Architekt Hermann Josef Dannecker und Vorsitzende des Schömberger Kirchengemeinderats Ines Saffrin besichtigen den Dachstuhl der Wallfahrtskirche Palmbühl. Foto: Dillmann

Länger dauert die Sanierung am Palmbühl, doch letztlich startet der Wallfahrtsort mit geöffneter Kirche ab 1. Mai in die Saison. Die Arbeiten dauern noch bis Herbst 2026 an.

Im Jahr 2022 waren die Pläne noch groß. Vor allem der Innenraum der Wahllfahrtskirche am Palmbühl sollte renoviert werden. Auch die Technik und Elektronik, die zuletzt im Jahr 1963 erneuert wurde, hätten eine Aufbesserung vertragen. Doch eine kleine, vorsorglich gestellte Frage macht all diese Pläne zunichte: Wie sieht das Dach aus?

 

Augenscheinlich nichts zu beanstanden – bis man genauer hinschaut. „Optisch sah es gut aus, trocken“, erinnert sich Architekt Hermann Josef Dannecker. „Wir haben es aufgemacht und gesehen, dass die Balken morsch und sanierungsbedürftig sind.“

Die Sanierung im Innenraum musste also auf Eis gelegt werden. Bei einer Begehung 2023 wurden die Schäden genauer begutachtet. Bis dato hatte es unentdeckterweise im Turm reingeregnet.

Als die Sanierungsarbeiten im November 2024 starteten, gab es noch den Traum, im Mai 2025 wieder zu eröffnen. Mit einem Jahr Verzögerung soll dies nun zum 1. Mai 2026 erfolgen. Neben Tischlern und Schreinern sind auch Restauratorinnen am Werk. „Das ist ein historisches Denkmal, da muss man einiges beachten“, spricht Architekt Dannecker aus Erfahrung.

Diözese finanziert größten Teil

Da sich das Ausmaß der anstehenden Arbeiten erst sukzessive zeigte, befindet man sich aktuell bereits in der dritten Sanierungswelle. „Normalerweise müssten jetzt alle Schäden entdeckt worden sein“, versichert der Architekt. Jedes Mal musste das Budget für das Gotteshaus erweitert werden, obwohl nach wie vor nur das Dach in Angriff genommen wurde, damit eine Vielzahl an Balken sowie die Apsis, Dachziegel und Gesims. Der Walm wird beispielsweise komplett abgebaut, nummeriert und wieder fachgerecht aufgebaut. Auch der Turm muss komplett abgenommen und mit zuverlässiger Statik versehen erneut aufgebaut werden.

Bis auf einen überschaubaren Eigenanteil der Kirchengemeinde werden die Kosten von der Diözese getragen. „Rottenburg ist dem Wallfahrtsort gegenüber sehr wohlwollend“, merkt Dannecker an. „Der Palmbühl ist der Diözese als Ort für Gebet und Spiritualität wichtig.“ Ines Saffrin, Vorsitzende des Schömberger Kirchengemeinderats, merkt ergänzend an, dass eigentlich ein Bau-Moratorium bestehe. Zunächst soll das Projekt „Räume für eine Kirche der Zukunft“ ausgearbeitet werden, wobei vor allem energetische Aspekte, die Digitalisierung, aber auch der demografische Wandel und fehlendes Personal berücksichtigt werden.

1,3 Millionen Euro

Dennoch hat sich die Diözese das Dach des Palmbühls anstatt der anfänglich veranschlagten 480.000 Euro inzwischen 1,3 Millionen Euro kosten lassen. Wann und ob die Elektrik, der Innenraum und die Fassade in Angriff genommen werden, steht unter einem großen Fragezeichen.

Die Sanierung ist zwar noch nicht vollends fertiggestellt, dennoch kann das Programm in der Wallfahrtskirche stattfinden – und zwar ohne das Veranstaltungszelt, das in der vergangenen Saison herhalten musste. Das Innengerüst wurde abgebaut, zumindest bis zum Altarbogen. Da der Turm noch saniert wird, bleibt der darunter liegende Teil des Gebäudes zunächst unzugänglich. Der Altar wird daher vorgezogen und eine Wand gegen den Staub errichtet. Der Altarraum wird auf einem Plakat abgebildet, das dem Ort eine gewisse Atmosphäre ermöglichen soll. Auch die Emporen sind gesperrt, da sie als Zwischenlager für die Orgelpfeifen dienen. Das prächtige Instrument steht weiterhin auf der Sanierungsagenda. Wann dies jedoch erfolgen soll, ist bisher unklar.

Chöre und Jagdhornbläser

Das klassische Wallfahrtsprogramm in Schömberg findet vor allem an Sonn- und Feiertagen statt. Ab sofort gibt es um 10.30 Uhr die Heilige Messe, um 14.30 Uhr die Maiandacht mit anschließendem Kaffee und Kuchen. Hierbei kommt an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, Bischof Johannes Kreidler zum Palmbühl. Die Werktagsmessen finden weiterhin im Pilgerstüble statt. Die klassischen Events, wie etwa Fahrzeugsegnung und Maria Himmelfahrt mit Bewirtung, stehen auch 2026 an. Die Veranstaltungen während der Saison werden häufig von Gastgruppen musikalisch umrahmt, seien es etwa Chöre oder die Jagdhornbläser. Für die Umrahmung der restlichen Veranstaltungen wird die kleine Orgel aus dem Altarraum in das Kirchenschiff verlagert. „Diese Aktionen dienen auch dem Erhalt des Palmbühls“, erwähnt Saffrin. „Wir sind daher immer über Kuchenspenden froh.“