu angehalten sind, nach zehn bis 15 Jahren ihren Wirkungsort zu ändern – und weil die Veränderungen im Rahmen der Kirchenentwicklung (wir berichteten) einen günstigen Zeitpunkt darstellten.

Im kirchlichen Amtsblatt sah er die Ausschreibung für die Stelle in Wolfach und sein Kollege Michael Lienhard sprach ihn bezüglich dieser Stelle ebenfalls an. „Wir kennen uns aus der Ausbildung“, erklärt Märkl, „und wir hatten auch beide mit Kirchenprozessen zu tun“. Nach einer Anfrage in der Personalabteilung in Freiburg folgten einige Gespräche, unter anderem mit Lienhard und seinem Vorgänger Hannes Rümmele. Dann war der Wechsel Märkls beschlossen.

Er selbst wusste nicht viel über seinen neuen Wirkungsort, „aber ich habe mich sehr schnell auf den Neuanfang eingelassen. Natürlich habe ich mir ein paar Bilder angeschaut, um mir einen Eindruck zu verschaffen und mir hat vor allem die Landschaft gefallen. Ich komme vom Land und fühle mich in der Natur sehr wohl“, berichtet der Pfarrer.

Gespräche und Kennenlernen prägten die Anfangszeit

Nach seinem Umzug sei die Anfangszeit geprägt gewesen von vielen Gesprächen und dem Kennenlernen. „Mit den neuen Kirchengemeinden und einem neuen Pfarrer hatten die Gläubigen einige Fragen“, blickt Märkl zurück. „Sie fragten sich, wie genau es denn jetzt weitergeht und die Nähe zur Seelsorge erhalten bleibt.“ Für ihn kein Problem: „Ich bin gerne bei den Menschen und spreche mit ihnen – und das nicht nur im kirchlichen Zusammenhang.“

Gleichzeitig habe er auch eine große Offenheit für das Neue – auch das neue Miteinander – gespürt. So sei es gelungen, dass man nun im Prozess sei, dass jeder seinen Platz in der neuen großen Kirchengemeinde finde.

„Die Leute sind sehr dankbar, dass die Seelsorge hier in der Fläche bleibt und dass im Seelsorgeraum Wolfach jemand vor Ort ist“, fasst Märkl zusammen. Eines seiner Ziele sei es, das vertrauensvolle Zusammenarbeiten der Ehrenamtlichen sicher zu stellen. „Da gibt es gute Ansätze und Vorgeschichten, aber wir müssen daran denken, dass es auch immer wieder Wechsel geben wird. Manche hören auf, es gibt neue Gremien, die gut zusammen finden müssen. Grundsätzlich muss es darum gehen, Raum zu schaffen für Neues und gleichzeitig Bewährtes zu pflegen “, umreißt Märkl. Und er sagt: „Mir ist es dabei wichtig, dass wir das, was wir tun, mit Freude machen können.“

Ihm sei bewusst, dass man die Altersstrukturen in der Kirche „nicht schönreden kann“. „Das können wir nicht übersehen, aber als gläubiger Mensch muss man grundsätzlich Optimist sein“, findet der Wolfacher Pfarrer.

Katholische Kirche im ländlichen Raum sei für viele ein Zufluchtsort

Die Kirche müsse den Menschen einen Rahmen schaffen. „Glaube kann man nicht machen, aber etwas dafür tun, dass die Menschen glauben“, ist Märkl überzeugt. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass die katholische Kirche im ländlichen Raum etwas ist, das viele mit Heimat verbinden und das für viele ein Zufluchtsort ist. Das zeigten unter anderem die vielen Wallfahrtsorte, die häufig frequentiert würden. „Die Kirche bringt viele Menschen im ländlichen Bereich zusammen“, so Märkl. Unter anderem aus diesem Grund gibt es in der Eremitage St. Jakob wieder Gottesdienste und auch die Klause soll langfristig wieder besetzt werden.

„Mit der kommenden Fastnacht habe er keine Berührungsängste“, sagt Märkl. „Viele haben mir schon davon erzählt und es ist für die Menschen von hier wichtig“, sagt er. Er gedenke, mitzufeiern, denn: „Da, wo ich hingehe, sind die Menschen die Hauptsache.“

Zur Person

Stefan Märkl wurde 1972 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Nach Studium und Berufstätigkeit als Wirtschaftsingenieur trat er im Jahr 2000 ins Freiburger Priesterseminar ein und studierte in Freiburg und Erfurt Theologie. Im Jahr 2008 wurde er in Freiburg zum Priester geweiht. Er arbeitete zuvor als Diakon in der Seelsorgeeinheit Mannheim-Süd und nach seiner Priesterweihe als Vikar in den Seelsorgeeinheiten Hechingen und Oberkirch. Seit 2013 war er gemeinsam mit Pfarrer Ralph Walterspacher Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Lauda-Königshofen im Dekanat Tauberbischofsheim.