Die garantierten Kassenschlager von Disney oder Marvel können im Donaueschinger Guckloch nicht laufen. Theaterleiterin Annie Bronner (rechts) und Hélène Namboutin-Uphaus müssen ihr Programm sorgfältig und mit großem Aufwand auswählen. Foto: Daniel Vedder

Blockbuster sucht man im kommunalen Kino vergebens. Das Team sucht immer wieder Filme auf der Berlinale. Und manche davon werden erst zu Oscar-Krachern.

1,4 Milliarden Dollar – nein, hier geht es nicht um eine Haushaltslücke, die selbst großen Ländern Kopfzerbrechen bereiten würde. Das ist laut der Seite Boxofficemojo das Einspielergebnis des Kinofilms „Avatar: Fire and Ash“, Stand 3. Februar 2026. Umgerechnet sind das knapp 1,2 Milliarden Euro.

 

Gerade einmal zwei Wochen lief der Film noch im Jahr 2025. Allein mit seinem Erfolg in diesen wenigen Tagen hatte der Film einen gehörigen Anteil am Branchenergebnis des Jahres. Laut dem Hauptverband Deutscher Filmtheater konnte die Anzahl an Kinobesucher im Vergleich zu 2024 leicht zulegen.

Profitieren können davon jedoch nicht alle Betreiber, die eine große Leinwand zu bieten haben. Solche Blockbuster dürfen nur dort gezeigt werden, wo gewisse Bedingungen der Filmverleihe erfüllt werden können, sagt Annie Bronner. Sie ist Theaterleiterin des Kommunalen Kinos Guckloch in Donaueschingen. So müssten Filme der Größe von Avatar etwa jeden Tag gezeigt werden. „Das können wir nicht erfüllen.“ Bei ehrenamtlichem Betrieb und in der Regel nur einer Spielzeit in der Donauquellstadt sowie am Hauptstandort in Villingen sei dies, anders als in kommerziellen Kinos, nicht möglich.

Mancher preisgekrönte Film läuft im kleinen Saal an den Donaueschinger Donauhallen bereits bevor er auch in Hollywood die Aufmerksamkeit bekommt. Foto: Daniel Vedder

Dass sie Avatar nicht zeigen können, ist für Hélène Namboutin-Uphaus der Reiz am kommunalen Kino. Im Fokus steht die Kultur, sagt sie. Sie wollen Filme aus aller Welt zeigen, auch regionalen und experimentellen Beiträgen eine Plattform geben. „Es geht hier aber nicht ums Geld“, sagt Namboutin-Uphaus. Sie engagiert sich seit etwa 40 Jahren beim Guckloch und ist eine derjenigen, die dabei helfen, das Programm zu bestücken. Wie genau kommt das Kino aber auf seine Filme?

Manches ist schlicht zu teuer

Einfach ist das nicht, denn weniger bekannte Filme, die nicht für den kommerziellen Erfolg gemacht sind – so genannte Arthouse-Filme – kosten das Guckloch-Kino auch Geld. „Manchmal müssen wir auch sagen: Das ist uns zu teuer.“ Und in die Arme fallen dem Team diese Filme ebenso nicht.

Trotzdem gelingt es dem kleinen Kino immer wieder, auch spätere Oscar-Gewinner zu zeigen. So lief hier etwa Anora, der Oscar-Abräumer 2025, schon vor seiner Nominierung. Auch im Februar 2026 stehen mit „Bugonia“ und „Ein einfacher Unfall“ wieder zwei Nominierte auf dem Programm.

Am Ende wird abgestimmt

Dahinter steckt ein intensiver Prozess, sagt Annie Bronner. Einfach formuliert funktioniert es so: Teammitglieder können Filme vorschlagen, dann wird diskutiert und abgestimmt. Bei acht Terminen für je zwei Monate, die das Kino an beiden Spielstätten im Voraus plant, müsse dann auch die eine oder andere schmerzhafte Verzichtsentscheidung getroffen werden.

Mikey Madison, Gewinnerin des Preises für die beste Hauptdarstellerin bei den Oscars 2025 für ihre Rolle im Film "Anora". Foto: picture alliance/dpa/Invision

Genauer betrachtet steckt in dem Ablauf allerdings viel Arbeit und Leidenschaft. Ein Film wie Anora muss vor dem Reigen an Preisen und der Welle der Aufmerksamkeit erst einmal gefunden werden.

So recherchieren Guckloch-Mitglieder vorab ganz intensiv neue Filme, machen das häufig sogar bei Film-Festivals oder im Ausland. Auch in diesem Februar reisen laut Bronner wieder einige Ehrenamtliche des Vereins zur Berlinale. Manche mit einer Akkreditierung für das Guckloch, andere privat, aber immer auch mit dem Kinoprogramm im Hinterkopf. Dazu zählt Hélène Namboutin-Uphaus. Vor zwei Jahren war sie schon einmal für das Guckloch in Berlin, hatte damals drei Filme pro Tag gesichtet. „Andere von uns haben sogar fünf geschaut“, erzählt sie.

Mit welchen Neuheiten sie und ihre Kollegen wieder zurückkehren könnten, kann Namboutin-Uphaus noch nicht sagen: „Ich gehe ganz offen rein und schaue mal.“ Schon oft hatte sie Filme auf dem Schirm, die sie begeistert hätten, bei denen sie jedoch unsicher war, ob sie auch beim Publikum gut ankommen.

Publikum mag Arthouse

Diese Leidenschaft, eine Nische für solche Arthouse-Filme und regionale Beiträge zu befüllen, funktioniert für das Guckloch jedoch gut, sagt Annie Bronner. „Wir stellen fest, dass es hier ein Publikum gibt, das die Kinolandschaft viel verfolgt.“ Die Resonanz für solche Filme sei größer, als man es vermuten würde. Das macht für Bronner und Namboutin-Uphaus auch den Spaß am ehrenamtlichen Engagement beim Guckloch aus: Wenn am Ende des intensiven Auswahlprozesses nicht nur 90 Minuten Unterhaltung stehen. Sondern wenn Zuschauerinnen und Zuschauer danach noch im Foyer über das Gesehene weiter diskutieren.

Die Kinozahlen

Besucher
Laut dem Hauptverband Deutscher Filmtheater konnte die Branche der kommerziellen Kinos mit einem starken Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr ein leichtes Besucher-Plus im Vergleich zu 2024 verbuchen. Etwa 2,2 Prozent mehr Zuschauer strömten demnach im Jahr 2025 in die Kinos als im Jahr davor. Entscheidend dafür waren der Animationsfilm Zoomania 2 und das Science-Fiction-Abenteuer Avatar 3, die zwar beide erst kurz vor dem Jahreswechsel veröffentlicht wurden, aber dennoch auf Platz 4 und 5 im Hinblick auf die Zuschauerzahl für das gesamte Jahr landeten.