Die sogenannte Forsteinrichtung als vorgeschriebener, zehnjährige Betriebsplan stellt die nachhaltige Bewirtschaftung der Gemeindewälder sicher Foto: Kleinberger

Viele Kinzigtäler Gemeinden feiern ein gutes Waldjahr 2025 und hegen große finanzielle Hoffnungen wegen gestiegener Holzpreise. Doch wie gut geht es den Bäumen?

Zum Jahreswechsel berichteten zahlreiche Gemeinde im Kinzigtal von guten Nachrichten aus ihren Wäldern. Vielerorts war sogar von einem „erholsamen Jahr“ für den Wald die Rede. Angesichts dieser positiven Meldungen mochte mancher Beobachter seinen Ohren kaum trauen: Hieß es nicht über Jahre hinweg, der deutsche Wald sei ein Sorgenkind und habe mit erheblichen Anpassungsschwierigkeiten an den Klimawandel zu kämpfen? Bestätigten nicht von Borkenkäfern gezeichnete Kieferhänge die schlimmsten Befürchtungen? Stattdessen sorgten vor allem die in diesem Jahr erzielten Holzpreise für Jubel über die dringend benötigte Entlastung der Gemeindekassen. Bei manchem Ratsmitglied wurden dabei umgehend neue Begehrlichkeiten geweckt: Ob man nicht einfach deutlich mehr Holz aus dem Stadtwald holen könne, wurde etwa im Haslacher Gemeinderat gefragt. Die anwesenden Forstleute bemühten sich, die finanziellen Erwartungen der Stadtoberen zu dämpfen.

 

Dennoch stellt sich angesichts der in nahezu allen Kinzigtal-Gemeinden angespannten Haushaltslage die Frage, wie schwierig es künftig sein wird, die vermeintliche Geldquelle vor der eigenen Haustür vor einer allzu drastischen Ausbeutung zu bewahren. Die Forstexperten bemühen sich im Gespräch mit unserer Redaktion um Relativierung.

Der Gutacher Revierleiter Max Lücking betont, dass es bei vielen Gemeinden und Waldbesitzern ein hohes Maß an Einsicht gebe, dem Wald nicht über Gebühr zu Leibe zu rücken.

Bewirtschaftung im Gemeindewald hat eine lange Tradition

Der kurzfristige finanzielle Erfolg dürfe nicht über die langfristige Verantwortung hinwegtäuschen, die mit der Bewirtschaftung der Wälder verbunden sei. Um den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu bewältigen, seien den Kommunen klare Grenzen gesetzt, erklärt zudem der Wolfacher Forstbezirksleiter Mario Herz. „Die Wälder der Kommunen verfügen alle über eine sogenannte Forsteinrichtung. Dieser gesetzlich vorgeschriebene, zehnjährige Betriebsplan stellt die nachhaltige Bewirtschaftung sicher und garantiert den Erhalt der vielfältigen Waldfunktionen“, so Herz. Zwar versuche man stets, für den jeweiligen Forstbetrieb das bestmögliche wirtschaftliche Ergebnis zu erzielen, „finanzielle Wunder lassen sich dadurch aber nicht mehr realisieren“.

Dass mit dem Wald Geld gemacht wird, ist für Lücking nicht nur kein Problem, sondern Voraussetzung für eine funktionierende Waldwirtschaft: „Nur wer nutzt und Erträge erzielt, kann den Wald auch langfristig durch Pflege und Reinvestition sichern.“ Es gelte: Die entnommene Holzmenge muss unter dem liegen, was nachwächst. Und mit den Einnahmen aus dem Holzverkauf lassen sich wiederum die Struktur und Stabilität in den Wäldern förden. Den Wald völlig dem menschlichen Einfluss entziehen, möchte Lücking nicht.

Trotzdem sollte in Deutschland als Teil der nationalen Biodiversitätsstrategie fünf Prozent der Gesamtwaldfläche naturbelassener Wald sein. Realität ist es bis heute aber nicht geworden: In Baden-Württemberg sind es nur 0,6 Prozent, in seiner Kommune Gutach gibt es überhaupt keine Naturwaldflächen. „Korrekterweise“, findet Lücking. Die Bewirtschaftung stehe im Gemeindewald in einer langen Tradition. Das schließe weder geschützte Waldgebiete und Biotope aus noch den Schutz für die heimische Tierwelt.

Eine Fehldeutung betrifft laut Lücking die Bewertung des vergangenen Jahres als klimatisch unbedenklich. Auch 2025 sei wettertechnisch kein reiner Segen gewesen. Prinzipiell sei es zu warm gewesen, sogar ganze 2,1 Grad über dem Jahresmittel. Aber: „Besonders im Schwarzwald konnten wir aber über die Sommermonate von großen Niederschlagsmengen profitieren“, so der Revierleiter. Exakt diese Verbindung aus Trockenheit und Hitze sei für den Wald besonders schädlich und biete auch dem Borkenkäfer erst die Grundlage für seine Ausbreitung. In Bezug dessen sei 2025 tatsächlich positiver für den Wald verlaufen als die Jahre zuvor.

Möglicherweise eher Verschnaufpause als als eine wirkliche Erholung

„Aber nur weil dieses Jahr recht positiv verlief, ist der Klimawandel nicht aufgehoben“, so Lücking. Auch der Wolfacher Forstbezirksleiter Herz verweist darauf, dass sich die Gesundheit des Waldes nicht so kurzfristig beurteilen lasse: Man müsse abwarten, wie sich Niederschlagsmenge und Mitteltemperaturen langfristig entwickelten. Es sei gut möglich, dass man im Rückblick auf 2025 eher von einer „Verschnaufpause“ denn von einer wirklichen Erholung sprechen könne.

Fichte unter Druck

Durch den Klimawandel gerät laut Forstbezirksleiter Mario Herz die Fichte unter Druck. Als ihr Ersatz wird oft die Douglasie gepflanzt, aber auch vermehrt Laubholz wie Roteiche oder Spitzahorn.