Mit dem sogenannten "Abstauben" der Masken beginnt traditionell die Fastnacht in Baden-Württemberg. Deren Stattfinden steht in diesem Jahr jedoch auf wackeligen Beinen. Foto: dpa

Kinzigtäler Zünfte diskutieren Möglichkeiten für 2021. Normalbetrieb ist nicht angesagt.

Mittleres Kinzigtal - Wie kann die Fasent 2021 inmitten der Corona-Pandemie überhaupt aussehen? Diese Frage hat beim Regiotreffen der Kinzigtäler Narrenzünfte am Freitagabend in Fischerbach im Mittelpunkt gestanden.

Auf Einladung der Giftzwerge, die das Treffen dieses Jahr ausgerichtet haben, gab Tobias Rauber einen Impulsvortrag zu dem Thema. Er ist als Schriftführer einer der drei Vorstände der Haslacher Narrenzunft und hatte einige kreative Ideen im Gepäck. Klar müsse allen jedoch sein, dass es weder eine Fasent "wie gewohnt" geben könne, noch, dass es Patentrezepte für die Situation gebe.

Zunächst blickte Rauber auf die Absage der Fastnacht 1991 zurück – damals hatte man angesichts des Golfkriegs aus moralischen Gründen aufs Feiern verzichtet. Im Rückblick sah Rauber dies durchaus kritisch und stellte fest, Fasent sei immer ein Ausdruck des Zeitgeists, wie beispielsweise das Aufs-Korn-Nehmen aktueller politischer Entwicklungen zeige. Wenn die Fastnacht aber Ausdruck des Zeitgeists ist, muss aber – gerade in Zeiten wie während der Corona-Pandemie – die Frage erlaubt sein: "Müssen wir zwingend am Althergebrachten festhalten?" Damit sei auch eine Grundsatzfrage für jede einzelne Zunft verbunden: Nämlich diejenige, ob die Pandemie und die vielen Auflagen, die mit ihr einhergehen, das generelle Aus für die Fasent 2021 bedeutet – "oder ob es Alternativen gibt".

"Fastnacht kann nicht abgesagt werden"

Dabei sei klar, dass gerade bei Veranstaltungen, die Fixkosten mit sich bringen, ein großes Risiko bestehe. Wenn die Planung dieser dazu noch langen Vorlauf bräuchte, müsse man natürlich zeitnah überlegen, ob man das Risiko eingehen wolle. Aber bei anderen Veranstaltungen stelle sich in seinen Augen die Frage noch nicht. Es gebe so viele kleinere Veranstaltungen oder Traditionen, bei denen eine Absage zu diesem Zeitpunkt nicht vonnöten sei. "Das muss aber jeder Verein für sich entscheiden", machte Rauber deutlich.

Klar sei aber: "Die Fastnacht an sich kann nicht abgesagt werden." Denn diese sei per Definition nicht von Veranstaltungen abhängig, sondern per Definition ein Zeitraum, der vor Beginn der Fastenzeit liegt. Es könne daher grundsätzlich nur um die Absage von Veranstaltungen gehen. Und auch da blieb er realistisch: "Wie sollen wir beispielsweise einen ›normalen‹ Fastnachtssonntag stattfinden lassen? Das wäre Harakiri."

Den anwesenden Vereinsvertretern riet Rauber, hinsichtlich möglicher Alternativen den Dialog mit den Entscheidern vor Ort zu suchen. Das könnten beispielsweise Wirte sein, wenn es um das Schnurren gehe. Ganz wichtig sei es, mit den Bürgermeistern zu sprechen, um zu ermitteln, was überhaupt möglich wäre. Das Schnurren als Saalveranstaltung in die Stadthalle zu verlegen sei beispielsweise eine Möglichkeit. Unter Berücksichtigung der Abstände müsste es dann vielleicht zweimal stattfinden. Ein Kartenvorverkauf biete sich an – "und wenn ihr feststellt, dass keiner kommen will, fällt der Abend halt aus", meinte Rauber. Natürlich müsse bei allem berücksichtigt werden, wie die Lage dann sei – eine Prognose, was möglich ist und was nicht, kann zur Zeit niemand abgeben.

Sicherheit steht über allem

"Uns geht es bei allem vielleicht auch zu sehr um das, was aus der Fasent geworden ist", befand Rauber. "Aber kleinere Dinge, die auf jeden Fall gehen, werden wir finden", war er sich sicher: "Was spricht zum Beispiel dagegen, ein Fasentmotto auszurufen, damit die Kinder sich im Kindergarten verkleiden können?" Gerade die Nachwuchsarbeit sei wichtig.

Wichtig sei auch, bei allem verantwortungsvoll zu handeln. Die Sicherheit Vereinsmitglieder und der potenziellen Gäste stehe über allem.

Trotzdem: "Die Fasent und deren Geist kann man nicht verbieten." Wichtig sei, dass auch die Zünfte untereinander in Austausch gingen.