Die „Omas gegen Rechts“ aus dem Kinzigtal luden im vergangenen Jahr zum „Tag der Demokratie“. Auf dem Foto stellen Ute Droll (von links) und Claudia Schulz die Initiative vor. Foto: Ramsteiner

Die „Omas gegen Rechts“ blicken auf ein bewegtes, aber auch Hoffnung machendes Jahr zurück. Wie sich die Initiative entwickelt hat, erklärt Sprecherin Claudia Schulz.

Die „Omas gegen Rechts“ gibt es seit 2024 auch im Kinzigtal. Seither setzt sich die Gruppe für Dialog, Menschlichkeit und Demokratie ein. Dafür zeigen die „Omas gegen Rechts“ Flagge, etwa auf Märkten oder mit eigenen Veranstaltungen. Ein Schock für die Kinzigtäler Initiative war der Tod ihrer Gründerin Michaela Keller im April. Ihre Mitstreiter blieben aber zusammen und inzwischen ist Claudia Schulz die Sprecherin der „Omas gegen Rechts“ im Kinzigtal. Im Gespräch mit unserer Redaktion hat sie auf das vergangene Jahr zurückgeblickt und erklärt, was in diesem Jahr geplant ist.

 

„Der Kern ist stabil geblieben“, freut sich Schulz mit Blick auf den engsten Kreis der „Omas gegen Rechts“. Rund 20 Menschen seien es, die regelmäßig zu den monatlichen Treffen vorbeikommen (siehe Info). Dort wird sich ausgetauscht und geplant. Auch im vergangenen Jahr haben die „Omas“ so einiges auf die Beine gestellt. Bestimmte anfangs noch die vorgezogene Bundestagswahl die politische Debatte, war der „Tag der Demokratie“ am Tag der deutschen Einheit, zu dem die „Omas gegen Rechts“ in den Hausacher Mostmaierhof geladen hatten, eine Aktion, an die sich die Initiative gerne zurück erinnert. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen“, erinnert sich Schulz. Und das nicht nur mit Blick auf den „Tag der Demokratie“, bei dem sich viele Besucher gewünscht haben, dass er auch in diesem Jahr wieder organisiert wird.

Verschärfter Umgangston vor anstehenden Wahlen

Angesichts von teils aufgeheizten politischen Debatten, erstarkendem Rechtspopulismus und Extremismus will sich die Kinzigtäler Gruppe für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang einsetzen – und für gesellschaftliche Freiheiten und Rechte. Vor Wahlen verschärfe sich der Umgangston, beobachtet Schulz. Auch für die anstehende Landtagswahl am 8. März rechne sie mit mit einer solchen „Verschärfung“. Insgesamt findet Schulz, dauere diese Entwicklung aber schon seit Jahren an. Sie und ihre Mitstreiter hoffen „das sich ein friedlicher Ton wieder ausbreitet“.

Hoffnung machen ihr die schönen Begegnungen, die bei den Treffen und Aktionen der Kinzigtäler „Omas gegen Rechts“ immer wieder zustande kämen. Auch mit anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen aus der Region sei man immer wieder im Austausch.

Wenn die „Omas gegen Rechts“ in der Öffentlichkeit auftreten, dann häufig, wenn die AfD einen ihrer Stände aufgebaut hat. Auch im Kinzigtal scheint die Partei stärker Fuß zu fassen, gründete unlängst den „Gebietsverband Mittleres Kinzigtal“.

Anfeindungen bekommt die Gruppe selten zu spüren

Kommt es da zu einem sachlichen Austausch? Das sei schwierig, meint Schulz. „Die Kommunikation ist herausfordernder geworden“, umschreibt sie mit Blick auf Gespräche mit AfD-Vertretern. Trotzdem wollen die Kinzigtäler „Omas gegen Rechts“ auch in diesem Jahr wieder Präsenz zeigen. Das sei wirksam, glaubt Schulz. „Kaffeetrinken in der Öffentlichkeit für die Demokratie“, scherzt sie.

Anfang des vergangenen Jahres gerieten die „Omas gegen Rechts“, welche in zahlreichen Regionen Deutschlands in eigenen Gruppen aktiv sind, in den Fokus der Öffentlichkeit. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte im März eine Anfrage unter dem Titel „Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ an die Bundesregierung gestellt. Unter den hunderten enthaltenen Fragen beschäftigten sich auch einige mit den „Omas gegen Rechts“, was bei manchen für Entrüstung gesorgt hatte. „Bei uns geht manchmal der Hut rum“, erklärt Schulz. Aber sie würden sich im Kinzigtal natürlich selbst finanzieren.

Die Debatte sei zwar schnell wieder verebbt, dennoch komme es vor, dass die Kinzigtäler Initiative auch angegangen werde, wenn auch nicht oft, wie Schulz betont. „Oft im vorbeigehen“, berichtet sie. Vielleicht falle das den Menschen, die die unfreundlichen Kommentare abgeben würden leichter als im direkten Austausch, vermutet Schulz. Mit über die Weihnachtszeit und „zwischen den Jahren“ geschöpfter Energie, wollen sich die „Omas gegen Rechts“ im Kinzigtal schon bald wieder treffen – und hoffen auf neue Mitstreiter. Wörtlich dürfe man „Omas“ übrigens nicht nehmen. Alle Altersklassen seien willkommen.

Die Treffen

Üblicherweise treffen sich die Kinzigtäler „Omas gegen Rechts“ jeden ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr zum Austausch im Hausacher Mostmaierhof. Eine Ausnahme ist der Januar: Das Treffen ist diesen Monat am 8. Januar. Interessierte sind willkommen.